1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Kreisseite-Warendorf
  6. >
  7. Unterricht an den Sterbebetten

  8. >

Hospizbewegung stellt ihre Arbeit in einem Buch vor

Unterricht an den Sterbebetten

Kreis Warendorf

Interviews mit Sterbebegleitern geben einen Einblick in die Arbeit der Hospizbewegung im Kreis. Das Buch „Du tust mir gut“ ist aber auch ein Appell an den Leser, mehr über das eigene Leben nachzudenken.

Von und

Sie stellen das Buch mit dem Titel „Du tust mir gut“ vor: (v. l.) Norbert Westerhoff (Vorsitzender) und Anne Maasch (stellvertretende Vorsitzende). Das Foto entstand vor dem Eingang des stationären Hospiz in Ahlen.Foto: privat Foto: Foto: privat

Die Hospizbewegung im Kreis Warendorf hat ein Buch herausgegeben mit dem Titel „Du tust mir gut“. Ursprünglich wollte der Verein zu seinem 25-jährigen Bestehen die eigene Geschichte festhalten. Doch nach mehr als 20 Interviews mit Sterbe- und Trauerbegleitern entstand daraus dieses Buch. Der Untertitel „Wertvoller Unterricht an den Sterbebetten“ verrät, dass der Leser etwas lernen kann: über sich und über die Hospizbewegung vor Ort.

Der ehrenamtliche Vorsitzende Norbert Westerhoff (Beckum) und seine Stellvertreterin Anne Maasch (Rinkerode) erläutern im Interview, wie das Buch zum tieferen Nachdenken über Leben und Tod anregt, warum Hospizarbeit gelassener macht und wie der Besuch im stationären Hospiz Ehrenamtliche verwandelt.

Welche Bedeutung hat das Buchprojekt für Sie als ehrenamtlicher Vorstand der Hospizbewegung?

Westerhoff: Die Hospizbewegung stellt sich mit dem Buch erstmals seit ihrem fast 30-jährigen Bestehen in einer umfangreichen Form dar. Sie gibt Einblick in ihr Innenleben und ihre Geschichte. Die Leser erfahren auch, dass sich die Hospizbewegung nicht auf das stationäre Hospiz beschränkt, sondern dass sie ambulante Arbeit sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit einschließt. Ich bin der Meinung, dass unsere Hospizbewegung als Bürgerbewegung ein besonderer Verein ist. Deshalb halte ich das Buchprojekt für wichtig. Viele Passagen, in denen Mitglieder ihre Erfahrungen zu Sterben und Tod darstellen, können Anstoß zum Nachdenken darüber geben.

Was können die Leser aus dem Buch „Du tust mir gut“ für sich mitnehmen?

Foto:

Westerhoff: Das hängt von jedem einzelnen ab. Man muss das Buch nicht von vorne nach hinten lesen. Man kann hängenbleiben bei dem, was für einen selbst Resonanz hat. Die Menschen können sich durch das Buch inspirieren lassen, über Dinge rund um die Themen Sterben, Tod und Trauer – somit auch über das Leben – tiefer nachzudenken.

Sollten sich auch junge Menschen mit dem Hospizgedanken beschäftigen?

Maasch: Ja, unbedingt. Meiner Meinung nach ist es hilfreich, sich – egal in welchem Alter – mit der Endlichkeit des Lebens zu beschäftigen. Dadurch gewinnt das Leben an Lebendigkeit. Wenn man sich bewusst macht, dass man nächstes Jahr vielleicht nicht erleben könnte, dann wird das, was jetzt da ist, wichtiger.

Die Sterbe- und Trauerbegleiter erzählen, wie sie zur Hospizbewegung gefunden haben. Jeder hat seine eigene Geschichte. Welche ist Ihre, Frau Maasch?

Maasch: Wir haben in der Familie selbst die Unterstützung von Sterbebegleitern der Hospizbewegung erfahren. Das hat mich nie losgelassen. So habe ich mir zehn Jahre danach, das war 2017, ein Herz gefasst und die Vorbereitungskurse zur Sterbebegleitung besucht. Ich war sofort total begeistert. Man beschäftigt sich mit eigenen Lebensfragen, etwa warum man manche Dinge tut. Mir wurde klar, dass ich vieles mache, um anderen zu gefallen. Durch verschiedene Impulse in den Kursen habe ich mich meinen Lebensfragen gestellt. Inzwischen brenne ich so für den Hospizgedanken, weil er mich in meinen inneren Werten berührt.

Im Buch kommt das Projekt „Bewohnen auf Zeit“ vor. Dabei kommen Sterbebegleiter ins stationäre Hospiz. Frau Maasch, Sie selbst gehören zu diesen Ehrenamtlichen. Was bedeuten Ihnen das?

Maasch: Ich bin ja noch berufstätig und habe Familie. Da ist es oft hektisch, bevor ich ankomme. Aber wenn ich im Hospiz bin, komme ich schnell zur Ruhe. Das Gebäude und die Menschen, die mir dort begegnen, üben eine Faszination auf mich aus. Obwohl der Tod da gegenwärtig ist, strahlt das Hospiz Ruhe aus. Die Hektik von draußen ist nicht mehr wichtig. Ich begebe mich in eine Beziehung mit Menschen, die bald sterben. Was kann schlimmer sein, als kurz vor dem Tod zu stehen? Durch diese besondere Atmosphäre gehe ich da verwandelt heraus. Deshalb zieht es mich auch immer wieder dorthin. Ich erlebe die Umwelt nach meinem Besuch intensiver. Es kann aber auch vorkommen, dass ich manchmal zwei oder drei Stunden im Hospiz sitze und keiner das Gespräch mit mir sucht. Aber auch dann ist es für mich wertvoll verbrachte Zeit.

Die Hospizbewegung ist in ihrer Form als Bürgerbewegung besonders.

Westerhoff: Die Hospizbewegung ist von Bürgern initiiert worden und wird auch von Bürgern getragen. Sie erfährt eine breite Unterstützung in der Bevölkerung. Die Hospizbewegung war ursprünglich eine Protestbewegung, die sich gegen den Umgang der modernen Gesellschaft mit Sterben und Tod gewandt hat. Inzwischen ist sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen, verhält sich aber immer noch kritisch gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungen. Ich betrachte es als Privileg, dass wir keinem der großen Wohlfahrtsverbände angehören, sondern relativ unabhängig sind, abgesehen davon, dass wir uns in einem gesetzlichen Rahmen bewegen.

Startseite
ANZEIGE