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Konferenz der Kliniken im Kreis Warendorf

Weniger Patienten, aber höhere Kosten

Kreis Warendorf

Überfüllte Krankenhäuser hat es im Kreis Warendorf wegen der Corona-Pandemie bisher nicht gegeben. Das freut natürlich auch die Klinikchefs, die sich nun zu einer Konferenz trafen. Klar ist aber: Für die Häuser ist die Pandemie noch längst nicht ausgestanden – vor allem nicht finanziell.

Henning Tillmann

Das Josephs-Hospital in Warendorf war gestern Treffpunkt der Klinikchefs des Kreises, die mit der Politik Lehren der Pandemie besprachen. Foto: Henning Tillmann

Der befürchtete Patientenansturm durch die Corona-Pandemie ist ausgeblieben – zum Glück für die Menschen, aber auch für die Krankenhäuser im Kreis. Letztere mussten zu Beginn der Krise schnell reagieren, binnen Wochenfrist ihre komplette Arbeit umstellen und Ressourcen freischaufeln für den Fall der Fälle. Der ist bisher nicht eingetreten.

Darüber sind die Klinikchefs des Kreises, die sich gestern mit den Bundestagsabgeordneten Reinhold Sendker (CDU) und Erwin Rüddel (Vorsitzender des Gesundheitsausschusses) zu ihrer Konferenz im Josephs-Hospital in Warendorf trafen, natürlich heilfroh. „Wir sind bisher Gott sei Dank relativ glimpflich durch die Krise gekommen“, stellte Peter Goerdeler, der Vorstandsvorsitzende des Josephs-Hospitals, fest. Ausgestanden ist die Krise für die fünf Hospitäler deshalb aber noch lange nicht. Weder medizinisch noch bei den mittelbaren Auswirkungen. Denn finanziell drückt der Schuh. Und das hat ausgerechnet auch mit den weggebliebenen Patienten zu tun.

Trafen sich zum Gespräch: (v.l.) Dr. Stephan Pantenburg (St. Elisabeth-Hospital Oelde), Erwin Rüddel (Vorsitzender Gesundheitsausschuss des Bundestages), Michael von Helden (Josephs-Hospital Warendorf), Reinhold Sendker (MdB), Dietmar Specht (St. Josef-Stift Sendenhorst), Peter Goerdeler (Josephs-Hospital Warendorf), Vanessa Richwien (St. Elisabeth-Hospital Beckum), Anja Rapos (St. Franziskus-Hospital Ahlen). Foto: Henning Tillmann

Kliniken haben weniger Umsatz bei höheren Kosten

In Befürchtung des Ansturms waren nämlich aufschiebbare Behandlungen vertagt worden, um die Kapazitäten frei zu halten. Die Folge: Weniger Umsatz bei gleichzeitig höheren Kosten wegen der zusätzlichen Ausgaben für Schutzkleidung und Co. Im normalen Betrieb sind die Krankenhäuser auch noch längst nicht wieder angekommen und werden es wohl selbst am 30. September nicht sein, wenn der Rettungsschirm ausläuft, den die Politik aufgespannt hatte, um die finanziellen Belastungen der Pandemie aufzufangen.

Anschlussregelung für Rettungsschirm nötig

„Es herrscht derzeit eine sehr große Unsicherheit bei den Krankenhäusern. Wir brauchen dringend eine Anschlussregelung. Denn es ist nicht zu erwarten, dass in den Krankenhäusern ab dem 30.9. wieder das normale Leben abläuft. Das Virus wird uns noch lange beschäftigen“, befand Peter Goerdeler. Auch bei der bisherigen Regelung sei nicht alles kostendeckend erfasst. So rechnete er vor, dass für eine komplette Schutzausrüstung, die schon bei jedem Verdachtsfall nötig sei, rund 50 Euro vergütet werden. „Was wir dafür bekommen, ist zu wenig. Eigentlich müssten wir fast das Doppelte haben.“

Bundestagsabgeordnete versprechen Hilfe

Das wie auch die dringend benötigte Anschlussregelung werden Sendker und Rüddel mit in die Gespräche in Berlin nehmen, versprachen sie mit teils recht deutlichen Worten. „Wir werden eine Regelung ab dem 1.10. haben. Die, die uns am stärksten in dieser Krise geholfen haben, wollen wir natürlich bei Laune halten“, sagte Rüddel. Und Reinhold Sendker sieht sogar die lange praktizierte Ausdünnung von Krankenhäusern im ländlichen Bereich vom Tisch: „Wenn in der Krise nach zusätzlichen Betten gerufen wird, ist klar, dass die flächendeckende Versorgung erhalten bleiben muss.“

Beide wollen zudem die sogenannten Vorhalteleistungen bei medizinisch wichtigen Gütern stärker in den Blick nehmen. „Wir haben in dieser Krise gelernt: Wir brauchen mehr Reserven und müssen unabhängiger von China werden“, so Erwin Rüddel.

Krankenhaus-Mitarbeiter haben nach Meinung ihrer Chefs hohe Flexibilität bewiesen

Viel Lob gab es von den Abgeordneten für die Arbeit der Krankenhäuser, die in der Krise schnell reagiert hätten. Das bestätigten die Klinikchefs auch selbst für ihre Mitarbeiter. So zum Beispiel Dr. Stephan Pantenburg, der Geschäftsführer des St. Elisabeth-Hospitals in Oelde: „Es gab eine bemerkenswerte Flexibilität.“ Mitarbeiter aus anderen Bereichen hätten ganz selbstverständlich die Hand gehoben, um in der Intensiven zu helfen. „Da ist Außerordentliches geleistet worden.“

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