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Notfallseelsorger suchen Nachwuchs

Wenn die Welt zusammenbricht . . .

Kreis Warendorf

111 Einsätze bestritten die 39 Notfallseelsorger im vergangenen Jahr im Kreis Warendorf. Für ihre wichtige Tätigkeit suchen sie weitere Unterstützer.

Von Josef Barnekamp

Notfallseelsorger leisten Erste Hilfe für die Seele. 39 von ihnen gibt es im Kreis Warendorf, weitere sollen hinzukommen. Foto: dpa

Wenn man plötzlich einen lieben Menschen verliert, durch Unfall, Suizid oder sonst wie, wenn man Hilfe braucht, weil man in einen schweren Unfall verwickelt ist oder wenn man Augenzeuge einer Katastrophe ist, dann sind sie zur Stelle, die Notfallseelsorger. Sie begleiten die Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten, stehen Menschen an der Unfallstelle bei oder begleiten Angehörige nach dem plötzlichen Tod eines Angehörigen in den ersten Stunden.

111 Mal waren die „Ersthelfer für die Seele“ im vergangenen Jahr im Kreis Warendorf im Einsatz. In rund 70 Prozent der Einsätze war ein häuslicher Todesfall Anlass für den Einsatz, in den übrigen Fällen zu etwa gleichen Anteilen Verkehrsunfälle und die Überbringung einer Todesnachricht. In rund zehn Prozent der Einsätze war ein Suizid Anlass für den Einsatz. Kreisweit 39 dieser Notfallseelsorger gibt es in dieser von der katholischen und evangelischen Kirche getragenen Organisation, die auf Spenden angewiesen ist.

Grundlagenkursus im Oktober

Jetzt sucht die münsterlandweit tätige Notfallseelsorge Nachwuchs. Im Oktober dieses Jahres, so Pfarrerin Alexandra Hippchen im Pressegespräch, startet der nächste Grundlagenkursus, bei dem man binnen eines Jahres lernt, was man für die schwierige Aufgabe mitbringen muss. Hippchen betonte, dass man dort, wo „Ohnmacht und Sprachlosigkeit herrscht, den Menschen wieder an eigene Kräfte und Ressourcen anbinden“ wolle. Die Notfallseelsorger, die über die Kreisleitstellen gerufen würden, seien für den Akuteinsatz da – sprich die ersten Stunden. Die Polizei, die man oft begleite, sei „froh wenn die Betroffenen in guten Händen sind“, sagt Hippchen. Eine wesentliche Aufgabe sei es, „Struktur ins Chaos“ solcher schlimmen Stunden zu bringen und die nötigsten Schritte für die Betroffenen zu begleiten. Dazu gehöre auch, psychologische Hilfen zu vermitteln. Was man mitbringen müsse, um Notfallseelsorger zu werden? „Empathie- und Kommunikationsfähigkeit, Verlässlichkeit und Rationalität. Und man sollte sich nicht von Emotionen anstecken lassen.“

27 Männer und zwölf Frauen

Viele Notfallseelsorger, die aktuell schon dabei sind, kommen aus sozialen Berufen. Aber auch Mitarbeiter der Rettungsdienste machen mit, ehemalige Ärzte und Menschen aus Pflegeberufen. 27 Männer und zwölf Frauen im Kreis Warendorf sind derzeit in der Notfallseelsorge tätig.

Um Menschen auf die Aufgabe vorzubereiten, wird in einer einjährigen Ausbildung vermittelt, wie man Gespräche führt, die richtigen Worte und Rituale findet, mit Kinder in Unglückssituationen umgeht – und auch, wie man sich selbst schützt. Dazu gibt es auch später im Einsatz Supervisionen und Beratung. In die Arbeit selbst wird man behutsam eingeführt. Zunächst als Beobachter, dann als Helfer in Begleitung eines erfahrenen Seelsorgers.

Wer Interesse an einem Grundlagenkursus Notfallseelsorge hat, erhält weitere Infos unter www.notfallseelsorge-muensterland.de. Start des ersten Kurses ist Ende Oktober. Die Wochenendtermine finden jeweils mit Übernachtung in Münster statt.

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