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Kreishandwerkerschaft zieht Bilanz

„Wir sind der Stabilitätsanker“

Kreis Warendorf

Corona zum Trotz zieht die Kreishandwerkerschaft eine gute Bilanz für das Jahr 2020. Die Ausbildungszahlen sind fast stabil geblieben – und derzeit werden 13 Millionen Euro in ein neues Bildungszentrum investiert.

Beate Kopmann

Zogen eine sehr positive Bilanz für das Handwerk im Corona-Jahr (v.l.): Reinhard Kipp (Geschäftsführer Innungen und Zentrale Dienste), Frank Tischner (Hauptgeschäftsführer) und Günter Schrade (Geschäftsführer Bildung). Foto: Beate Kopmann

Das Handwerk im Kreis ist gut durch das Corona-Jahr gekommen. Diese Bilanz zieht Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, beim Jahresgespräch. Nach eigener Kalkulation ist die Konjunktur bei den über 3000 Handwerksbetrieben im Kreis Warendorf um nur zwei Prozent eingebrochen – deutlich weniger als im Landesschnitt. „Wir rechnen schon Ende des Jahres wieder mit einem Plus von zwei Prozent.“ Das wäre also ein Nullsummenspiel.

Einen Grund dafür sieht Tischner im Baugewerbe, das sehr stabil sei. „In der Corona-Zeit haben sich außerdem viele für Sanierungsmaßnahmen entschieden, etwa den Ausbau des Dachbodens.“ Generell sei das Handwerk „der Stabilitätsanker der Wirtschaft“ in der Region. „Das gilt auch für die Steuereinnahmen.“

Dass das Corona-Jahr so gut gelaufen sei, habe auch an der guten Beratung der Kreishandwerkerschaft gelegen, die ihren Mitgliedern zur Seite stand, wenn es um die Beantragung von Corona-Hilfen ging. „Dafür gab es viele dankbare Rückmeldungen“, freut sich Tischner.

Frank Tischner

Günter Schrade, als Geschäftsführer für den Bereich Bildung zuständig, hebt die hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen hervor. „Wir hatten bei den Ausbildungsverträgen nur einen Einbruch um 4,3 Prozent. Das liegt deutlich unter dem Landesschnitt, wo ein Verlust von zehn Prozent registriert wurde.“ Etwa 300 Auszubildende hätten – trotz Corona – die Gesellenprüfung absolviert. Dass es der Kreishandwerkerschaft gelingt, vergleichsweise viele junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, führt Tischner auch darauf zurück, dass man viel Werbung in sozialen Medien mache – eben dort, wo die jungen Leute seien.

13 Millionen Euro für ein modernes Bildungszentrum

Damit die Jugendlichen es auch cool finden, eine Ausbildung im Handwerk zu machen, wird in Beckum richtig geklotzt. 13 Millionen Euro werden gerade in den Bau eines modernen Bildungszentrums investiert – fünf Millionen davon kommen aus Eigenmitteln. Den Rest übernehmen Bund und Land. „Ende 2022 wollen wir mit der Maßnahme fertig sein“, sagt Reinhard Kipp, Geschäftsführer für den Bereich Innungen und Zentrale Dienste. Das Bauprojekt hat eine Gesamtfläche von 3180 Quadratmetern. Dort sollen unter anderem 124 moderne Werkstatt-Plätze für Auszubildende entstehen. Jedes Jahr können künftig rund 152 800 Teilnehmer an Kursen zur überbetrieblichen Ausbildung teilnehmen.

Daten und Fakten

Im Kreis Warendorf gibt es aktuell 3328 Handwerksbetriebe. In diesen Betrieben sind 22 241 Menschen beschäftigt. Der Jahresumsatz der Handwerksbetriebe im Kreis machte im Jahr 2019 rund 2,83 Milliarden Euro aus. Die Zahl der Lehrlinge lag 2020 bei 1491 – das waren trotz Corona nur 20 Ausbildungsverträge weniger als 2019.

Als „Geißel der Wirtschaft“ bezeichnete Tischner bürokratische Auflagen. Allein um das Baustellenschild aufstellen zu können, habe die Kreishandwerkerschaft eine 40-seitige Anweisung erhalten. Um ähnliche Hürden zu vermeiden, soll das Richtfest nun unter den Tisch fallen.

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