Agrarflug trägt „Risiko Hubschrauber“

Leasen statt fliegen

Ahlen

Der eine träumte vom Fliegen, der andere von der weiten Welt. Und beide macht das Unternehmen „Agrarflug Helilift“ vor den Toren Ahlens glücklich.

Ulrike Brevern

Aufwendig: Für die notwendige Wartung werden die Hubschrauber bis ins Innerste zerlegt und wieder zusammengesetzt. Foto: Ulrike von Brevern

Dennis Beese, gegenwärtiger Mitinhaber und Geschäftsführer, hat noch nicht einmal einen Pilotenschein. „Irgendwie ist es nie dazu gekommen“, schmunzelt er. Sein Vater Klaus, der Unternehmensgründer, hingegen war jahrelang selbst sein bester Pilot.

Dennis Beese schaut aus dem großen Tennenfenster seines waidmännisch eingerichteten Büros direkt auf den elterlichen Hof. Die letzten Bullen haben den bereits in den siebziger Jahren verlassen. Stattdessen zogen Flugzeuge ein, zunächst tatsächlich für landwirtschaftliche Aufgaben und die Waldkalkung gegen den „Sauren Regen“. Später dann auch für Auslandseinsätze. Sogar in Filmen wie Mission Impossible, Cliffhanger oder der Serie Alarm für Cobra 11 waren Hubschrauber von Agrarflug dabei.

Dennis Beese

Das Filmgeschäft klingt zwar gut, hat sich durch den Fortschritt computeranimierter Grafik aber erledigt, schmunzelt Dennis Beese, der das Unternehmen nach dem überraschenden Tod seines Vaters vor elf Jahren übernommen und umgesteuert hat. „Ich bin eher zahlengetrieben“, charakterisiert sich der junge Unternehmer selbst. Unter den 65 Mitarbeitern sind nur noch „anderthalb“ eigene Piloten. Dafür befinden sich über 50 Hubschrauber in der Flotte. „Wir betreiben die Hubschrauber nicht mehr selbst“, erklärt Beese das.

Als offizieller Wartungspartner erhielt Agrarflug vom Bell-Mutterkonzern Textron spezielle Werkstattausstattung, zeigt Dennis Beese. Foto:

Sein sehr kostenintensives Geschäft sind Leasing und Wartung für Betreiber in aller Welt. „Wir haben uns auf das Risiko Hubschrauber spezialisiert“, sagt der Unternehmer, und das erfolgreich: „Deutscher Support verkauft sich weltweit immer noch sehr gut!“. Die Betreiber haben kalkulierbare Kosten und können sich im Notfall auf eine Ersatzteil-Lieferung binnen 24 Stunden verlassen: „Eine Win-Win-Situation.“

Der Zusatz Helilift im Unternehmensnamen unterstreicht die Internationalisierung: „Lassen sie einen Amerikaner mal Agrarflug sagen“, scherzt Beese auf dem Weg zur Hubschrauberwerkstatt. Die eigene Flotte besteht aus amerikanischen Bell-Hubschraubern, speziell des Typs 412, richtigen Arbeitsfliegern. Dass inklusive Piloten 15 Personen Platz darin finden, ist kaum vorstellbar, wenn ein solches Modell auseinandergenommen in der Werkstatt steht.

Seit fünf Jahren ist Agrarflug von den Amerikanern zudem als offizieller Wartungspartner anerkannt und hat spezialisierte Werkstattausrüstung bekommen. So kommen auch Hubschrauber anderer europäischer Eigener nach Ahlen.

Rund 60 Prozent der weltweiten Flugeinsätze von Agrarflug-Hubschraubern gelten der Waldbrandbekämpfung, ein Viertel sind humanitäre oder Rettungseinsätze und zu 15 Prozent werden sie im Öl-und Gasgeschäft eingesetzt, berichtet Beese. Dabei bewerben sich die Betreiber gelegentlich um den gleichen Auftrag. Bei der EU-Ausschreibung für zwei Hubschrauber im Mali-Einsatz waren etwa gleich vier Agrarflug-Partner dabei.

Die Hubschrauberbranche sei eben eher klein, aber eine Familie mit viel Leidenschaft, beschreibt Beese. Der Unternehmer genießt die internationale Arbeit, die ihn oft ins Ausland führt. In Ahlen steht nach der Wartungshalle demnächst mit einer Waschhalle wieder eine Erweiterung an. Probleme hat Beese eher beim Personalnachschub: Flugzeugmechaniker sind im Münsterland Mangelware.

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