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Grenzwerte und Gesundheitsgefahr

Mehr Nitrat im Salat als im Wasser

Kreis Warendorf

Nitrat ist in aller Munde. Auch im Kreis Warendorf werden die gesetzlich zugelassenen Grenzwerte im Wasser überschritten. Allerdings wird Nitrat überwiegend durch Salat und Gemüse und nicht durch das Trinkwasser aufgenommen. Aber wegen des Wassers wird meist Alarm geschlagen.

Beate Kopmann

Lecker – aber dieses Salatgläschen mit Roter Bete, Rucola und Babyspinat enthält viel Nitrat. Foto: dpa

Am Pranger stehen oft die Bauern, denn Nitrat wird im Gartenbau und in der Landwirt­schaft als Dünger ausgebracht: als mineralischer Kunstdünger oder als organischer Dünger in Form von Gülle oder Jauche. Nitrat ist ein natürlicher Bestandteil des Bodens – für Pflanzen eine günstige Stickstoffquelle, um Aminosäuren zu bilden.

Diplom-Ingenieurin Inken Scheil vom Gesundheitsamt informierte im Sozialausschuss zunächst über 6140 Hausbrunnen, die es im Kreis Warendorf gibt, und wie die Qualität dieses Wassers kontrolliert wird.

Dipl-Ing. Inken Scheil

Immerhin beziehen rund 25 000 Menschen (etwa zehn Prozent der Kreisbevölkerung) ihr Trinkwasser aus diesen Brunnen. Alle drei Jahre müssten die Brunnenbesitzer das Wasser im Labor untersuchen lassen. Zur Wasserentnahme sei nur ein offiziell ernannter Probe-Entnehmer zugelassen. Scheil stellte klar: „Wir untersuchen das Trinkwasser, aber nicht das Grundwasser.“ Und das Trinkwasser könne technisch so aufbereitet werden, dass man den Nitrat-Grenzwert unterschreite. Dieser liegt bei 50 Milligramm pro Liter Wasser.

Im Kreis gebe es eine deutliches Nord-Südgefälle, so die Fachfrau. „Nördlich der Ems haben wir oft eine hohe Überschreitung der zulässigen Nitrat-Grenzwerte. Das geht bis zu 24,1 Prozent“, berichtete Scheil. Im südlichen Teil des Kreises liege die Grenzüberschreitung bei maximal 3,1 Prozent. Die starke Differenz sei insbesondere durch die unterschiedliche Beschaffenheit der Böden zu erklären. „Nördlich der Ems haben wir viel Sandboden, durch den Nitrat leicht in das Grundwasser eintreten kann. Im Südkreis haben wir dagegen Böden mit hohem Tongehalt, die über dichtende Eigenschaften verfügen.“ Aber natürlich sei auch die Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung ein bedeutender Einflussfaktor, so Scheil, die beispielsweise auf den Spargelanbau im Nordkreis verwies.

Dennoch würde Nitrat – je nach Ernährung – nur etwa zu 10 bis 30 Prozent über das Trinkwasser aufgenommen. Salat und Gemüse machten dagegen 60 bis 80 Prozent aus, gepökeltes Fleisch bis zu 10 Prozent. Gesundheitsschädlich sei das Nitrat nur, wenn es zu Nitrit umgewandelt wird. Letzteres verringert die Kapazität des Sauerstofftransports im Blut – und dies sei für Säuglinge und Kinder unter zwei Jahren gesundheitsschädlich. Eine hohe Nitratbelastung erhöhe zudem die Gefahr von Jodmangel. Dennoch könnten ältere Kinder und Erwachsene – wenigstens vorübergehend – ohne Probleme 130 Milligramm Nitrat am Tag aufnehmen.

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