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Bundesstraßen 64 und 51

Mit Vollgas gegen den Ausbau

Warendorf

Franz Stockmann ist CDU-Mitglied. „Und vor 20 Jahren habe ich selbst die Hand gehoben und für den Ausbau der B 64 gestimmt“, sagt der Warendorfer, der heute zu den Ausbau-Gegnern zählt. „Aber dieses gigantische Projekt, das unsere Heimat zerschneidet, passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

Beate Kopmann

Machen mobil gegen Straßenausbau: Vertreter von Bürgerinitiativen sowie Politiker von SPD, FWG und Grünen. Foto: Beate Kopmann

Mit dieser Auffassung ist Stockmann nicht allein. Vertreter der fünf Bürgerinitiativen gegen den Ausbau von B 64 und B 51 (Interessengemeinschaft Warendorf-Süd, Bürgerinitiative Verkehrskonzept Warendorf, Bürgerinitiative B 51 Telgte, Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock und Naturfreunde für Beelen) machten am Montag erneut gegen die Ausbaupläne mobil. Ihr Sprecher Karsten Birkemeier betont: „Wir sind weder Krötenzähler noch Straßenverhinderer. Unser Schulterschluss ist ein ganz bunter Widerstand.“

Dass dieser Protest sich wenige Tage vor der Diskussion mit Verkehrsminister Wüst erneut formiert, ist kein Zufall. Die Ausbau-Gegner hoffen aber, dass die Veranstaltung, zu der die CDU am 7. Dezember in die LVHS Freckenhorst einlädt, wirklich eine Diskussion ermöglicht und „nicht die Plattform für die Verkündigung des Baustarts ist“, wie Birkemeier unterstreicht.

Karsten Birkemeier, Sprecher der Bürgerinitiativen

Die Argumente gegen den Straßenausbau sind nicht neu: Die Gegner berufen sich auf Gutachten, nach denen mit der B 64n mehr Fahrzeuge auf die Straße kommen als ohne den Ausbau. Sowieso sei der Verkehr rückläufig, der bevorstehende Lückenschluss zur A 33 werde für weitere Entlastung sorgen. Und es sei geglückt, den Bau einer Ortsumgehung für Freckenhorst von der B 64n abzukoppeln.

Die Gegner des Ausbaus der B 64 befürchten, dass die geplante Straße keine Entlastung bringen, sondern im Gegenteil noch mehr Verkehr auf die Straße holen wird. Foto: Beate Kopmann

Verärgert sind die Ausbau-Gegner auch, weil „die Bürgerbeteiligung eine Farce war“, wie Beelens Bürgermeisterin Elisabeth Kammann sagt. In Beelen hatte der Rat bereits im Mai die Ausbaupläne der Straße abgelehnt, weil man mehrheitlich der Meinung ist, die in weiten Teilen dreispurig geplante Straße schaffe mehr Nachteile als Vorteile. „Mit kleineren Umgehungen wie in Sassenberg hätten wir leben können, aber nicht mit diesem gigantischen Trümmer“, erklärt Matthias Nü-ßing (FWG Beelen). Er kritisiert auch, dass der Bund das Projekt durchgepeitscht und nicht einmal banale Fehler korrigiert habe. „Für Beelen ist in den Plänen noch von einer Südumgehung die Rede, obwohl eine Nordumgehung geplant ist.“ Ferner seien 39 000 Einwendungen von Bürgern eingegangen (obwohl die sechswöchige Frist in den Osterferien lag) und in nur drei Monaten „abgearbeitet“ worden.

Beelens Bürgermeisterin Elisabeth Kammann

Paul Afhüppe fordert die Erstellung eines „Agrarstruktur-Gutachtens“. Immerhin gehe es um einen Flächenverbrauch von 500 bis 600 Hektar. Aber die Einbußen der Landwirtschaft wegen der Einnahmeverluste seien bislang nicht kalkuliert worden. Laut Afhüppe würde sich das Projekt allein durch den Bodenerwerb um rund 50 Millionen Euro verteuern.

Dr. Monika Rode von der Bürgerinitiative B 51 Telgte sorgt sich vor allem darum, dass fast 5000 Bürger in Handorf und Telgte durch den Straßenausbau ihre Infrastruktur verlieren würden. Verärgert ist Rode aber auch, „weil die Informationen aus der Politik immer nur scheibchenweise kommen“.

Diese Einschätzung wird von vielen geteilt. In Beelen gelang es nicht einmal der Bürgermeisterin, sachliche Auskünfte von Straßen NRW zu bekommen. Von dort kam nur der Hinweis, „dass die Planungen für Beelen seit Jahren ruhen.“ Ein Vorgehen, dass auch Birkemeier empört. „Es ist ein Unding, dass offizielle Stellen keine Informationen bekommen und der Minister gleichzeitig Daten an seine Parteifreunde weitergibt.“

Karsten Birkemeier, Sprecher der Bürgerinitiativen

Elisabeth Meier (Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock) hofft, dass Bewegung in die Sache kommt. Schließlich habe die neue Landesregierung ein Heimatministerium geschaffen. Deswegen dürfe sie auch nicht zulassen, dass diese Heimat durch „ein völlig überdimensioniertes Projekt“ zerschnitten werde.

An Gesprächsstoff mit dem Minister wird es also nicht mangeln. Die Vertreter der Bürgerinitiativen jedenfalls werden da sein.

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