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Hausbesuch bei Sängerin Kerstin Arnemann

Musik ist ihr Lebenselixier

Everswinkel

Der Begriff „Powerfrau“ wird oft überstrapaziert, aber bei Kerstin Arnemann passt er wirklich. Die 41-Jährige singt von der Klassik über Musicals und Jazz bis Pop, Rock und Rap bekannte Cover-Songs. Nicht 1 zu 1 zum Original, sondern in frischen, ganz eigenen Arrangements. Im Yin und Yang ihrer Gefühle und Lebenserfahrungen. Ob mit dem Luftwaffenmusikkorps Münster, im Background von Bernhard Brink oder bei eigenen Konzerten, im Duo oder als Frontfrau der Tanzband „Nightflight“. Höchste Zeit für einen Hausbesuch.

Von Peter Sauer

Kerstin und Michael Arnemann teilen ihr Herz für die Liebe und für die Musik, ob auf großen Bühnen oder im Studio zuhause. Foto: Peter Sauer

Mit tiefer Inbrunst singt sie „Rise like a Phoenix“, zärtlich verbindet sie den 70er-Jahre-Charme von Reinhard Mey mit aktuellem Deutschpop von Jeanette Biedermann, jazzt und soult galant zwischen Nat King Cole´s „Smile“ und Tina Turner`s „Simply the Best“.

Sängerin Kerstin Arnemann aus Everswinkel singt zwar (noch) Cover-Songs, doch ganz anders, wie viele ihrer Kolleginnen. Die 41-Jährige verschafft den Kultsongs ein zeitgemäßes Update. Sie wird zur Storytellerin, wenn sie singt, öffnet Herz und Seele und bezieht die Zuschauer in pointierten Moderationen stets mit ein (wie zuletzt beim gefeierten Konzert in der Johannes-Kirche mit Pianist Christoph Spengler)

Vielfalt und Bescheidenheit

Weiterer Pluspunkt ist ihre Vielfalt: vom klassischen Oratorium, über pures Pop-Piano-Duo bis zum großen Bühnensound – als Frontsängerin der Tanzband „Nightflight“ und des Luftwaffenmusikkorps Münster.

Hauptberuflich arbeitet Kerstin Arnemann als Verwaltungsfachangestellte für die Gemeinde, im Vorzimmer von Bürgermeister Sebastian Seidel. „Mein Vater wollte, dass ich etwas Vernünftiges mache.“ Nebenbei schmeißt sie noch den Haushalt ihrer Patchwork-Familie mit fünf Kindern und dem Golden Retriever „Higgins“.

"Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag": Kerstin Arnemann sang auch schon vor 10 000 Menschen im Background von Michael Holm. Foto: Tatjana Jentsch - Media in Motion

Beim Hausbesuch macht Kerstin Arnemann einen charmant-bodenständigen Eindruck. Trotz vieler Auftritte, auch als Backgroundsängerin für Kristina Bach, Bernhard Brink oder Michael Holm (der Blumen zu ihrer Hochzeit schickte), ist sie bescheiden geblieben. Sie lacht gerne. „Ich liebe aber auch die Stille, sie gibt mir viel“, sagt sie. Auch die Melancholie ist ein wichtiger Impetus. „Wer nicht durch den Schmerz geht, kann keine Heilung entfalten. Ich bin ein wandelndes Emoticum“, verrät sie ihre Lebensphilosophie. „Meine Frau ist eine gute Seismographin für Empfindungen und Gefühle“, sagt Michael Arnemann.

Alles fing an, als sie zehn Jahre alt war. Gerry Rafferty`s „Baker Street“ lief im Radio. Wegen des berühmten Saxofonsolos wünschte sie sich von ihren Eltern ein Tenorsaxofon. Später ging es aufs Musikgymnasium Leer, Gesangsausbildung bei einer russischen Sopranistin und Stationen bei wichtigen Vocalcoaches folgten.

Zwar hat die Corona-Pandemie auch sie ausgebremst. Statt 50 Konzerte im Jahr waren es dann nur noch vereinzelte. Aber zum Sommer sollen die ersten Songs von Kerstin Arnemann rauskommen, erste Texte stehen bereits, auch eigene Gedichte.

Im eigenen Studio neben dem Wohnzimmer

Im gemütlichen Einfamilienhaus steht sie am Mikrofon, während Ehemann Michael Arnemann am Mischpult die Regler bedient. Auf ihre Stimmfarbe achtet, auf Ausdruck und welcher Sound dazu passt. Genauso haben sich die beiden auch kennengelernt.

Eigentlich wollte die gebürtige Ostfriesin 2010 in Arnemanns Studio (damals noch in Telgte) nur ein Demo-Tape produzieren. „Sein Studio wurde mir empfohlen.“ Insgesamt 400 Kilometer nahm sie dafür gerne in Kauf. Ein Jahr später knisterte es dann so beim Cappuccino , dass sich beide verliebten, erzählt die Neu-Everswinkelerin rückblickend. Obwohl sie selbst mehr die ostfriesische Teezeremonie schätzt, die sie dem Autor dieses Berichts „kredenzt“.

Wandern in Österreich

Kerstin Arnemann wechselt vom Hausstudio auch mal für sich an das Klavier im Wohnzimmer. Spontane Ideen singt die Hobbygärtnerin direkt ins Handy. Zwischendurch gönnt sie sich eine ostfriesische Teezeremonie. Kraft und Entspannung findet sie auch in Österreich. „Wenn ich mit Michael auf die 2000er rauf wandere.“ Womit wir wieder bei „Rise like a Phoenix“ wären.

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