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Nachhaltigkeit im Folientunnel

Hof Flamme-Ostermann setzt als Direktvermarkter vermehrt auf Erdbeeren und Himbeeren

Beelen

Rechtzeitig auf die Erdbeere setzte Landwirt Robert Ostermann in Beelen und schaffte die Bullenmast ab. Bereits vor 20 Jahren. Das zahlt sich jetzt aus. Doch neue Probleme belasten die Arbeit als Landwirt.

Von Peter Sauer

Landwirt Robert Ostermann in Beelen setzt auf doppelt-rot: Erdbeeren und Himbeeren. Foto: Peter Sauer

Grüne Felder links, grüne Felder rechts. Dahinter ein Mehrgenerationen-Bauernhof mit Schweinestall und Tunnel-Gewächshäuser. Landwirt Robert Ostermann ist Direktvermarkter. Aus Überzeugung.

Erdbeeren soweit das Auge reicht bietet das Selbstpflückfeld mehrere Wochen im Jahr. Foto: Peter Sauer

Während auf dem Selbstpflückfeld die Erdbeeren eimerweise von Kunden aus dem Umland „geerntet“ werden, überprüft der 52-Jährige selbst den Zustand seiner Erdbeeren und Himbeeren. Die Familie Flamme-Ostermann, das heißt die Eheleute Robert und Mechthild Ostermann, deren Kinder Bernd, Theresa und Jonas sowie die Eltern Heinrich und Klara Flamme, bewirtschaften den Hof am Ortsrand von Beelen.

2002 wurden von der Familie Flamme-Ostermann die ersten Erdbeeren geerntet. „Es war damals eine kleine Fläche – ein echter Versuch“, erinnert sich Landwirt Robert Ostermann, der zu dieser Zeit sein Standbein in der Schweinehaltung und im Ackerbau hatte.

Situation der Schweinehalter und Ferkelerzeuger ist angespannt

Als auf dem Hof Flamme-Ostermann der Erdbeeranbau ausgedehnt wurde, hat die Familie die Bullen abgeschafft. 2000 Schweine werden aber noch gehalten. „Wir sind froh, dass wir vor 20 Jahren neben der Tierhaltung neue Wege eingeschlagen haben. Denn die aktuelle Situation insbesondere der Schweinehalter und Ferkelerzeuger ist sehr schwierig: Der Preisdruck ist groß, der Weltmarkt durch die hohen Produktionsstandards in Deutschland verzerrt und die Auswirkungen durch den Ukraine-Krieg eine große zusätzliche Belastung“, so Robert Ostermann.

Niedrige Erzeugerpreise und immer weiter verschärfte Vorschriften

Dabei sei es doch in der heutigen Zeit wichtig, deutschen und regionales Fleisch zu erzeugen und nicht von anderen Ländern abhängig zu sein. „Die niedrigen Erzeugerpreise und immer weiter verschärfte Vorschriften bieten keine Perspektive für viele Landwirte“, ist der Beelener Betriebsleiter überzeugt.

Der Erdbeeranbau macht auf dem Hof Flamme-Ostermann inzwischen einen Großteil der Arbeit aus. Die Erdbeerfelder sind jetzt rund vier Hektar groß. Seit 2012 werden auch Himbeeren angebaut und direkt ab Hof verkauft und in den Verkaufsständen regional verkauft. Zudem beliefert Flamme-Ostermann Gaststätten, Bäckereien und den Lebensmitteleinzelhandel.

Die Bauingenieurs-Studentin Simone Hassa verkauft am Selbstpflückfeld auch Beelener Erdbeernektar. Foto: Peter Sauer

Die Erdbeere ist ein „süsses Früchtchen“, aber von Hause aus empfindlich. Blütenfröste im Mai und Hagel können die komplette Ernte, die Arbeit von Monaten, auf einen Schlag zunichte machen. Dies war in diesem Jahr aber nicht der Fall.

Dank des sandigen Bodens, mit ausgeklügelter Bewässerung und mit Flies, Stroh und zeitversetztes Pflanzen unterschiedlicher Sorten streckt Robert Ostermann die Erntezeit der Erdbeeren von vier auf zehn Wochen. Das freut die Verbraucher.

„Nachhaltigkeit spielt in allen Bereichen der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Im Anbau von Sonderkulturen ist der Umgang mit der Ressource Wasser eine besondere Herausforderung, die wir mit ausgeklügelter Technik meistern“, so Ostermann.

Blick in einen Tunnel Foto: Peter Sauer

Als Grünpflanzen werden die verschiedenen Erdbeersorten auf flachen Freilandbeeten mit einem Meter Reihenabstand gepflanzt und per Tropfschlauch unterirdisch bewässert. „Wir sparen so 80 bis 90 Prozent vom Wasser“, sagt Robert Ostermann. 2022 gepflanzt, können sie 2023/24 geerntet werden.

Landwirt mit Leib und Seele

In Folientunneln hinter dem Wohnhaus wachsen sowohl Erdbeeren als auch Himbeeren auf Stellage-Kulturen heran. Dabei wachsen die Erdbeeren nicht mehr im Boden, sondern geschützt eine Etage höher in Pflanzenkästen, die an Metallkonstruktionen befestig sind. Gedüngt wird mit der automatischen Bewässerung, um der Pflanze gezielt die benötigten Nährstoffe zukommen zu lassen. .

Robert Ostermann ist Landwirt mit Leib und Seele. Auch wenn die Erträge der Wintergerste in 2022 gut sind und sein Sohn Bernd (in landwirtschaftlichen Ausbildung) später wohl den Hof übernehmen will, bereitet der enorme Anstieg der Energiepreise seinem Vater Robert Ostermann große Sorge. „Wir können das nicht auf die Kunden umlegen.“

Die Getreideernte ist in vollem Gange. Aber die Böden sind sehr trocken. Foto: Peter Sauer

Auch sei es schwerer geworden Saisonarbeitskräfte zu bekommen. „Die Erhöhung des Mindestlohns wird sich irgendwann auf den Preis der Produkte auswirken“, sagt Ostermann. Zudem sei der Wettbewerb der Direktvermarkter mit dem Einzelhandel härter geworden und die Bürokratie größer. „Ich sitze mehr am PC und im Büro als früher.“

Viel zu trocken

Auch die Trockenheit bereitet ihm Sorge. „Das ist dramatisch für die Maisernte. Da gehen Erträge verloren.“ Auch Robert Ostermann hofft, dass die deutsche Landwirtschaft mit ihren vielfältigen Produkten weiterhin auch in Deutschland qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen kann.

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