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„Oelde steht auf“: Gut 2000 Bürger setzen Zeichen gegen Abschottung

Oelde zeigt sich bunt und offen

Oelde

Das war deutlich: Rund 2000 Bürger kamen am Montagabend auf den Carl-Haver-Platz in Oelde, um für eine humane und solidarische Gesellschaft zu demonstrieren. Sie setzten ein Zeichen gegen Intoleranz und Abschottung.

Beate Kopmann und Dierk Hartleb

Gut 2000 Bürger nahmen an der Kundgebung „Oelde steht auf“ teil. Viele sorgten auch durch musikalische Beiträge für ein buntes Bild – wie etwa Musikpädagogin Gudrun Gunia, die mit dem Chor des Ambrosius-Hauses auftrat. Foto: Penno

Bestens zufrieden mit der Beteiligung war Organisator Florian Westerwalbesloh, denn obwohl es heftig regnete, nahmen so viele Bürger an der Demo teil – unter ihnen Vertreter von Vereinen, Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Parteien, Gewerkschaften und Politik.

Parallel zur Veranstaltung „Oelde steht auf“ fand in Sicht- und Hörweite die Kundgebung der AfD statt, die gut 300 Anhänger aktivieren konnte. Sie machten auf dem Marktplatz gegen die Asylpolitik mobil. Beide Kundgebungen verliefen friedlich.

Die AfD musste ihre direkt vor der Kirche aufgebaute Bühne kurzfristig umsetzen, da der zunächst gewählte Bereich Kirchengrund war – und die Kirche eine Nutzung durch die Partei ablehnte.

Etwa 50 Menschen machten gegen die AfD-Kundgebung mobil, indem sie riefen: „Ihr seid nicht das Volk“ oder „Ihr seid keine Alternative“. Als sich der Demonstrationszug der AfD in Bewegung setzte, versuchten Gegner diesen Zug zu stoppen. Die Polizei griff ein, um beide Gruppen voneinander zu trennen.

Auf dem Carl-Haver-Platz appellierte Pfarrerin Melanie Erben von der evangelischen Kirche an alle, auf dem Platz zu bleiben und die Kundgebung der AfD nicht zu stören. „Wir wollen nicht, dass etwas passiert.“ Der katholische Pfarrer Karl Kemper mahnte in der Flüchtlingsdiskussion eine verbale Abrüstung an. Es gelte, deutlich zu machen, dass die Flüchtlinge Opfer und nicht Täter seien. Einen besonderen Dank richtet er an die Ehrenamtlichen, die durch ihr Handeln zeigten, „was wir unter Menschlichkeit und Nächstenliebe verstehen“. Pfarrerin Melanie Erben lud alle Teilnehmer zum gemeinsamen Gebet für Versöhnung ein.

Karl-Friedrich Knop

Oeldes Bürgermeister Karl-Friedrich Knop wies darauf hin, dass die Stadt Oelde seit 2014 bislang 243 Flüchtlinge aufgenommen habe. „Es sind Flüchtlinge, deren Kinder unsere Schulen besuchen, die in Sprachkursen unsere Sprache erlernen. Es sind Menschen, die auf dem besten Wege sind, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Knop betonte auch, dass es nachvollziehbar sei, wenn Bürger angesichts der vielen Flüchtlinge Verunsicherung und Befürchtungen spürten. „Es muss möglich sein, dass sich in Deutschland besorgte Bürger zu Wort melden, ohne zwangsläufig einem rechtsorientierten Milieu zugeordnet zu werden. Wir müssen diese Debatte aber in der Mitte unserer Gesellschaft führen, nicht an den Rändern“, betonte Knop – unter anhaltendem Applaus.

In einem sehr persönlich gehaltenem Statement sagte der Bürgermeister: „Ich möchte helfen, wenn ich die Bilder sehe von verängstigten, frierenden, erschöpften Frauen, Männern und Kindern. Jeder, der nicht völlig desensibilisiert ist, kann nicht anders als den Notleidenden zu helfen, sie unter ein Dach zu bringen und sie mit dem Nötigsten zu versorgen.“

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