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Arbeitsmarkt im Dezember

Ohne Job trotz vieler freier Stellen - zu wenig Angebote für Geringqualifizierte

Kreis Warendorf.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt in Zeiten einer Pandemie? Gibt es typische Entwicklungen in bestimmten Branchen? Antworten darauf und auf andere Fragen geben die neuen Zahlen von der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster und eine Einschätzung gibt Agenturchef Joachim Fahnemann.

Von Peter Sauer

Ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit bei einer insgesamt stabilen Lage: Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, erläutert die aktuellen Zahlen auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Warendorf.

Neue Arbeitskräfte wurden auch im Dezember des vergangenen Jahres stark gesucht, trotzdem stieg die Arbeitslosigkeit im Kreis leicht an. Laut aktueller Zahlen der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster waren 76 Menschen mehr arbeitslos als im November.

Insgesamt waren im Kreisgebiet 6 773 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. 76 mehr als im November. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte und lag zuletzt bei 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Im gesamten Münsterland lag sie im Dezember 2021 bei 3,6 Prozent.

Niedrigere Arbeitslosigkeit als vor der Corona-Pandemie

Trotz dieser Werte betonte Agenturchef Joachim Fahnemann, dass die Lage am Arbeitsmarkt insgesamt stabil geblieben sei. So lag die Zahl der Arbeitslosen um 639 Personen unter dem Vorjahreswert. „Die Arbeitslosigkeit ist aktuell niedriger als vor der Pandemie.“ Die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum Dezember 2019, also vor Beginn der Corona-Krise, um 382.

Auf der anderen Seite stehe ein Rekordniveau an freien Arbeitsplätzen: Der Agentur wurden 4122 freie Stellen gemeldet. Das waren rund 45 Prozent mehr Stellenangebote als noch vor einem Jahr. Verglichen mit Dezember 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Pandemie, waren sogar doppelt so viele offene Stellen in der Jobbörse der Arbeitsagentur registriert.

Arbeitskräftenachfrage auf Rekordhoch

Allein im Dezember meldeten die Unternehmen und Verwaltungen 614 offene neue Stellen, 92 mehr als im Vorjahresvergleich. „Damit liegt die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen erneut auf einem Rekordhoch“, berichtet Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster.

Auffällig: In nahezu allen Branchen und Berufen werden neue Mitarbeiter gesucht. So gab es im Dezember 96 neue Stellenmeldungen im verarbeitenden Gewerbe, beispielsweise in der Metall- oder Holzverarbeitung. Insgesamt 78 freie Stellen meldeten die Unternehmen im Handel, 48 neue Jobangebote gab es im Gesundheits- und Sozialwesen und 22 neue Stellen wurden im Baugewerbe gemeldet. Die jüngste Entwicklung der Pandemie habe im Dezember noch keine Auswirkungen auf die Personalbedarfe gehabt, sagt Fahnemann: „Der Fachkräftebedarf ist hoch. In vielen Unternehmen fehlen vor allem qualifizierte Mitarbeiter mit einer abgeschlossenen Ausbildung.“ Durchschnittlich zwei Drittel der Stellenangebote richten sich an Bewerber mit einer Berufs- oder Hochschulausbildung.

Zu wenig Jobs für Geringqualifizierte

Das Problem ist, dass mehr als ein Viertel (27 Prozent) aller freien Stellen Jobangebote für Helfer sind – im Kreis sind aber rund 60 Prozent aller Arbeitslosen geringqualifiziert. „Hier klafft eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage“, erklärt Arbeitsmarktexperte Joachim Fahnemann. „Die Fachkräftesicherung ist und bleibt auf längere Sicht eine der größten Herausforderungen am Arbeitsmarkt.“

Wie reagiert die Agentur für Arbeit auf diese Entwicklung? „Wir setzen auf eine intensive Beratung“, sagt Joachim Fahnemann, „und investieren in die Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten.“

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