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Gymnasium Johanneum: Dem „Löwen von Münster“ auf der Spur

Abenteuer im mobilen Escape-Room

Ostbevern

Lernen auf Distanz, Wechselunterricht, Maskenpflicht und weitere Pandemiemaßnahmen prägten in den vergangenen Monaten das Leben auch an der Loburg. Außerschulische Veranstaltungen waren nicht möglich. Abwechslung bot jetzt Escape Room „Der Löwe von Münster“, der für drei Tage an der Loburg aufgebaut war.

Was ist zu tun und worum geht es in einem Escape-Room? Auf die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe EF am Gymnasium Johanneum wartete eine spannende Reise in die Vergangenheit. In 60 Minuten galt es für die jeweils vier bis sechs Spieler pro Raum unter Zeitdruck Hinweise zu sammeln, Rätsel zu lösen und schlussendlich einen Tresor zu öffnen. Foto: Loburg

Wenn man auf das letzte Schulhalbjahr zurückblickt, dann war an ein gemeinsames Schulleben kaum zu denken. Stattdessen war die Schulrealität geprägt von Lernen auf Distanz, Wechselunterricht, Pausenzonen, Laufwegeplänen, Maskenpflicht und weiteren Pandemiemaßnahmen. Pläne für außerschulische Veranstaltungen oder schulinterne Projekte konnten hingegen coronabedingt nicht umgesetzt werden. Insofern bot der mobile Escape Room „Der Löwe von Münster“, der für drei Tage in den Räumen des Gymnasiums Johanneum aufgebaut war unter anderem der Schülerschaft der Jahrgangsstufe EF eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag in Coronazeiten.

Ein Escape Room (deutsch: Flucht-Raum) ist ein Abenteuerspiel, bei dem die Spieler Hinweisen folgen, Rätsel lösen und Strategien entwickeln müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Erst wenn sie das letzte Geheimnis gelöst haben, öffnet sich die Tür des Raums wieder.

Reise in die Zeit des Nationalsozialismus

In 60 Minuten galt es für die jeweils vier bis sechs Spielerinnen und Spieler pro Raum unter Zeitdruck Hinweise zu sammeln, Rätsel zu lösen und schlussendlich einen Tresor zu öffnen. Eingebettet war der Escape-Room in eine teils bedrohlich wirkende Szenerie, die die Spieler in das Jahr 1941 versetzte und ihnen als „Pfadfinder“ zur Aufgabe gab, Kopien einer der berühmten Predigten des Bischofs von Galen (1878 bis 1946) ausfindig zu machen und im Anschluss zu entscheiden, ob diese an die Bevölkerung verteilt oder vernichtet werden sollten. Um die Reise in die Zeit des Nationalsozialismus zu erleichtern und authentischer zu gestalten, war der Raum von den Spielleitern und Erfindern des Escape-Rooms, Matthias Hecking und Winfried Hachmann, mit einem Auge fürs Detail mit Möbeln, Büchern sowie Schreibmaschine und Wählscheibentelefon aus den 1940er Jahren ausgestattet und dazu mit passenden Soundgeräuschen hinterlegt. So schwärmte eine Schülerin: „Der Escape Room war echt total authentisch gestaltet. Durch viele verschiedene Möbelstücke und Gegenstände konnte man sich gut in die Rolle hineinversetzen und nach und nach immer mehr Details entdecken.“

Nach einer technischen und inhaltlichen Einführung durften auch die beiden Lehrkräfte Raphael Flothkötter und Jessica Rühle den Escape Room als Laien-Schauspieler und Spielleiter begleiten. „Besonders gut gelungen fand ich, dass das Wählscheibentelefon, nachdem es von den Spielern erst einmal ordnungsgemäß angeschlossen werden musste, tatsächlich funktionierte und uns als Spielleitern die Möglichkeit gab, mit Hilfe von Stimmenverzerrern mit den Schülern im Raum in unterschiedlichen Rollen zu kommunizieren“, lobt Raphael Flothkötter den Spielaufbau. Seine Kollegin Jessica Rühle hebt hervor, dass es als Lehrkraft bereichernd sei zu beobachten, wie die aus dem Unterricht bekannten Schüler in diesem Setting viel Kommunikations- und Kombinationsvermögen und teils unbekannte Talente an den Tag legten.

Gewissensentscheidung unter Druck

Für die sich anbahnende Gewissensentscheidung bauten die Spielleiter zudem ordentlich Druck auf: Von draußen drang das Motorengeräusch vorbei rasender Militär-Laster herein, die Stimmen von Soldaten waren zu hören. „Du wurdest schon ganz schön unter Druck gesetzt, ob du dem Kardinal helfen sollst oder lieber vorsichtig sein solltest, weil es gefährlich ist!“, hörte man von verschiedenen Schülern.

Abgerundet wurden die Spielrunden durch eine anschließende Abschlussdiskussion, in der die Jugendlichen Stellung beziehen sollten, ob sie die Flugblätter der Predigt gegen Euthanasie verteilt oder auf Grund der Gefahr für das eigene Leben eher vernichtet hätten. Spielleiter Matthias Hecking verstand es dabei sehr gut, diese Gespräche mit viel Feingefühl zu begleiten und Impulse für eine Übertragung auf heutige (politische) Entscheidungssituationen zu setzen, so dass der Escape-Room selbst nicht nur kurzweilig und spannend war, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur kritischen Meinungsbildung geleistet hat.

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