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Austausch im Kinder- und Jugendcafé

Alltag aus jüdischer Perspektive erleben

Ostbevern

Das war eine Gesprächsrunde, in der sich so manche Unwissenheit und so manches Vorurteil klären ließen. Im Rahmen der Festwoche „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ fand eine Gesprächsrunde im Kinder- und Jugendcafé statt. Zwei junge Frauen berichteten über das „Hineinwachsen“ in das jüdische Leben und die jüdische Kultur.

-rei-

Attila Repkeny vom Kinder- und Jugendwerk begrüßte die beiden Gäste Vika und Julia, dabei auch Mitarbeiterin Lisa Hermanns (v.r.) zum Dialog mit den Jugendlichen. Foto: Anne Reinker

Wie das Judentum heute in Deutschland gelebt wird und wie Kinder und Jugendliche hineinwachsen, erzählten am Dienstagabend zwei junge Frauen als Gäste im Kinder- und Jugendcafé. Dies fand im Rahmen der Festwoche „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt.

Julia und Vika – ihre Nachnamen wollten die beiden Gäste nicht öffentlich machen – kamen mit den Mädchen und Jungen ins Gespräch. „Wir wollen unsere Perspektive einbringen“, sagte Julia. Denn „Judentum beinhaltet eine große Vielfalt“. Beide erzählten jeweils aus ihrer eigenen Perspektive und der Umsetzung im Alltag.

Nur mütterlicherseits könne man in das Judentum hineingeboren werden, aber auch zu ihm konvertieren. „Das ist etwas kompliziert, weil du nicht nur die Religion wechselst, sondern auch in ein anderes Volk, eine andere Kultur eintrittst“, erklärte Julia. „Das dauert mehrere Jahre und wird mit einer Prüfung und einer Zeremonie abgeschlossen“, so die 23-Jährige. Ein Austreten aus der Religion sei danach nicht mehr möglich.

Typische Kleidung

Die beiden Studentinnen erzählten den Jugendlichen auch etwas zur typischen Kleidung, etwa der Kippa. Antisemitische Angriffe gebe es eher auf Männer, da sie mit dieser Kopfbedeckung offensichtliche Juden seien, erläuterte Vika.

Frauen trügen keine Kippa, da sie durch die Erziehung der Kinder Gott enger verbunden seien. Die Geschlechterrolle sei in den Ehen deutlich getrennt, aber „sie arbeiten zusammen, sie sind ein Team“, so Julia.

Ein interessanter Punkt für die Gesprächspartner des Jugendcafés war die Ernährung, in Bezug auf koscheres Essen. „Ich esse zum Beispiel keine Cheeseburger“, sagte Julia, womit sie die Zuhörer erstaunte. Denn Milch und Fleisch dürften nicht zusammen zu sich genommen werden, erklärte sie. Daher würden sich auch viele Juden vegetarisch oder vegan ernähren. Vika fügte hinzu, dass sie nicht außerhalb esse, um das Risiko eines Fehlers zu vermeiden. „Man kennt sich einfach irgendwann damit aus, was man essen darf und was nicht“, sagte Julia. In dem spannenden Gespräch wurden so manches Vorurteil und so manches Unwissen geklärt.

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