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Infoveranstaltung der Firma Amprion zu Stromtrassen

Stromtrassen: Verfahren kritisch begleiten

Ostbevern

Als die Firma Amprion am 17. August in einer Pressekonferenz über den Verlauf der geplanten Stromtrassen informierte, wurde klar, dass auch Ostbevern und Telgte betroffen sein werden. Umso größer war jetzt das Interesse der Landwirte, die unmittelbar mit ihren Ländereien an der Tressen liegen. Zahlreich waren sie zur Info-Veranstaltung von Amprion nach Ostbevern gekommen, wo sich teilweise jedoch Enttäuschung breit machte.

Das Interesse bei den Ostbeverner und Telgter Landwirten war sehr groß. Viele nutzten das Info-Angebot. Foto: Bernd Pohlkamp

Klimafreundlicher Strom fließt zu Beginn der 2030er Jahre auch über die Gebiete von Ostbevern und Telgte. Die Stromautobahn Korridor B wird immer konkreter. Netzbetreiber Amprion stellte am Montagnachmittag im Rahmen eines Bürger-Info-Stopps vor dem Rathaus in Ostbevern das Erdkabelprojekt vor, das über landwirtschaftlich genutzte Flächen nördlich von Westbevern (Trasse V49-46), westlich von Ostbevern (Trasse V49-49) und östlich von Telgte (Trasse V49-49) verlaufen soll. Vorgestellt wurden Trassenkorridore von 1000 Metern Breite, die die Grundlage für die weitere konkrete Planung des Verlaufs der deutlich schmaleren Erdkabeltrasse bilden.

Technik, Bauverfahren und Genehmigungsablauf im Fokus

Zahlreiche betroffene Landfrauen und Landwirte aus Telgte und Ostbevern informierten sich über dieses große Projekt. Gemeinsam mit den Fachleuten von Amprion warfen sie einen Blick auf die aktuelle Planung und ließen sich Details zur eingesetzten Technik, zu Bauverfahren und zum Genehmigungsablauf erläutern.

Mit Korridor B plant und realisiert Amprion eines der größten Energiewendeprojekte Deutschlands. Zwei Erdkabelsysteme als Direktverbindungen werden ab den 2030er Jahren dafür sorgen, dass Strom aus erneuerbaren Energien von Wilhelmshaven bis nach Hamm über Ostbevern und Telgte fließen. Mit Einschränkungen in der Landwirtschaft müssen dann die betroffenen Landwirte rechnen. „Wie bin ich mit meinem landwirtschaftlichen Betrieb tangiert?“ Das war eine der meist gestellten Fragen. Aber dazu konnte auch Korridor-B-Projektsprecher Tobias Schmidt keine Aussage treffen: „Wir befinden uns derzeit in einem mehrstufigen Genehmigungsverfahren. Wer wie betroffen ist, dass kann erst in den nächsten Jahren beantwortet werden.“ Die Baustelle werde eine Breite von 40 Metern umfassen, der spätere Schutzstreifen liege dann bei 30 Metern. Nochmals Tobias Schmidt: „Die bis zu 30 Metern breiten Schutzstreifen, unter denen die Erdkabel später verlaufen, dürfen zwar nicht bebaut werden, doch Ackerbau ist dort ganz normal möglich.“

KorridorB-Projektsprecher Tobias Schmidt

Das bezweifeln Johannes Hertleif, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Telgte-Westbevern, und auch Paul Verenkotte, Sprecher der Ostbeverner Landwirte: „Der Eingriff in den Boden ist nicht zu unterschätzen.“ Die Landwirte wollen das Planungsverfahren kritisch-konstruktiv begleiten und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Erhaltung und Berücksichtigung der Bodenfunktionen achten. Auch möchten die Landwirtschaftlichen Ortsverbände von Anfang an einbezogen werden. „Wir wünschen uns, dass die entlang eines Trassenkorridors potenziell betroffenen Betriebe kontaktiert werden, damit diese schon in der Planungsphase ihr Wissen um Beschaffenheit und Bodennutzung einbringen können. Auch wünschen wir uns eine Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Baustelle“, so Hertleif und Verenkotte übereinstimmend.

Interessierte haben die Möglichkeit, den Projekt-Newsletter zu abonnieren, der regelmäßig über Verfahrensschritte und Veranstaltungstermine informiert. Im Internet unter korridor-b.amprion.net gibt es Informationen und Karten. Auch bei der Infoveranstaltung selber war das Interesse riesengroß – wurde in den Augen einiger Besucher jedoch nicht ausreichend befriedigt. Viele Landwirte beklagten sich über die kleinen Bildschirme und die aufgehängten Karten. Teilweise verließen sie enttäuscht den Rathausvorplatz.

Projektsprecher Tobias Schmidt machte deutlich, dass sich Amprion als nachhaltiges Unternehmen verstehe. „Für uns hat der Schutz von Mensch, Natur und Umwelt einen hohen Stellenwert. Unser Ziel ist es, landwirtschaftlich genutzte Flächen nach dem Bau des Kabels wieder möglichst uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen.“

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