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Wanderung mit Udo Wellerdieck durch den Kattmannskamp

Blick ins Wohnzimmer des Uhus

Ostbevern-Brock

Viel Wissenswertes erfuhren die Teilnehmer einer Wanderung mit Udo Wellerdieck durch den Wald am Kattmannskamp.

Von Anne Reinker

Bei Naturwanderungen mit Udo Wellerdieck lohnt sich auch einmal ein Blick nach oben. Foto: Anne Reinker

Dass sich im Wald am Kattmannskamp gut spazieren gehen lässt, dürfte vielen bekannt sein. Dass dieses Gebiet aber einen besonderen Stellenwert in der regionalen Natur einnimmt, wissen vermutlich wenige. Seit Sonntag sind es über 50 Personen mehr, denn sie nahmen an der Tour von Udo Wellerdieck teil.

„Mosaikartige Strukturen“

Zum ersten Mal bot Wellerdieck, der auch für den Naturschutzbund Aktionen veranstaltet, die Wanderung durch den Kattmannskamp an. Entdeckt habe er die Besonderheiten dieses Waldes bei einem privaten Ausflug durch das Gebiet, sagte er. „Er ist einer der größten Waldgebiete im weiten Umkreis von Münster“, erklärte der ausgebildete Natur- und Landschaftsführer.

Das Außergewöhnliche an der bewaldeten Fläche seien die „mosaikartigen Strukturen“, die durch die vielen Lichtungen entstehen würden, so der Tourleiter. Diese Beschaffenheit käme der Entwicklung von Biotopen zugute, die eine breite Biodiversität und ein vielseitiges Nahrungsvorkommen möglich machen. Dadurch fänden dort viele verschiedene Tiere ihr Zuhause, wie der Naturbegeisterte berichtete und mit seinen Erklärungen für viele Aha-Momente bei den Teilnehmern sorgte.

Udo Wellerdieck

„Hier lebt zum Beispiel der Uhu, die weltweit größte Eule“, berichtete Udo Wellerdieck. Das sich dieses Tier hier niedergelassen hat, sei „eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Naturschutzes“. Ebenso seien Feuersalamander, Damhirsche und Sikahirsche im Kattmannskamp zu sehen.

Vor allem letztere seien in ihrer Bezeichnung der Allgemeinheit eher noch fremd, dabei gibt es diese Art schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich komme das Tier aus Fernost. Wie der Sikahirsch nach Deutschland kam? „Adlige und Wohlhabende hielten sich ihn in ihren Parks“, erklärte Wellerdieck. So gelangten Tiere auch in die freie Wildbahn.

Lange Mähne

Wenngleich der Sikahirsch und der Damhirsch, der übrigens im 18. Jahrhundert aus dem nahen Osteuropa in die Region kam, im Verhalten ziemlich ähnlich sind, unterscheiden sich beide Wildtiere optisch, was schon auf dem ersten Blick zu erkennen ist: Der Damhirsch hat ein Schaufelgeweih, das Gehörn des Sikahirsches bilden zwei Spieße. Zudem habe der Sikahirsch ein anderes „Winterkleid“, wie Udo Wellerdieck den Naturfreunden erklärte. „Am Hals wird die Mähne länger.“ Zur Freude aller Beteiligten kamen die Tiere mehrmals aus ihren Verstecken und ließen sich teils minutenlang beobachten.

Vogellaute

Auch zu Rotdrosseln, dem Erlenzeisig und dem Bergfinken wusste Udo Wellerdieck viel zu berichten. Diese Vögel sind zurzeit im Kattmannskamp zu Gast. „Es gibt jetzt eine ganze Reihe an Zugvögeln hier“, sagte er. „Die sind im Sommer nicht zu sehen.“ Er riet den Teilnehmern, gut die Ohren zu spitzen und erläuterte ihnen die verschiedenen Vogellaute.

Ebenfalls gut für die Biodiversität sei der vielflächige alte Baumbestand, der den Kattmannskamp ausmache. Mit den Erzählungen des Naturführers beschäftigten sich die Teilnehmer auch mit dem Klimawandel, der unter anderem den Fichtenwuchs beeinflusst, wie Udo Wellerdieck erklärte.

„Das Interesse an Führungen in der Natur ist seit Jahren gewachsen“, sagte der Münsteraner. Über 100 öffentliche Veranstaltungen bietet er im nächsten Jahr an, auch die im Kattmannskamp soll darin aufgenommen werden.

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