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Acht Monate Freiheitsstrafe und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit

Brennende Zigarette an der Schläfe ausgedrückt

Brock

Mit einer Bewährungsstrafe kam ein 38-Jähriger davon, der seine Frau nicht nur verprügelte, sondern ihr auch noch eine brennende Zigarette im Gesicht ausdrückte.

-cirm-

Vor Gericht landete nun ein Fall von Körperverletzung. Foto: Foto: dpa/David Ebener

Im Mai diesen Jahres begleitete eine 32-jährige Ukrainerin ihre Söhne zu einer Bushaltestelle in Brock und rauchte anschließend dort noch eine Zigarette. Soweit, so unspektakulär.

Das sah ihr heute 38-jähriger Ehemann offenbar anders – und musste sich dafür am Montag vor dem Amtsgericht verantworten. Laut Anklage sah er seine rauchende Frau, schlug deshalb mehrfach auf sie ein und drückte ihr im Anschluss seine Zigarette an ihrer Schläfe aus. Eine Frau dürfe aus religiösen Gründen nicht rauchen.

Vor Gericht räumte der Angeklagte die Vorwürfe teilweise ein. „Ja, es gab so einen Vorfall.“ Er habe nie zuvor gesehen, dass seine Ehefrau rauche. Ihm sei bewusst, dass sein Handeln falsch gewesen sei und er anders handeln müsse.

Zufällig und aus Nervosität

Die Vertreterin der Anklage hakte nach, warum er nach den Schlägen auch noch die Zigarette derart habe ausdrücken müssen. Das sei zufällig und aus Nervosität geschehen, lautete seine Antwort. Die Geschädigte selbst sagte nicht aus, betonte allerdings, man habe sich bereits am Tag danach wieder versöhnt.

Weitere Zeugen, etwa aus der Gemeindeverwaltung oder ein in einem Hilfsdienst Aktiver, berichteten hingegen von anderslautenden Schilderungen und Eheproblemen. Es habe schon häufiger tätliche Übergriffe gegeben. Die Familie sei wenige Wochen vor der Tat in Brock angekommen und habe dort recht beengt gewohnt, wurde im Verfahren weiter geschildert. Mittlerweile, so berichtete eine Gemeindemitarbeiterin, habe die Familie eine Wohnung bezogen und mehr Privatsphäre – die Situation sei nun besser.

Plädoyer

In ihrem Plädoyer wollte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nicht von einem Versehen sprechen, sondern sah durch das Ausdrücken der Zigarette an der Schläfe der Frau eine zweite Handlung. Sie beantragte eine einjährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie die Ableistung von 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Das Gericht folgte der Argumentation, beließ es allerdings bei den 150 Stunden und einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, ein Bewährungshelfer wird den Angeklagten begleiten.

Kurios fiel indes die Reaktion der Ehefrau aus. Noch im Gerichtssaal fragte sie nach, warum ihr Mann derart hart bestraft worden sei. Es sei alles wieder in Ordnung. Dieser Eindruck sei nicht zutreffend, wie die Richterin mit Verweis auf geltendes Recht erläuterte. Die Mindeststrafe für derartige Straftaten betrage sechs Monate, mit dem Urteil sei das Gericht zudem unter dem Antrag der Anklage geblieben, führte sie weiter aus.

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