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Soli-Quiz im Studio Tanz-Fit

Der persönliche Kontakt fehlt

Ostbevern

Seit 40 Jahren ist Ulla Ludwig als Tanztrainerin tätig. Einige ihrer Kunden begleitet sie fast eine ebenso lange Zeit. Umso belastender sei es, die Menschen eine so lange Zeit wie aktuell nicht zu sehen. Sie hofft, nach Ostern ihr Studio zumindest wieder eingeschränkt öffnen zu können.

Daniela Allendorf

Ulla Ludwig lädt am morgigen Sonntag zum „Soli-Quiz“ ein. Foto: Daniela Allendorf

Seit Wochen ist auch das Tanzstudio von Ulla Ludwig verwaist. Lediglich eine Matte und zwei Stühle stehen in dem großen, an einer Seite verspiegelten Saal. „Hier nehme ich die Zoom-Meetings auf“, sagt Ulla Ludwig und zeigt auf die Stühle: „Da habe ich immer den Laptop stehen.“ Wenigstens so sei ein wenig Kundenkontakt möglich. Dass ihr der persönliche Kontakt sehr fehlt, wird im Gespräch immer wieder deutlich. Und noch eins fällt auf: Ulla Ludwig ist ein positiv gestimmter Mensch. Ihr gelingt es, sich trotz langer Schließung ihres Unternehmens mit der Lage zu arrangieren. „Mir geht es gut, ich bin nicht krank. Es könnte wirklich schlimmer kommen.“

Seit 40 Jahren ist die Ostbevernerin als Tanztrainerin tätig. Einige ihrer Kunden begleitet sie fast eine ebenso lange Zeit. Trotz ihrer positiven Art belastet es die 60-Jährige, ihre Tänzer eine so lange Zeit nicht zu sehen. Sie hofft darauf, nach Ostern ihr Studio zumindest wieder eingeschränkt öffnen zu können. „Aber wenn wir Pech haben, geht es noch länger oder wir stehen im nächsten Herbst an der gleichen Stelle wie jetzt“, sagt die Tanztrainerin und schiebt hinterher: „Wir brauchen unbedingt die Impfungen.“

Der erste Lockdown im vergangenen Jahr sei für sie total überraschend gekommen. Man habe im ersten Moment gar nicht gewusst, was zu tun sei. „Da war es schon gut, als die Vorgabe kam, dass wir schließen mussten“, sagt Ulla Ludwig. Als sie im Mai dann wieder habe starten dürfen, sei das ein großer Kraftakt gewesen. Schließlich wolle man allen gerecht werden. Über ein rollierendes System habe man schließlich Angebote unter den entsprechenden Auflagen machen können. „Die Teilnehmer waren da alle sehr kooperativ.“

Wahnsinniges Glück habe man im September mit der Durchführung der Tanzvorstellungen gehabt: „Das war genau der richtige Zeitpunkt.“ Besonders für die Kinder, sei es gut gewesen, dass sie so ihrer erarbeiteten Choreographien hätten zeigen können. Darüber hinaus habe man im September noch einmal alles gegeben, damit die Kunden ihre ausgefallenen Kurse aus dem Frühling hätten ein wenig kompensieren können.

Hatte Ulla Ludwig im ersten Lockdown noch keine staatlichen Mittel in Anspruch genommen, musste sie dies auch im November nicht tun. „Im Dezember habe ich dann das Überbrückungsgeld beantragt“, sagt Ludwig. Weitere Corona-Hilfen gibt es in diesem Jahr bisher für sie nicht. Lediglich laufende Kosten – Heizung, Strom und Miete – würden durch staatliche Gelder gedeckt. Anders als andere Branchen, die nach der Wiederöffnung ihren Umsatz steigern könnten, „haben wir in unserer Branche keine Chance, den Verlust wieder aufzuarbeiten.“

Wie viele andere Unternehmer lebt sie zurzeit von ihren Ersparnissen. Seit vier Monaten ist das Studio ohne Einkommen. „Ich bin selbstständig, seit ich 21 Jahre alt bin“, erzählt sie. Deswegen sei es für sie seit Jahren selbstverständlich, Rücklagen zu bilden. Dass sie diese jetzt angreifen müsse, sei für sie völlig ok. „Die sind ja dafür da, wenn mal was ist. Und jetzt ist eben so ein Fall“, sagt Ulla Ludwig, die immer wieder deutlich macht, wie sehr ihr der Job am Herzen liegt. „Ich liebe das, was ich tue.“ Und dazu gehört auch eben der Kundenkontakt.

Dazu ist sie zusammen mit ihrer Tochter Nora – die Ulla Ludwig aktuell in Kurzarbeit schicken musste – kreativ geworden. Die Idee haben sich die Frauen in Münster abgeschaut. „Da veranstalten die Kneipen ab und an ein sogenanntes ‚Soli-Quiz‘“, berichtet die Unternehmerin. Gemünzt auf ihr Unternehmen ist jetzt das „Familien-Tanz-Fit-Soli-Quiz“ entstanden. Am morgigen Sonntag, 7. März, können Interessierte zwischen 10 und 18 Uhr zur Tanzschule an der Hauptstraße kommen und die Quizfragen abholen. „Ganz coronakonform“, sagt Ludwig.

Wer mag, kann die Gelegenheit nutzen und vor Ort das Glücksrad drehen, so einen weiteren Fragebogen gewinnen und so die Gewinnchancen erhöhen. Die Teilnehmer können ihre Antworten bis zum 14. März einreichen. Anschließend werden drei Gewinner ermittelt, die auch im Nachgang auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht werden. Interessierte, die am Sonntag nicht zur Tanzschule kommen können, können die Fragen per E-Mail unter tanz-fit@web.de anfordern.

Auf der Homepage des Tanzstudios finden sich ab kommenden Montag auch die kostenlosen Zoom-Angebote, die Ludwig während der Schließung aufrechthalten will und die sie für alle Interessieren freischaltet. „In der Krise muss Ostbevern zusammenstehen, und wir freuen uns, wenn viele Leute Lust haben, sich mit uns fit zu halten.“

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