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Ehrenamt im Boxlernstall

Die Basics des Lebens vermitteln

Ostbevern

„Boxen und Büffeln“ – das ist das Konzept im Boxlernstall. Die Einrichtung verbindet Nachhilfe mit sportlichem Training. Der Erfolg des Konzepts erfüllt auch die Ehrenamtlichen mit Zufriedenheit.

Anne Reinker

Das sind einige der Aktiven, die sich für den Boxlernstall einsetzen: Patricia Langlitz, Barbara Mozynski, Norbert Kortmann und Manfred Läkamp (v.l.). Foto: Anne Reinker

Eine Zwei statt einer Fünf auf dem Zeugnis, ein „Danke“ aus dem Mund des Schülers oder ein zugerufenes „Hallo“ auf der Straße: Das sind Freuden, die das Ehrenamt im Boxlernstall mit sich bringen. Neben den Trainern im sportlichen Bereich sind es fünf Lehrer, davon zwei Schüler der Loburg, die Kindern und Jugendlichen Nachhilfeunterricht erteilen. Für sie heißt es dort: „Nur wer büffelt, darf auch trainieren.“ Ein Konzept, das seit seiner Umsetzung durch den Verein Startbahn Ostbevern von Erfolg gekrönt ist. Vorsitzender Manfred Läkamp und einige der Lehrer können davon erzählen.

Etwa zwanzig Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot des Boxlernstalls. Während unten im Gebäude trainiert wird, steht im Obergeschoss die Nachhilfe auf dem Programm. Zweimal in der Woche kommen die Teilnehmer hierher und bekommen Unterricht und Boxtraining. „Mit der Zeit sehen viele hier ihr zweites Zuhause“, hatte Barbara Mozynski erfreut festgestellt. „Für sie sind wir eine große Familie“, berichtet sie von den Rückmeldungen seitens der Kinder und Jugendlichen.

Sinnvolles in der Freizeit tun

Seit sie in Pension ist – sie unterrichtete vorher an einer Schule in Bad Laer – wendet sie ihre Fähigkeit für bis zu vier Stunden in der Woche im Boxlernstall an. „Das macht sehr viel Spaß“, sagt Mozynski. Sie habe in ihrer freien Zeit etwas sinnvolles tun wollen und als Manfred Läkamp sie auf die Lehrertätigkeit ansprach, habe sie gerne zugesagt.

Läkamp selber habe etwas zurückgeben wollen, als er gemeinsam mit weiteren Engagierten den Verein gründete. „Ich habe oft im Leben die richtigen Leute getroffen, die mir früher geholfen haben“, erinnert er sich. Nun die Erfolge zu sehen, wenn der Boxlernstall eine „Kinderseele retten kann“, so Läkamp, gäbe Glücksgefühl und mache auch stolz.

Stärkeres Selbstwertgefühl

„Es sind Kinder dabei, die traumatische Erlebnisse in der Familie hinter sich haben“, sagt er. Aggressionen, tiefes Unglücklichsein und Rebellion sind Folgen davon, die sich auch im Schulischen äußern. Die Lehrer geben den Schülern den Hinweis auf den Boxlernstall, zudem besteht ein guter Kontakt zwischen der Einrichtung und der Sozialarbeiterin der Josef-Annegarn-Schule.

Manche Kinder und Jugendliche nutzen das „Boxen und Büffeln“ nur für einige Wochen, andere wiederum kommen über Jahre in den Boxlernstall. Sie merken: Hier werden sie anerkannt, in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt. „Sonst hören sie oft: Du kannst das nicht“, erzählt Barbara Mozynski. Dank des Boxlernstalls verbessern sich die Zensuren stetig, die Aggressionen werden weniger und die sportliche Fitness nimmt zu. Das tut den Kindern und Jugendlichen mehr als nur gut.

Alle verbessern sich

„Wir können sehen, dass sie sich durch die Bank alle verbessern“, freut sich Norbert Kortmann, ehemaliger Berufsschullehrer, der wie auch Manfred Pieper das „Kollegium“ ergänzt. Patricia Langlitz unterstützt die Arbeit mit dem Training der Sozialkompetenzen der Jugendlichen.

Sie bemerkt, dass die Kinder und Jugendlichen das Angebot als etwas Besonderes zu schätzen wissen. Und noch eins: „Ich weiß, wie es den Schülern geht“, sagt Patricia Langlitz. Denn sie selber war hier Schülerin und ist nun Studentin der Sozialarbeit.

Anstand, Höflichkeit und Pünktlichkeit

Man merke, dass die jugendlichen Besucher die im Boxlernstall gelernten Sozialkompetenzen, „die Basics des Lebens“, wie Manfred Läkamp die Attribute Anstand, Höflichkeit und Pünktlichkeit zusammenfasst, auch außerhalb der Einrichtung anwenden. „Sie verändern sich nicht komplett, aber versuchen ganz deutlich ihren früheren Verhaltensweisen entgegenzusteuern“, sagt Patricia Langlitz. Sie wenden sich vom schlechten Umgang ab, lernen sich aus Streitereien zurückzuziehen und versuchen das eigene Verhalten zu reflektieren.

Gibt es Lob und Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement? „Wenn man sieht, dass das Kind hier wieder auf den richtigen Weg kommt, erfüllt einen das mit tiefer Zufriedenheit“, erzählt Barbara Mozynski. Der „richtige Weg“, das ist der soziale Umgang in der Gesellschaft, die stetig besseren Zensuren bis hin zum Übergang auf die weiterführende Schule oder die Berufsausbildung. „Bis jetzt haben wir alle Schüler unterbringen können“, berichtet Norbert Kortmann.

Manfred Pieper, früher Lehrer an der Loburg, freut sich selber, wenn die guten Zeugnisse vorgezeigt werden. „Der eigentlich Beschenkte ist der, der hilft“, erklärt der 77-jährige seine Freude an seiner Unterstützung. Ehrenamtliches Engagement halte die Gemeinschaft zusammen. Norbert Kortmann formuliert es so: „Ehrenamt ist häufig mit Arbeit verbunden, selten mit Anerkennung und Dank“, sagt er. „Hier ist das anders, hier bekommen wir oft ein Danke gesagt.“

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