Künstler Sebastian Osterhaus findet neue Heimat

Die Grenzen sind fließend

Ostbevern

Künstler Sebastian Osterhaus hat seine neue Heimat in der Bevergemeinde gefunden. Dort kann er Wohnen und Arbeiten miteinander kombinieren. Der Ibbenbürener kommt aus einer kreativen Familie, wobei sein Weg trotzdem nicht vorgezeichnet war, sagt er.

Anne Reinker

Künstler Sebastian Osterhaus hofft darauf in diesem Jahr wieder Ausstellungen durchführen zu können. Foto: Anne Reinker

Seit über zwei Jahren hat Sebastian Osterhaus seinen Lebensmittelpunkt in Ostbevern. Der Künstler mit Ibbenbürener Wurzeln richtete sich am Großen Kamp nicht nur seine Wohnung ein, sondern verlegte auch sein Atelier von Münster hier her. Osterhaus fühlt sich wohl in der Gemeinde.

Druckgrafischer Dreiteiler

Jüngst machte Sebastian Osterhaus mit seinem druckgrafischen Dreiteiler auf sich aufmerksam. In ihm nahm er ironisch den coronabedingten Run auf das Toi­lettenpapier in sein künstlerisches Schaffen auf (WN berichtete). Doch Osterhaus hat noch einiges mehr zu bieten.

„Ich komme aus einer sehr kreativen Familie“, erzählt er von seinen Anfängen. Die Mutter fertigte Porzellanpuppen und restaurierte Möbel, der Vater war talentiert im Zeichnen. Daher war es nicht verwunderlich, dass Sebastian Osterhaus auch oft zum Bleistift griff. „Die berufliche Richtung war damals aber noch nicht für mich vorgegeben“, erinnert sich der Künstler.

Sebastian Osterhaus

Begleitend mit dem Fachabitur machte er in Münster eine Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten, was ihn motivierte, den künstlerischen Weg weiterzugehen. Dem Vollabitur ließ er ein Studium für Kunst, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik in Osnabrück folgen. „In einem Jahr habe ich das komplette Hauptstudium absolviert“, sagt Sebastian Osterhaus, denn: Ganz kurzfristig bewarb sich der damals 25-Jährige für ein anschließendes Studium in Bildende Kunst, Malerei und Grafik in Dresden. Die Professoren unterstützten den Plan von Sebastian Osterhaus, so dass er das Studium deutlich abkürzen konnte.

Bis 2012 lebte Sebastian Osterhaus in Ostdeutschland, machte dort sein Diplom zum Berufskünstler und wurde Meisterschüler von Professor Peter Bömmels.

Aus familiären Gründen zog es ihn zurück nach Westfalen. Zumal er hier deutlich bessere Chancen sah, sich als Künstler zu platzieren. „In Dresden ist es schwer, in die gesellschaftlichen Strukturen hineinzukommen“, sagt er.

Wohnen und arbeiten kombinieren

Durch den Förderverein für aktuelle Kunst in Münster konnte er dort in einem eigenen Atelier arbeiten. Nach drei Jahren wollte er wohnen und arbeiten kombinieren und suchte dafür den geeigneten Ort – und er fand ihn in Ostbevern. Seit dieser Zeit etwa arbeitet er als Kunstlehrer an einer Mettinger Schule.

„Die Art meiner künstlerischen Gestaltung gibt einen Einblick in die Welt, wie ich sie wahrnehme“, erklärt Osterhaus seine Richtung. „In ihrer Vielfalt so herausfordernd, dass etwa die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Natur fließend ineinander übergehen“, sagt er. Um dieses auszudrücken, nutzt er seine medienübergreifenden Darstellungsmöglichkeiten, die seinem Anliegen entsprechen, so der 39-Jährige. „Mich bewegen die unterschiedlichen Möglichkeiten in der Neuschöpfung von Figurationen und Übersetzungen von Themen, wie die Beziehung zwischen Mensch und Tier.“ Inspiriert wird er unter anderem aus Literatur, aktueller Politik und der traditionellen Volkskultur, erläutert Osterhaus im Weiteren seinen Stil. Um diesen auszudrücken, bedient er sich seiner ausgesuchten Materialien. Bei der Malerei widmet sich der Künstler dem Aufbrechen der scheinbaren Realität. Das Zerwürfnis mit der Wahrheit und die Maskierung sind Themen, die ihn dabei besonders interessieren. Die Symbiose aus Mensch und Tier, Wesensbeschreibungen und Charakterstudien inspirieren ihn dagegen beim Zeichnen. Die Fotografie wiederum ist für Sebastian Osterhaus wie ein Skizzenbuch und Ideengeber für weitere Werke.

Sebastian Osterhaus

Mit den Jahren konnte sich der Kreative in der Kunstszene etablieren, gewann im In- und Ausland Preise. Aktuell beteiligt er sich an einer Sotheby’s-Benefiz-Kunstauktion in Hamburg. „Es machen sehr namhafte Künstler wie Jonathan Meese und Jonas Bur­gert mit“, erzählt Sebastian Osterhaus. „Es ist schon klasse, dass man in diesen Kreis aufgenommen wird.“ Zudem arbeitet er an einer mehrteiligen Reihe von Portraitarbeiten. Dass der Corona-Lockdown so viele künstlerische Einrichtungen schließen und Veranstaltungen ausfallen lässt, empfindet er als ungerecht, denn: „Wer steckt sich schon im Museum an“, fragt er sich. Er hofft, 2021 wieder seine Kunst ausstellen zu können. Dafür gibt es schon einige Angebote.

Wer sich für die Arbeiten des Künstlers interessiert:

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