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Eva Hesse-Dieckmann vom „Offenen Ohr“ im Gespräch

„Die Menschen igeln sich ein“

Ostbevern

Die persönliche Sprechstunde vor Beginn der Corona-Pandemie hatte immer in einem eigens dafür reservierten Raum im Pfarrhaus an der Hauptstraße stattgefunden. Face to face, von Angesicht zu Angesicht – da seien die Gespräche mit Ratsuchenden schon einfacher gewesen. Jetzt muss auch beim „Offenen Ohr“ alles übers Telefon laufen.

Bettina Laerbusch

Eva Hesse-Dieckmann gehört zum Team des „Offenen Ohr“ der Pfarrcaritas. Foto: Privat

Zehn Männer und Frauen bilden das Team des „Offenen Ohrs“ in Ostbevern. Eigentlich treffen sie sich regelmäßig, um sich vertraulich auszutauschen, um über Erfahrungen zu sprechen – und sicherlich auch, um sich gegenseitig zu unterstützen. Eigentlich. Denn all das geht schon lange nicht mehr. Corona beziehungsweise die Beschränkungen, die Politiker den Menschen verordnet haben, verhindern das persönliche Sich-sehen-Können. Über Microsoft Teams oder Zoom miteinander reden – das ginge. Doch noch haben die Zehn das nicht getan, sagt auf Nachfrage Eva Hesse-Dieckmann, die dem Team des „Offenen Ohrs“ angehört. Und all diejenigen, die unkompliziert Rat und Hilfe brauchen? Wie erreichen sie das „Offene Ohr“ der Pfarrcaritas St. Ambrosius jetzt im 13. Monat der Pandemie?

Das „Offene Ohr“ ist während der vergangenen Monate – und auch weiterhin – über das Pfarrbüro der Kirchengemeinde erreichbar. Wer die  0 25 32/ 95 66 19 10 wählt, hat zumeist Pfarrsekretärin Mechthild Strotbaum in der Leitung. Sie vermittelt dann weiter an einen der zehn Ansprechpartner des „Offenen Ohrs“.

Eva Hesse-Dieckmann erläutert im Gespräch mit dieser Zeitung, dass die Menschen, die sich melden, „sehr unterschiedliche Anliegen haben – so unterschiedlich, wie die Menschen auch unterschiedlich sind“. Hesse-Dieckmann ist von Hause aus Psychotherapeutin, macht aber deutlich, dass es beim „Offenen Ohr“ keine therapeutische oder juristische Beratung gibt, sondern alle – auch sie jetzt im Ruhestand – ehrenamtlich am Telefon sitzen. Viele Pädagogen engagierten sich ehrenamtlich für das „Offene Ohr“, berichtet Eva Hesse-Dieckmann, auch ein Rechtsanwalt gehöre zum Team.

Die persönliche Sprechstunde vor Beginn der Corona-Pandemie hatte immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr in einem eigens dafür reservierten Raum im Pfarrhaus an der Hauptstraße stattgefunden. Face to face, von Angesicht zu Angesicht – da seien die Gespräche mit Ratsuchenden schon einfacher gewesen. Manche, die anriefen, wollten einfach mal nur mit jemanden sprechen, vor allem Menschen, die alleine lebten. Aber nicht nur. Andere hätten zum Beispiel Probleme beim Ausfüllen von Formularen. Das „Offene Ohr“ sei gut vernetzt mit dem Sozialamt, mit dem Migrationsdienst oder auch mit den verschiedenen Sozialarbeitern in den Grundschulen.

Um Weihnachten herum, erinnert sich Hesse-Dieckmann, sei das „Offene Ohr“ sehr in Anspruch genommen worden. Das sei aber immer so in der dunklen Jahreszeit. Zurzeit sei es ruhiger – was daran liegen könne, dass die Tage heller werden und es den Menschen dann besser geht. Doch Hesse-Dieckmann ist skeptisch, ob das der wahre und alleinige Grund ist. Ihre persönliche Wahrnehmung sei, dass die „Leute jetzt mehr Angst haben als bei der ersten Welle. Die Menschen sind alle sehr verunsichert.“ In so einer Situation brauche der Mensch ja eigentlich besonders einen Ansprechpartner und Hilfe sowie Rat und Unterstützung. „Aber die Leute igeln sich ein.

Wenn sie sich etwas wünschen dürfte, was wäre das? „Privat oder fürs ,Offene Ohr‘?“, kommt die Gegenfrage lachend durchs Telefon. „Beides“, lautet die Antwort. „Fürs ,Offene Ohr‘ wünsche ich mir, dass Leute, die Probleme haben, einfach anrufen“, sagt Eva Hesse-Dieckmann dann. Eine „Art Rückzug“ der Menschen, der Gesellschaft, hat sie festgestellt. Für sich persönlich wünscht sie sich, „dass Corona bald vorbei ist“. Sie selbst habe bald einen Impftermin und freut sich riesig darauf, ihr Enkelkind, sechs Wochen alt, „endlich knuddeln zu können“.

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