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Steigende Nachfrage

Heizen mit Kaminen steht hoch im Kurs

Brock

Normalerweise reiht sich im Verkaufsraum von Franz Winkels in Brock ein Ofen an den anderen. Doch dieses Bild gibt es schon seit Wochen nicht mehr. Die Nachfrage nach Kaminöfen steigt allerdings weiter. Etwa 99 Prozent der Kamine, die jetzt bestellt werden, können in diesem Jahr nicht mehr geliefert werden.

Von Anne Reinker

Im Verkaufsraum von Franz Winkels in Brock stehen nur noch einzelne Öfen und Nachschub ist in den nächsten Wochen nicht in Sicht. Foto: Anne Reinker

Wortwörtlich ein heißes Eisen ist aktuell das Thema der Energieversorgung. Vor allem im Bezug auf die kommende Preissteigerung beim Gas suchen viele Nutzer Alternativen für dessen Verbrauch im Haushalt. Eine Möglichkeit dafür kann das Heizen mit Holz sein. Darüber, ob und für wen das langfristig überhaupt sinnvoll sein kann, kann Franz Winkels ausführlich berichten. Der Fachhändler für Kaminöfen steht aber zur Zeit vor großen Problemen: „Wir haben absolute Lieferschwierigkeiten“, sagt er.

Nur noch wenige Exemplare vorrätig

Wo sich im Verkaufsraum in der „Drinkenstiet“ sonst ein Kamin an den anderen reihte, sind nur noch einige Exemplare aufgestellt. Und das ist schon seit Wochen so. Vor interessierten Nachfragen kann sich Franz Winkels dagegen kaum retten. „Ich habe täglich etliche neue Anfragen“, sagt er. Das Interesse an Öfen sei förmlich explodiert. Die Stücke in seiner Ausstellung könne er jetzt noch verkaufen. Wann dann wieder ein Ofen neben dem nächsten stehen wird – das ist ungewiss, sagt der Fachmann.

Schon lange beschäftigt sich Winkels mit dem Aufbau von Kaminen, seit 1995 verkauft er in dieser Sparte, seit zehn Jahren in Brock und machte mitunter eine Ausbildung im Kamin- und Lüftungsbau. Das er solch eine Situation noch nie erlebte, steht außer Frage.

Franz Winkels

Etwa 99 Prozent der Kamine, die jetzt bestellt werden, können in diesem Jahr nicht mehr geliefert werden, so der Bröcker. „Das ist ein riesiger Hype.“ Wasserführende Kamine, deren Heizleistung also auch in die Warmwasserleitung geht, haben eine Wartezeit bis Mitte nächsten Jahres.

Die drei Lager der Ofengenossenschaft in Deutschland seien leer, so Winkels weiter. „Und so etwas hat es noch nie gegeben.“ Die Hersteller der Kaminöfen würden ihre Stücke gerne ausliefern, aber ihnen fehlen für die Fertigstellung oft noch die letzten Einzelteile, die nicht zu bekommen sind.

Den Kauf eines Holzofens kann Franz Winkels nicht uneingeschränkt empfehlen. „Solch eine Investition sollte man sich gut überlegen“, rät er. Die „neue Generation“ der Häuser sei nicht für einen Kaminofen geeignet, mit dem man wirkliche Heizleistung erzielen wolle. „Da muss man sehr kritisch herangehen“, führte der Fachmann weiter aus. Jeder Haushalt habe andere Anforderungen an seine Heiztechnik. Vorab sollte man für die Planung zudem auch den Rat eines Schornsteinfegers einholen.

Neue Abgasnorm wird Probleme bereiten

Ein weiteres Problem des Lieferengpasses sieht Franz Winkels auch für die neue Abgasnorm, die ab 2024 in Kraft tritt und die vor allem alten Kaminöfen keine weitere Funktionserlaubnis geben wird. „Die Öfen müssen dann ausgewechselt werden und das gibt der Markt zumindest aktuell nicht her“, beklagt er, dass dann viele, die ihren Ofen für das Heizen der Wohnräume nutzen, vor einem Problem stehen werden.

Das Heizen mit Holz und gleichzeitig ein wohligwarmes Feuer im Wohnzimmer genießen können, hat seinen Preis. Denn wer sich für einen Kamin entscheidet, müsse auch bedenken, dass die Preise für Holz kräftig angezogen haben, so Winkels. „Zwischen 110 und 140 Euro werden mittlerweile für einen Schüttraummeter genommen“, berichtete er. Preissteigerungen seien auch beim Heizstoff Pellets angekommen.

Auch wenn Franz Winkels nicht weiß, in welche Richtung sich das ganze Thema rund um die Energieversorgung entwickeln wird, hat er doch einige Ratschläge: „Generell ist Energiesparen angesagt“, betont der 56-Jährige. Und das meint er nicht nur hinsichtlich des Warmwasserverbrauchs, sondern auch in Sachen Strom. Beides sei auch mit kleinen Maßnahmen, etwa durch die Reduzierung der Wassertemperatur oder das Vermeiden von unnötigen Stromfressern, gut möglich. Sich bewusst mit dem Themen rund um Einsparpotenziale und alternativen Energien auseinanderzusetzen, sei man auch den nachfolgenden Generationen verpflichtet, sagt Franz Winkels.

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