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Apotheker berichtet

Lieferengpässe bei Medikamenten: Dilemma war vorhersehbar

Ostbevern

Die Nase läuft, im Hals kratzt es und der Kopf schmerzt. Manchmal helfen dann nur noch Medikamente aus der Apotheke. Doch will Matthias Bröker die Lieferkapazitäten bestimmter Heilmittel prüfen, sieht er in den Listen häufig rote, nach unten zeigende Pfeile: Lieferung nicht möglich.

Von Anne Reinker

Apotheker Matthias Bröker und seine PTA-Mitarbeiterin Ilona Borgmann-Feuchte studieren am PC die Lieferkapazitäten der Hersteller von Medikamenten. Foto: Anne Reinker

Die Erkältungswelle, die Folgen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und vermutlich auch so manche Fehlentscheidungen der Bundesregierung in den letzten Jahrzehnten sind Faktoren, so vermutet Matthias Bröker, die die Lieferengpässe verursacht haben. In Brökers Apotheken muss täglich jongliert werden, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. „Das ist uns immer gelungen“, sagte er.

Die Nachfrage an bestimmten Medikamenten, insbesondere an Hustensäften für Kinder, sei zurzeit extrem hoch, berichtete Matthias Bröker auf Nachfrage. Dazu kommt noch, dass das Sortiment an unterschiedlichen Präparaten für Kinder nicht so groß ist wie für Jugendliche oder Erwachsene. Die Erkältungswelle plündert die Regale auch sonst gängiger Produkte an Schmerzmitteln. Die Spitze wurde vor den Feiertagen erreicht. „So eine Zeit wie vor Weihnachten habe ich hier noch nicht erlebt“, sagte Matthias Bröker.

Panikmache

Ein reißerischer Titel eines großen Boulevardblattes habe die Angst in der Bevölkerung geschürt, möglicherweise bald medikamentös nicht mehr versorgt zu sein, vermutete er. „Das hat bei den frei verkäuflichen Medikamenten zu Hamsterkäufen geführt“, berichtete der Apotheker. Dass ein Medikament nicht in den Handel kommt, muss übrigens nicht unbedingt am Mangel des Wirkstoffes liegen. Manche Hersteller hätten Probleme, an die Verpackung für die Arzneien zu kommen, erklärte Matthias Bröker.

Letztendlich gibt es immer noch Plan B: „Das Gesundheitsamt hat uns schon in der Corona-Zeit empfohlen, alles dafür vorzubereiten, dass wir manche Medikamente, selber herstellen können“, erklärte Matthias Bröker. Das habe er dann auch gemacht und die dementsprechenden Bestellungen getätigt. Bis dato war es noch nicht notwendig. Bröker ist froh darüber, denn: „Das ist extrem zeitaufwendig“, sagte er. Sehr komplexe Schritte erfordere die Herstellung, meinte er und das sei nicht innerhalb von fünf Minuten gemacht. Auch ist natürlich die genaue Verordnung des Arztes notwendig.

Rücksprachen mit den Medizinern

Der Apotheker hofft, dass es dazu nicht kommen wird. Aktuell sind viele Rücksprachen mit den Medizinern notwendig, wenn es beispielsweise um die Verordnung des Wirkstoffes oder die Packungsgröße gehe. „Wir müssen jonglieren“, beschrieb Matthias Bröker die tagtägliche Versorgung mit Medikamenten. Der Kunde müsse sich darauf einstellen, statt einer vielleicht drei Tabletten schlucken zu müssen, um auf die verordnete Dosis zu kommen. Auch eine Umstellung der Darreichungsform, Tablette oder Zäpfchen statt Saft, kann notwendig sein. „Wir haben es immer geschafft, den Kunden passend und zufriedenstellend zu versorgen“, ist Matthias Bröker zufrieden.

Lieferungen seitens der Hersteller gebe es immer wieder, wenngleich oft auch in kleineren Mengen als früher. Viermal am Tag gebe die Apotheke ihre Bestellungen auf, die Liste der zur Verfügung stehenden Medikamente ändere sich dabei jedoch fortlaufend, führte er weiter aus. Der Apotheker empfiehlt, frühzeitig zu bestellen und nicht damit zu warten, „bis nur noch eine Tablette in der Schachtel ist“, so sagte er. Aber: „Es ist nicht so dramatisch, dass gehamstert werden sollte“, betonte er. Was Matthias Bröker, übrigens Apotheken-Sprecher des Nordkreises, ärgert: Das Dilemma war vorherzusehen. Schon vor mehreren Jahren rechneten auch Politiker mit erheblichen Engpässen.

Dementsprechend kann er nicht verstehen, warum zu wenig getan wurde, um solch eine Situation zu verhindern oder abzumildern. „Die Politik muss Lösungen finden“, fordert Matthias Bröker. Viele deutsche Firmen seien zu Weltkonzernen geworden, die dann auch international handeln und beispielsweise die Produktion in das entfernte Ausland verlegen. Die Politik habe sich zu lange auf die Kontakte in den asiatischen Raum verlassen. Ein Problem, dass er nicht so schnell gelöst sieht.

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