Hartmut Juschka fährt elektrisch

Ein Mann, sein Roller und sein Hund

Ostbevern

Hartmut Juschka fährt Elektro-Roller – und das schon lange bevor das in den großen Städten zum angesagten Trend wurde. Der 75-Jährige hat sich an skeptische Blicke gewöhnt. Für ihn ist das Rollerfahren – gerne auch mit Hund Oskar – ein Gefühl von Freiheit und es macht ihm mehr Spaß als Radfahren.

Marion Fenner

Hartmut Juschka liebt das Fahren mit dem Elektro-Roller. Bei vielen Touren ist auch sein Hund Oskar vorne im Körbchen mit von der Partie. Foto: Marion Fenner

Schon lange bevor der große Elektro-Roller-Hype in den Städten angekommen ist, hat Hartmut Juschka so ein Fahrzeug für sich entdeckt. Seit zweieinhalb Jahren kurvt der 75-Jährige mit seinem dreirädrigen Gefährt durch die Straßen. „Das macht richtig viel Spaß. Ich komme überall durch, und in den Urlaub lässt sich der Roller einfacher mitnehmen, als ein Fahrrad.“

Eine Fernsehshow, bei der junge Firmengründer ihre Produkte vorstellten und dafür einen Investor suchten, brachte Juschka auf die Idee. „Ich hatte damals Probleme mit den Knien, und Radfahren ging nicht mehr so gut. Mich hat das Produkt sofort überzeugt.“ Der elektrisch betriebene Roller hat eine Straßenzulassung, ein Mofa-Kennzeichen und bedarf einer Fahrerlaubnis. „Bei mir gilt dafür der Autoführerschein“, sagt der Rentner.

Eisenbahnbrücke

„Ich darf maximal Tempo 45 fahren.“ Das sei aber durchaus flott genug. Auf diese Weise sei er „deutlich sportlicher“ unterwegs als mit dem Rad. Die drei Räder verleihen dem Vehikel mehr Stabilität. Trotzdem kommt der Fahrer spritzig durch die Kurven. Selbst Steigungen seien mit dem Roller kein Problem. „Die Eisenbahnbrücke in Ostbevern schaffe ich locker mit 30 Stundenkilometern.“

In Ostbevern und Brock ist Juschka mit seinem Roller ein Hingucker. Und das nicht nur, weil Elektro-Roller dort noch nicht zum Alltag gehören. „Ich glaube, einige halten mich für verrückt“, sagt der Rentner mit einem Augenzwinkern. „Ein alter Mann, der Roller fährt ...“ Doch damit kann Juschka leben. „Das Rollerfahren gibt mir ein Gefühl von Freiheit“, sagt er.

Zum Roller-Fan hat Juschka auch seinen Yorkshire-Terrier Oskar gemacht. Bei längeren Ausfügen nimmt der Hund vorne in einem Körbchen Platz, stellt sich auf die Hinterbeine und lässt sich den Wind um die Nase wehen.“ Er ist so etwas wie eine Galionsfigur. „Wir haben gemeinsam schon viele schöne Ausflüge unternommen“, erklärt Juschka, der seit einigen Jahren Witwer ist.

Am Strand entlang

Im Frankreich-Urlaub sausen die beiden bei Ebbe am Strand entlang. Der Roller sei einfach im Kofferraum des Autos zu verstauen, weil er sich wie ein kleines Paket zusammenklappen lasse. Mit 28 Kilogramm sei er jedoch kein Leichtgewicht, der Akku mache den größten Teil des Gewichts aus, betont Juschka. Bei moderater Fahrweise habe das Fahrzeug eine Reichweite von bis zu 60 Kilometern.“ Das reicht für mich“, berichtet der Ostbeverner. Einen kleinen Wermutstropfen hat der Spaß: Ist der Akku leer, endet die Fahrt. Herkömmliches Rollern, also mit einem Fuß auf dem Boden Schwung holen, geht nicht. Da bleibt nur Schieben. Auch ein Plattfuß hat den Rentner kürzlich ausgebremst. „Um zu erfahren, wie ich den Reifen reparieren kann, musste ich mir erst ein Video im Internet anschauen, aber dann hat es geklappt.“

Hartmut Juschka

Den großen E-Roller-Trend sieht Juschka mit gemischten Gefühlen. „Was da jetzt in größeren Städten los ist, das wäre mir zu gefährlich.“ Der Ludgerikreisel in Münster sei für seine Touren ganz sicher kein Ziel, er bevorzuge lieber wenig befahrene Straßen, Feld- und Wirtschaftswege. Ab und zu fährt er zum Einkaufen in den Ort. Seine Touren nimmt Juschka auch gerne mit einer am Lenker angebrachten kleinen Kamera auf. Und so sind sie weiter ungeachtet skeptischer Blicke unterwegs: Der Mann, sein Roller und sein Hund.

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