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Verein 1000 Hügel setzt sich für Kinder mit Behinderungen in Ruanda ein

Eine bessere Zukunft für Bienfait

Ostbevern

Mit dem „Bienfait Hilfsfonds“ startet der Verein jetzt ein Projekt zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in den ländlichen Gebieten Ruandas. Die sogenannte „Taskforce Bienfait“ setzt sich zusammen aus sechs Mitgliedern des Vereins. Namensgeber ist der kleine Bienfait aus Kigali.

wn

Beim Zoom-Meeting tauschen sich Juliane Kruse, Nora Ludwig, Janine Frönd, Anne Große Stetzkamp, Marleen Bruning und Joana Zerfowski Foto: Janine Frönd

„Wie bei all unseren Projekten orientieren wir uns am Bedarf und arbeiten auf Augenhöhe – Entwicklungszusammenarbeit statt Entwicklungshilfe. Unsere Kooperationspartner kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Kirche, staatlichen Gesundheitsorganisationen, Verbänden und anderen lokalen Partnern, die dieses Projekt sehr befürworten“, sagt Janine Frönd, Vorsitzende des Vereins 1000 Hügel. Mit dem „Bienfait Hilfsfonds“ startet der Verein jetzt ein Projekt zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in den ländlichen Gebieten Ruandas.

Die sogenannte „Taskforce Bienfait“ setzt sich zusammen aus sechs Mitgliedern des Vereins, die sich regelmäßig und häufig digital austauschen und planen. Bei vielen Meetings nehmen die lokalen Partner aus Ruanda ebenfalls teil.

Das Schicksal des kleinen Jungen mit dem schönen Namen „Bienfait“ aus Kigali in Ruanda war der Auslöser für dieses Projekt und auch Namensgeber für den Hilfsfonds. „Bienfait ist im Alter von neun Monaten Waise geworden, eine Pflegefamilie kümmert sich nun liebevoll um ihn und seinen drei Jahre alten Bruder. Als Bienfait zu seiner neuen Familie kam, war er stark mangelernährt und hatte eine nicht diagnostizierte Behinderung und keine Krankenversicherung“, erzählt Sonderschullehrerin Joana Zerfowski.

Eines der größten Hindernisse von Kindern mit Behinderungen in den ländlichen Gebieten ist die mangelnde Mobilität. Nicht nur, dass dadurch die Teilhabe an Bildung und Gesellschaft eingeschränkt ist – es fängt schon damit an, dass Kinder mit Einschränkungen und besonderen Bedürfnissen einen schwierigeren Zugang zu Diagnose und Hilfsangeboten wie Rollstühlen oder Therapie haben. Ihre Behinderung schränkt sie auch ein, Angebote im Gesundheitsbereich überhaupt wahrzunehmen. Viele von ihnen haben keine Krankenversicherung und auch keine Diagnose über ihr Krankheitsbild oder ihre Behinderung. Aufgrund ihrer körperlichen Einschränkung und der mangelnden Infrastruktur ist es schwer bis unmöglich, Krankenhäuser und andere spezialisierte Einrichtungen zu besuchen.

Nora Ludwig, angehende Ärztin erklärt: „Gleichzeitig besteht ein dringender Bedarf zur Diagnose sowie Schulungen der medizinischen Fachkräfte in diesem Bereich, Prävention, Früherkennung und Behandlungsstrategien inklusive Hilfsmittel, um die Folgen von Funktionsverlust und Behinderung einzudämmen. Es ist notwendig, die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit von (Re-)Habilitationseinrichtungen für alle Menschen mit Behinderung zu ermöglichen.“

Juliane Kruse, Lehrerin an der Loburg ergänzt zur aktuellen Situation: „Die Pandemie hat zusätzliche Anforderungen an das Gesundheitspersonal und die Gesundheitseinrichtungen mit sich gebracht und Fachpersonal gebunden. Durch die monatelangen Schulschließungen fehlt Kindern mit Behinderungen der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Essensprogrammen, Zugang zu Hilfspersonal, Wasser-, Sanitär- und Hygieneprogrammen. Da die ohnehin kaum verfügbaren öffentlichen Verkehrssysteme aufgrund von Covid-19 ihre Dienste reduzieren oder einstellen, können Kinder mit Behinderungen, die auf diesen Transport angewiesen sind, Gesundheitseinrichtungen nicht erreichen.“

„Daher wird ein mobiles Diagnoseteam in die entlegenen Dörfer fahren und die Kinder mit Behinderungen und ihre Eltern zunächst in den 537 Dörfern im Distrikt Karongi betreuen. Mithilfe des Teams unterstützen wir die Gesundheitsversorgung bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in den ländlichen Gebieten Ruandas durch Diagnose, Hilfsmittelversorgung und Therapiemöglichkeiten. Parallel dazu werden die lokalen medizinischen Fachkräfte durch Weiterbildung und Ausbildung in der Diagnose im Hinblick auf Behinderungen bei Kindern und Jugendlichen in Ruanda unterstützt“, erklärt Janine Frönd die Maßnahmen und Ziele.

Die Projektentwicklung ist sehr zeitaufwendig. Die Mitglieder der „Taskforce Bienfait“ haben Studien gelesen, Interviews geführt, sich intensiv mit der Situations- und Bedarfsanalyse beschäftigt und daraus Ziele und Maßnahmen und ein Wirkungskonzept entwickelt. Indikatoren an denen die erreichten Ziele gemessen werden können wurden definiert und Kosten kalkuliert. Alle das Projekt betreffenden Punkte wurden analysiert und in Beziehung gebracht, um mögliche Schwierigkeiten bereits im Vorfeld zu erkennen.

„Unser Projekt ist darauf ausgerichtet langfristig durch Teilhabe und Mobilität Kindern mit Behinderungen eine Schulbildung oder eine Anstellung zu ermöglichen. Durch Aufklärung und Steigerung der Akzeptanz sollen soziale Barrieren in der näheren Umgebung abgebaut werden“, ergänzt die Sonderschulpädagogin Anne Große Stetzkamp.

„Nach Schätzungen der Weltbank leben weltweit 80 Prozent aller Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Nur etwa ein bis zwei Prozent haben Zugang zu medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen“, ergänzt Marleen Bruning, die bis vor wenigen Tagen noch Lehrerin an der Loburg war, inzwischen aber an einer Schule in Peru arbeitet.

Die „Taskforce Bienfait“ und alle Projektpartner legen großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Fachkräften. Bei Bedarf und unklarer Diagnostik werden konsiliarisch Fachärzte auch aus Deutschland hinzugezogen, um den kleinen Patienten zu helfen. Die ersten Beratungen in Form von Videosprechstunden haben bereits stattgefunden. So konnte auch bei dem kleinen Bienfait endlich eine Diagnose gestellt und ein Behandlungsplan aufgestellt werden.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann an den Verein 1000 Hügel, IBAN DE12400501500034449975 unter dem Stichwort „Bienfait“ spenden. Weitere Infos unter:

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