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Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge in der Bevergemeinde

„Eine ganz starke Leistung“

Ostbevern

Sollten plötzlich 20 oder gar mehr ukrainische Flüchtlinge in die Bevergemeinde kommen, so wird es eng mit dem Wohnraum, den die Gemeindeverwaltung ad hoc zur Verfügung stellen kann. Deswegen sind die Verantwortlichen um Bürgermeister Karl Piochowiak mit Hochdruck auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten, um vorbereitet zu sein. Denn die Turnhalle soll wirklich die allerletzte Lösung sein.

Von Daniela Allendorf

Private Wohnungen oder Zimmer, Ferienwohnungen, Räume von Institutionen – die Gemeinde ist auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge aus der Ukraine. Foto: Ukrinform/dpa

„Das hätten wir uns so in Europa nicht vorstellen können“, sagte Bürgermeister Karl Piochowiak mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Angesichts des Flüchtlingszustroms hatten die Verantwortlichen der Gemeindeverwaltung Ehrenamtliche und Interessierte kurzfristig in die Josef-Annegarn-Schule eingeladen, um über den aktuellen Sachstand und Hilfsangebote zu informieren oder einfach um sich auszutauschen und ins Gespräch zu kommen – unter dem Stichwort „koordinierte Hilfe“.

Wenn Menschen nicht untergebracht werden können

Und genau da hakte der der Verwaltungschef ein. Rund 40 Personen aus der Ukraine seien in der Bevergemeinde in privaten Haushalten untergebracht und „das ist eine ganz starke Leistung, wenn Häuser geöffnet werden“, so Piochowiak. Der sogleich aber auch die Problematik der Flüchtlingssituation ansprach, wenn eben keine über Bund, Land oder Kommunen koordinierte Hilfe erfolgt. So sei in der vergangenen Woche ein ganzer Bus mit Flüchtlingen in Ennigerloh angekommen, ohne dass die Unterbringung gesichert gewesen sei. „Ennigerloh hatte aber keine Kapazitäten mehr“, so der Bürgermeister. Zehn Plätze habe man daraufhin kurzfristig in Ostbevern anbieten können. Man helfe da selbstverständlich den anderen Kommunen gerne, aber man habe eben auch selber nicht eine endlose Zahl an Plätzen zur Verfügung.

Verena Speicher

„Die Zahl der Geflüchteten steigt täglich und wir sind noch am Anfang“, sagte Verena Speicher, Flüchtlingskoordinatorin der Gemeinde. Sie machte auch deutlich, dass die Gemeinde so erstmal nicht genügend Kapazitäten hat, um plötzlich 20 und mehr Menschen aufzunehmen. Zur Zeit gibt es einen Trakt in der Unterkunft an der Bahnhofstraße, in dem bereits Ukrainer untergebracht sind. Des weiteren werde ein Trakt mit vier Zimmern in der Unterkunft an der Schmedehausener Straße in Brock hergerichtet. Dabei sei es wichtig, auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen, denn schließlich seien nicht nur Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen. Deswegen arbeite man in der Verwaltung mit Hochdruck daran, weitere Möglichkeiten der Unterbringung zu generieren. Denn „das können wir alleine nicht stemmen“, so Speicher. Allerdings sollte die Unterbringung in einer Turnhalle wirklich „der allerletzte Rettungsanker“ sein, so die Flüchtlingsbeauftragte.

Glücklich ist sie in diesem Zusammenhang über die Zusammenarbeit mit der Christlichen Gemeinde, die ihre Räumlichkeiten an der Wischhausstraße kurzfristig zur Verfügung stellen wird. Auch mit der Pfarrgemeinde St. Ambrosius sei man im Gespräch. Sowohl im Pfarrheim in Ostbevern als auch in Brock gebe es Kapazitäten. Darüber hinaus sei man auf der Suche nach freien Wohnungen, die durch die Gemeinde angemietet werden könnten.

„Aber der Markt ist sehr angespannt“, wie Bürgermeister Karl Piochowiak es formulierte. Deswegen versuche man sich in alle Richtungen breit aufzustellen und Kontingente abzufragen – beispielsweise auch bei Ferienwohnungen. „Ansonsten bauen wir auf private Haushalte“, rief Verena Speicher dazu auf, sich bei der Gemeinde zu melden, wenn man Wohnraum zur Verfügung stellen möchte. Es gelte auf jeden Fall zu verhindern, dass Obdachlosigkeit entstehe, so Piochowiak.

Rechtliche Vorgaben

Neben der Unterbringungssituation wurden auch rechtliche Vorgaben und Möglichkeiten für die Ukrainer erörtert. So ist jeder ukrainische Bürger berechtigt in Deutschland zu sein. „Das war bei der Flüchtlingskrise 2015 nicht der Fall“, erinnert Verena Speicher. Dennoch muss eine Registrierung erfolgen, um so an entsprechende Leistungen zu kommen. Weitere Informationen über die Leistungserbringung gibt es im Rathaus bei Sabrina Cord unter

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Wichtig für die Ostbeverner, die Familien mit jüngeren Kindern aufgenommen haben oder vielleicht noch aufnehmen werden: Das Aufnahmeverfahren für ukrainische Kinder an den beiden Grundschulen kann bereits durchgeführt werden. Für die Josef-Annegarn-Schule sind noch nicht alle Fragen hinsichtlich des Verfahrens geklärt, so dass ältere Kinder bisher nicht angemeldet werden können. Weitere Infos zur Flüchtlingssituation hat die Gemeindeverwaltung in einer Sonderseite auf ihrer Homepage zusammengestellt. Über den Kontakt zur Gemeinde sollen dann auch die vielen Hilfsangebote im Ort gebündelt und koordiniert werden.

Konkrete Angebote

Ganz konkret wurde es dahingehend gleich im Anschluss an die Informationsveranstaltung. So bot beispielsweise Christian Gerlach, Leiter der Malteser in Ostbevern, einen Fahrdienst für Menschen im Rollstuhl an. Verena Speicher verwies auf die Spielgruppe von Daniela Große Hokamp, die immer Dienstagsvormittags im Jugendcafé stattfindet und wo Kinder im Alter bis zu drei Jahren auf den Kindergarten vorbereitet werden. Weitere Infos bei Verena Speicher unter

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