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An der Loburg haben unterschiedliche Tiere ein Zuhause

Entdeckungsreise im eigenen Zoo

Ostbevern

Mallorca-Geburtshelfer-Kröten ermöglichen am Gymnasium eine „Arterhaltung zum Anfassen“. Nur eine von zahlreichen Tierarten, die an der Loburg ein Zuhause haben und den Unterricht bereichern. Zudem beteiligt sich die Einrichtung an den Erhaltungszuchtbemühungen von „Citizen Conservation“.

Von Anne Reinker

Egal ob im Terrarium oder im Aquarium: An der Loburg haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, verschiedene Tiere aus allernächster Nähe zu beobachten und diese zu studieren. Foto: Anne Reinker

Mit einer gewöhnlichen Hausmaus fing es an, heute finden die verschiedensten Tierarten – im Größenvergleich von der Kaulquappe bis zum Chamäleon – an der Loburg ihr Zuhause. Zebrafinken, mehrere Arten von Kröten und Fischen tummeln sich in den Volieren, Terrarien und Aquarien. Im Rahmen des naturwissenschaftlichen Unterrichts wird der Schulzoo hinzugezogen.

Die Einrichtung und ihre Schülerinnen und Schüler unterstützen mit den verschiedenen Tiergattungen sogar die Forschung und tragen damit ganz praktisch zum Artenbestand bei.

Lehrer Dr. Thorsten Pickel ist maßgeblich für den Aufbau des Zoos verantwortlich und beteiligt sich mit drei bedrohten Arten an den Erhaltungszuchtbemühungen von „Citizen Conservation“. Diese Gemeinschaftsinitiative wurde von Zoos, Tierhaltern und Medienprofis gegründet, um der bedrohlichen Beschleunigung des Artensterbens entgegenzuwirken, indem der Tiernachwuchs vermittelt wird und die Ergebnisse der Forschung ausgetauscht werden. Die Loburg beteiligt sich mit den Knochenkopfkröten, den Pàtzcuaro-Querzahnmolchen und den sogenannten Mallorca-Geburtshelferkröten daran.

„Wir haben hier richtig gute Zuchterfolge und teilen die Erkenntnisse wie auch die Tiere mit anderen Einrichtungen“, erklärte Dr. Thorsten Pickel. Ein Beispiel dafür sind Mallorca-Geburtshelfer-Kröten, die am Gymnasium eine „Arterhaltung zum Anfassen“ ermöglichen. Sie kommen in der „freien Wildbahn“ nur auf der Baleareninsel vor und bekamen ihre Bezeichnung, weil die Männchen die Laichschnüre von den Weibchen übernehmen und zu Wasser tragen. „Das ist natürlich für die Schüler sehr spannend zu beobachten“, bemerkte der Lehrer. Die recht kleinen Tiere sollen nur knapp dem Aussterben entronnen sein und tragen jetzt an der Loburg ganz praxisnah den Artenschutzgedanken in den Lehrplan. „Sie gehören zu den seltensten Amphibien Europas“, berichtete der studierte Verhaltensbiologe, der am Gymnasium Biologie und Chemie unterrichtet.

Zu beobachten ist in den Terrarien des Zoos auch ein kleiner Teil der Nahrungskette. Denn das Chamäleon etwa wird mit Heuschrecken gefüttert. Auch das gehört dazu.

Die evolutionär interessanten und auch für den Unterricht didaktisch wertvollen Malawi-Buntbarsche werden ebenso wie die weiteren Tiere gepflegt und begleitet. Insgesamt unterliegt der Artenbestand des Zoos einem ständigen Wandel. Die Tiere werden mit anderen Einrichtungen und Institutionen getauscht, sie müssen zum Teil gekauft werden oder kommen mehr oder weniger durch Zufall in den Schulzoo. Ein Wellensittich etwa suchte ein neues Zuhause und fand dies mit einem Artgenossen bei den Zebrafinken. Auch sie gehören jetzt zum lebendigen „Unterrichtsmaterial“.

Den Schulzoo gibt es, seitdem Pickel an der Schule unterrichtet. Dank einer großzügigen Spende eines Lengericher Unternehmens konnte er 2016 umfangreich erweitert werden, so dass heute eine bunte Tiervielfalt zu studieren ist. „Da war es naheliegend, das Ganze in den Unterricht einzubeziehen“, sagte der Fachmann. Eine Forscher- wie auch eine Zoo-AG wurden gegründet, für die es eine besonders große Nachfrage seitens der Kinder und Jugendlichen gibt. Zugänglich ist der Zoo allen Jahrgängen des Gymnasiums.

Den Schülerinnen und Schülern ist es möglich, Tierpatenschaften zu übernehmen, sie geben dafür einen kleinen finanziellen Beitrag. Sie dürfen den Tieren Namen geben und können so noch einen intensiveren Zugang zu den Lebewesen bekommen.

„Forschen finde ich cool“, erklärte die zehnjährige Mia Uschakow-Labbi, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, die gerne im Schulzoo auf Entdeckungsreise geht. „Es macht Spaß, die Tiere zu beobachten“, meinte auch Femke Stolle. Beide Mädchen finden vor allem das Experimentieren toll.

Das dieses natürlich eingeschränkt stattfindet, erläuterte Dr. Thorsten Pickel. „Es finden keine Experimente direkt am Tier statt“, betonte er. Vielmehr lernen die Kinder die Bedürfnisse und Pflege kennen. Zudem werden Verhaltensstudien angelegt. Beispielsweise wurde untersucht, welche Möglichkeiten die Schnappschildkröte hat, Farbunterschiede zu erkennen. Dass dies alles unter strengen Artenschutzbedingungen geschieht, steht für den Lehrer nicht nur außer Frage, sondern ist selbstverständlich. „Wir wollen keinen Stress für die Tiere“, erklärte er. Im Gegenteil, die Tiere selbst nehmen mit großem Interesse und großer Neugier teil, führte der Naturwissenschaftler aus.

Ein weiterer Aspekt der Arbeit mit den Lebewesen ist, dass die Kinder lernen, dass der Besitz eines Tieres eine entsprechende Sachkunde und Verantwortung voraussetzt. Dann aber kann der Biologe durchaus dazu raten, beispielsweise einer Bartagame oder einem Amerikanischen Laubfrosch ein Zuhause zu geben.

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