1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ostbevern
  6. >
  7. Für einen LKW voller Kartoffeln

  8. >

BSV startet mit Winterwanderung ins Jubiläumsjahr

Für einen LKW voller Kartoffeln

Ostbevern

Mit einem abwechslungsreichen Auftakt startete nun der „Ballsportverein Ostbevern 1923 e.V.“ offiziell in sein Jubiläumsjahr. Das Festprogramm, dass sich mit etlichen Aktivitäten über das ganze Jubiläumsjahr hinweg erstrecken wird, begann am Neujahrssonntag mit einer Winterwanderung.

Zum Auftakt in das Jubiläumsjahr hatte der BSV zu einer Winterwanderung zu alten Sportstätten eingeladen. Foto: Anne Reinker

Mit einem abwechslungsreichen Auftakt startete nun der „Ballsportverein Ostbevern 1923 e.V.“ ganz offiziell in sein Jubiläumsjahr. Das Festprogramm, das sich mit etlichen Aktivitäten über das ganze Jubiläumsjahr hinweg erstrecken wird, begann am Neujahrssonntag mit einer Winterwanderung. Diese organisierten die BSV-Abteilungen Lauftreff und Sportabzeichen.

Etwa 80 Teilnehmer, und damit mehr als die Veranstalter zuvor gehofft hatten, kamen im Garten der Familie Westhues am „alten Tennisplatz“ zusammen. Dort startete die Wanderung, bei der frühere und heutige Sportstätten besucht wurden. Beendet wurde die Aktion in der dritten Halbzeit des Beverstadions. Peter Müller hieß als BSV-Vorsitzender die Besucher willkommen und dankte nicht nur dem Ehepaar Westhues für die Bereitstellung des Treffpunktes, sondern auch Marianne Pottebaum für die fachkundige Leitung der Tour. Basierend auf den Recherchen von Peter Müller führte sie die Teilnehmer von Stopp zu Stopp.

Der Weg „Zum Alten Tennisplatz“, ein kurzer Abzweig vom Grevener Damm, führte vor knapp 100 Jahren nicht etwa – wie man vermuten könnte – zu einer Tennisanlage, sondern zu einem Fußballplatz, wie Marianne Pottebaum erklärte. Es war eine Fläche des Droste zu Vischering. Genau ein Jahr nach Vereinsgründung, und zwar am 1. Mai 1924, wurde das Grundstück als erster offizieller Fußballplatz eröffnet.

Ohne Schuhe oder mit Landschuhen gespielt

Vorher kickte man auf Wiesen in den Bauernschaften. „Der Platz wurde mit viel Eigenarbeit und Eigenkapital bespielbar gemacht“, sagte Pottebaum. „Allerdings hatten die Tore keine Netze, später war es Drahtgeflecht.“ Man habe zudem anfangs ohne Schuhe oder mit Landschuhen gespielt. „Der Lederball musste zwischendrin oft geflickt werden“, so die Rednerin. Oft habe er Beulen gehabt und war nicht ganz rund. Dies sei trotzdem kein Grund gewesen, vom Fußball auf Rugby zu wechseln, meinte sie zur Belustigung der Zuhörer.

Mit der Anmeldung des BSV (damals noch SC Ostbevern 23 genannt) im DJK-Sportverband wurden auch Meisterschaften ausgetragen. Problematisch wurde es für die Kicker bei Auswärtsspielen. Man reiste mit dem Fahrrad an oder mit der Bahn, später mit dem Lkw vom Kohlen- und Kartoffelhändler Bernhard Keuper, wie Peter Müller bei seinen Recherchen erfuhr. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die Sportfans, die Anlage am „alten Tennisplatz“ wieder in Ordnung zu bringen. Damals wurde auch der Sportverein wieder zu Leben erweckt und bekam seinen heutigen Namen.

0:13-Klatsche gegen die Knappen

Legendär ist das Fußballspiel, das am 24. Juli 1946 auf dem Platz stattfand. Eine kombinierte Mannschaft mit Spielern aus Ostbevern und Westbevern trat gegen „die ruhmreichen Königsblauen aus Gelsenkirchen“ an, so Marianne Pottebaum. Gegen den Verein Schalke 04 verloren die „Provinzkicker“ mit einem deutlichen 0:13, hatte Peter Müller bei seinen Vorbereitungen erfahren. „Gar nicht mal so schlecht“, wie ein Zuhörer kommentierte. Die Schalker, die schon mehrfach deutscher Meister waren, trugen zu diesen Zeiten sogenannte „Kartoffelspiele“ aus.

Die Lebensmittelknappheit im Ruhrgebiet war groß. So spielte das Team für Naturalien, denn für Geld konnte man damals noch keine Lebensmittel kaufen, so die Rechercheergebnisse von Peter Müller. Die Schalker bekamen ein warmes Abendessen und reisten mit einem Lkw voller Kartoffeln wieder zurück. Bevor sie heimfuhren, plünderten sie noch den kleinen Lebensmittelladen von Josef Wemmer in Brock, der auch als Schalke-Fan den Kontakt für das Turnier hergestellt hatte.

Der BSV-Vorstand indes war selber zufrieden: „Durch die vielen Besucher nahm der Verein mehr als 4000 Reichsmark ein“, berichtete Marianne Pottebaum. Ein Jahr später, 1947, wurde der Fußballplatz aufgegeben, weil er den Anforderungen nicht mehr entsprach. Man wechselte auf die sogenannte „Droste-Kampfbahn“. Der Fußballplatz indes wurde zu einem Tennisplatz umgearbeitet.

Startseite