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Werner Welp feiert seinen 90. Geburtstag

Geschenke gab es früher nicht

Ostbevern

Geschenke habe es in seiner Kindheit nicht gegeben, erinnert sich der Ostbeverner Werner Welp. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag – und hofft darauf, dass ein großes Fest bald nachgeholt werden kann.

Anne Reinker

Kann heute seinen 90. Geburtstag feiern: Werner Welp. Foto: Anne Reinker

Wenn jemand in der Bevergemeinde über einen ausgeprägten grünen Daumen verfügt, dann ist das wohl Werner Welp. Der Gärtnermeister, der vor über einem Jahr den Diamantenen Meisterbrief entgegennehmen konnte, kann am heutigen Dienstag etwas ganz Besonderes feiern: seinen 90. Geburtstag.

Geboren wurde Werner Welp am 23. März 1931 in der Bauerschaft Lehmbrock. Seine Eltern betrieben einen kleinen landwirtschaftlichen Hof, auch die Großeltern wohnten mit im Haus. Gemeinsam mit drei Schwestern und einem Bruder wuchs der heutige Jubilar auf. Darf sich Welp am heutigen Tage sicherlich über das eine oder andere Präsent freuen, gab es solche Extras in seiner Kindheit kaum. „Es gab früher keine Geschenke zum Geburtstag“, erinnert sich der Senior. „Es war ja Kriegszeit.“

Mit 14 Jahren in die Lehre

Mehr aus praktischen Gründen begann er, gerade erst 14 Jahre alt geworden, Anfang April 1945 seine Lehre in der Schlossgärtnerei der Loburg. Sein Lehrmeister war Heinrich Preckel. Dort stand die Kultivierung von Obst und Gemüse im Vordergrund. Vor allem aufgrund der Entbehrungen in den Nachkriegsjahren war dies eine bedeutungsvolle und wichtige Arbeit. Nach der Ausbildung und einer zweijährigen Arbeit auf dem elterlichen Hof wechselte Werner Welp zum Gärtnereibetrieb Heinrich Kortwinkel, im Februar 1959 legte er seine Meisterprüfung ab.

Schon im darauffolgenden Jahr übernahm er das Unternehmen, mit dem der Fachmann nicht nur Zier-, Gemüse- und die damals typischen Tabakpflanzen vertrieb, sondern auch Dienstleistungen anbot. Im gleichen Jahr heiratete Werner Welp Toni Gerding aus Schwege, mit der er fortan im Haus an der Erbdrostenstraße lebte. Die Ehe blieb kinderlos, doch mit den Neffen – Reinhard Görtzen wohnt mit seiner Familie direkt nebenan – kam die nächste Generation in das Haus. Im Jahr 2000 verstarb Toni Welp.

Bunter Strauß an Aufgaben

Die Pflege der Gräber und Anlagen auf dem örtlichen Friedhof fiel in den Aufgabenbereich des Gärtnermeisters. Diese Verantwortung teilte er sich im monatlichen Wechsel mit der Gärtnerei Preckel. Ebenso gehörten das Binden von Kränzen, die Vorbereitungen von Beerdigungen sowie Gartenpflege und das Blumengeschäft zu seinem Arbeitspensum. Der grüne Daumen trieb Werner Welp an, so dass 1975 noch ein Gewächshaus gebaut wurde, in dem dann auch Beet- und Balkonpflanzen kultiviert werden konnten. Den Betrieb übergab er 1996 an Reinhard Görtzen. Bis vor einigen Jahren unterstützte Werner Welp noch die Arbeit auf dem Friedhof.

Nicht nur als Gärtner kennt man ihn in der Bevergemeinde, denn Welp war bis 1991 auch in der hiesigen Feuerwehr aktiv. Mitgliedschaften bei den Schützenvereinen Ambrosius wie auch den Loburgern sind für das Ostbeverner Urgestein eine Selbstverständlichkeit.

Doppelkopf-Runden müssen wegen Corona ausfallen

Heute ist das Leben etwas ruhiger für Werner Welp. Fast jede Woche traf er sich mit einigen Nachbarn zum Doppelkopfspielen. „Jetzt sind wir leider in der Zwangspause“, bedauert er, dass aufgrund der Corona-Pandemie diese Treffen nicht stattfinden können.

Die Tage startet er nicht nur mit dem Frühstück, sondern auch mit der ausgiebigen Lektüre der Westfälischen Nachrichten. „Ich gucke die ganze Zeitung durch“, erzählt Welp.

Gerne hätte der Jubilar am heutigen Dienstag seinen Ehrentag in großer Runde mit Nachbarn, Freunden und Familie begangen, doch das ist aufgrund der Umstände nicht möglich. Trotzdem wünscht er sich, die Feier bald nachholen zu können.

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