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Höchstspannungsfreileitungen 

Im Sog der Energiewende: Leitungen führen auch durch Ostbevern und Telgte

Ostbevern/Telgte

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion plant den Bau und Betrieb einer rund 70 Kilometer langen neuen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung zwischen den bestehenden Umspannanlagen in Westerkappeln (Kreis Steinfurt) sowie Gersteinwerk (Kreis Unna). Auch die Gemeinde Ostbevern, wie die Stadt Telgte werden von der Trasse betroffen sein.

Landwirte aus Telgte und Ostbevern ließen sich den Verlauf der Höchstspannungsleitung erklären. Foto: Amprion GmbH/Daniel Schumann/Bernd Pohlkamp (3)

Die Energiewende erfasst immer mehr die ländliche Region – auch Ostbevern und Telgte. Davon konnten sich viele Landwirte und Bürger am Mittwochnachmittag in der Gaststätte Mersbäumer überzeugen. Denn auf deren Gebiet führt in elf Jahren neben der Erdkabeltrasse (WN berichteten) möglicherweise auch eine 380-kV-Höchstspannungs-Freileitung mit einer Höhe zwischen 40 und 70 Metern her. Diese soll bis spätestens 2033 zwischen den bestehenden Umspannwerken in Westerkappeln sowie Gersteinwerk (Werne/Lippe) im Kreis Unna installiert werden. Einige Masten der Höchstspannungsleitung werden dann auch auf landwirtschaftlich genutzte Flächen in Ostbevern und Telgte stehen. Der Suchraum für den Trassenkorridor ist etwa 70 Kilometer lang und rund 30 Kilometer breit. Betroffene Landeigentümer können mitreden und sich ins Verfahren einbringen. „Uns ist es wichtig, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, ihnen zuzuhören, ihre Hinweise und Anmerkungen kennenzulernen und sie so am Gemeinschaftsprojekt Energiewende zu beteiligen“, so Projektsprecher Michael Weber.

Anschauliche Einblicke

Insbesondere die betroffene Landbevölkerung nutzte am Mittwochnachmittag die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Was, wie, wann und wo diese Stromleitung geplant ist, erfuhren die zahlreichen Interessenten auf diesem Bürgerinfomarkt auf den vielen Schautafeln. Zu Genehmigungsverfahren, Korridornetz, Leitungsbau und Immissionsschutz gab es ebenfalls einen Einblick. Natürlich stand die Frage im Raum: „Wie stark bin ich in Ostbevern oder Telgte betroffen?“

Frank Gisder, Amprion

Der Neubau soll erreichen, dass die Übertragungskapazitäten innerhalb Nordrhein-Westfalens erhöht werden. So kann mit dieser neuen Leitung zum Beispiel die Windenergie aus der Nordsee weiter Richtung Süden transportiert werden. Das Vorhaben wurde 2021 in den Netzentwicklungsplan aufgenommen und ist seit Juli 2022 gesetzlich als Vorhaben Nr. 89 im Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) verankert.

Amprion ist als zuständiger Übertragungsnetzbetreiber mit dem Auftrag betraut, dieses Netzausbauprojekt zu planen, umzusetzen und die Leitung anschließend zu betreiben. Bedarf und Notwendigkeit erklärt Amprion so: „Der Weg hin zu einem klimaverträglichen Energiesystem führt zu neuen Anforderungen an das Stromnetz: Die Veränderungen in der Erzeugungslandschaft durch den Ausbau der erneuerbaren Energien machen es erforderlich, das Übertragungsnetz anzupassen, damit der Strom weiterhin dorthin transportiert werden kann, wo er benötigt wird, insbesondere in den Westen und Süden Deutschlands.“

Übertragungskapazität erhöhen

Das Vorhaben Westerkappeln/Gersteinwerk greift diesen neuen Transportbedarf auf und soll dazu beitragen, die Übertragungskapazität entsprechend zu erhöhen. Immer wieder war von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Amprion zu hören, dass der Netzausbau bürgerfreundlich und landschaftsverträglich umgesetzt werden soll. Das bedeutet laut Unternehmen, es wird geprüft, welche Auswirkungen das Projekt auf Fauna, Flora und die Menschen hat.

Fertigstellung soll 2033 erfolgen

In zwei Jahren soll zunächst der Antrag auf ein Raumordnungsverfahren für einen Vorzugskorridor gestellt werden, bevor es 2026 in das Planfeststellungsverfahren für die endgültige Stromtrasse gegen soll. Frank Gisder als Projektleiter des Genehmigungsverfahrens nannte als Baubeginn das Jahr 2029. Eine Fertigstellung der Freileitung ist auf das Jahr 2033 terminiert. Warum dieses Stromnetz als Freileitung errichtet wird, begründete Frank Gisder: „Der Gesetzesgeber weist im Bundesbedarfsplangesetz ausgewählte Höchstspannungsleitungen im Wechselstrom als Pilotvorhaben aus. Hier besteht dann die Möglichkeit zur Prüfung einer Teilerdverkabelung. Das Projekt Westerkappeln-Gersteinwerk ist kein Pilotvorhaben im Sinne dieses Gesetzes. Daher planen wir eine Freileitung.“

„Die Mastarten“, so Frank Gisder, „werden je nach Erforderlichkeit festgelegt.“ Durchschnittlich werden die Masten rund 40 Meter aus der Landschaft ragen, in bewaldeten Bereichen mit entsprechend hohem Baumbestand können diese jedoch auch noch deutlich höher ausfallen. In jedem Fall gilt jedoch, dass Abstandsgrenzen von 400 Metern zur Wohnbebauung oder zu sensiblen Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser eingehalten würden. Im Außenbereich gelte ein Abstand von 200 Metern. Die Spannfelder zwischen den einzelnen Masten werden zwischen 350 und 400 Metern lang werden.

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