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Buch über Plattdeutsch im Münsterland

Kövener schreibt eigenen Beitrag

Ostbevern

Schon lange wird der Niedergang des Plattdeutschen beschworen. Doch es ist (noch) nicht so gekommen. Aber warum? Das neue Buch „Wat, de kann Platt?“ setzt sich mit dieser Frage auseinander. Der Ostbeverner Hermann Kövener hat dazu eine Geschichte beigesteuert.

Von Marion Fenner

Die Laienspielschar Ostbevern, die hofft, im kommenden Jahr wieder ein Stück auf die Bühne zu bringen, wird in dem Buch „ Foto: Anne Reinker

Seit Jahrzehnten wird der Niedergang des Plattdeutschen in Nordwestdeutschland beschworen. Und doch ist die regionale Mundart immer noch nicht tot. Allerdings gehören ihre aktiven Sprecherinnen und Sprecher zumeist der Generation 50+ an. Doch woran liegt das eigentlich? Dieser spannenden Frage geht das neue Buch „Wat, de kann Platt?“ nach, das jüngst auf den Markt gekommen ist, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisheimatbundes Steinfurt.

Der reich illustrierte und ansprechend gestaltete Band versammelt gut 90 Autoren aus dem Osnabrücker und dem Münsterland, die ihre Erfahrungen mit der niederdeutschen Sprache zum Ausdruck bringen. Dazu gehört auch der Ostbeverner Hermann Kövener, der in dem Buch eine von ihm selbst geschriebene Geschichte beigesteuert hat. Darin geht es um einem Mann, der bei einem Unfall sein Bein verloren hat und damit auch seinen Job als Betonmischerfahrer. Er findet eine neue Beschäftigung als Jagdaufseher – bei dem eine Prothese überraschenderweise sehr hilfreich sein kann. „Die Geschichte ist frei erfunden“, sagt Kövener, der auch bei der plattdeutschen Laienspielschar aktiv ist. Die plattdeutsche Sprache liegt Kövener besonders am Herzen. Zu seinen Hobbys gehört es auch, bekannte Liedtexte ins Plattdeutsche zu übersetzen. Ob Songs von den Beach Boys, Countrymusik oder das von Doris Day gesungenen Lied „Que Sera, Sera“ aus dem Film „Der Mann, der zu viel wusste“ – Kövener findet immer den passenden plattdeutschen Text. In dem Buch findet sich auch ein Bild von der Laienspielschar, die laut Kövener nun auch wieder mit den Vorbereitungen für ihr neues Stück beginnen will.

Vertreten sind in dem Buch laut Mitteilung des Kreisheimatbundes außerdem bekannte Größen der überregionalen Plattdeutsch-Szene wie Otto Pötter aus Rheine, Dr. Klaus-Werner Kahl und Rudolf Averbeck aus Hörstel-Riesenbeck, Ludger Plugge aus Emsdetten, Georg Bühren, Richard Schmieding und Gerhard Schneider (Abendgesellschaft Zoologischer Garten) aus Münster, Hans-Peter Boer aus Nottuln oder Franz Buitmann aus Bersenbrück. Dabei sind zudem Anne Fink, Leiterin des Forums für Niederdeutsche Sprachpflege im Westfälischen Heimatbund, Rolf Nettelbrock und Günter Neuer von der niederdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins Drensteinfurt oder Marion Pumpe und Barbara Untied von der Theatergruppe „Dröget Schnüffelken“ aus Sendenhorst.

Aber auch Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen – von der gestandenen Bäuerin bis zur langjährigen Pflegekraft in der Demenzbetreuung, vom weit gereisten Flugkapitän bis zum erfolgreichen Unternehmer, denen man nicht unbedingt ansieht oder zutrauen würde, dass sie Plattdeutsch sprechen, schreiben oder verstehen – berichten über ihre persönliche Beziehung zu dieser Sprache.

So hat etwa Dr. Bernard Krone, Senior-Chef der Bernard Krone Holding SE & Co. KG in Spelle, einen Beitrag über die hilfreiche Funktion von Plattdeutsch in der Landmaschinenbranche verfasst. Daher erklärt sich auch die Frage im Titel des Sammelbandes: „Wat, de kann Platt?“. Neben persönlichen Erinnerungen und Erlebnissen kommt zudem die fachliche Seite unter anderem mit den Professoren Hermann Niebaum (Osnabrück) und Ludger Kremer (Westmünsterland) sowie Dr. Markus Denkler (Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens) zu Wort. Die humorvollen, aber auch nachdenklichen Beiträge, die sowohl in Hoch- und Niederdeutsch geschrieben sind, werden durch plattdeutsche Lieder, Dönekes und Gedichte ergänzt.

Das Werk richtet sich somit sowohl an urig Plattdeutschsprechende als auch an Leserinnen und Leser, die in der Sprache nicht so sehr beheimatet, dennoch an ihr interessiert sind, versichert der Kreisheimatbund Steinfurt. Und das Buch weist noch eine weitere Besonderheit auf: Viele Beiträge sind mit einem sogenannten QR-Code verknüpft, der zu längeren und kürzeren Video-Interviews im Internet führt. Hier kann man sich etwa staunend davon überzeugen, wie gut der in Waterloo (Iowa/USA) geborene und aufgewachsene Alan Harms das Plattdeutsche beherrscht und wie es eigentlich dazu kommt, dass ein Amerikaner Niederdeutsch spricht.

Das Buch „Wat, de kann Platt? Selbstzeugnisse, Geschichten und Gedichte aus dem Münsterland und dem Osnabrücker Land“, herausgegeben von Helmut Lensing, Bernd Robben und Christof Spannhoff, Meppen 2021, 384 S., ISBN 978-3-9821831-4-5, kann für 24,90 Euro im Buchhandel, im Internet oder unter kontakt@emslandgeschichte.de bezogen werden.

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