38 Kirchenaustritte in Ostbevern in 2020

Lebendige Gemeinde bleiben

Ostbevern

38 Menschen sind in diesem Jahr in Ostbevern bereits aus der Kirche ausgetreten. Ein Grund könnte der Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln sein. Doch trotz sinkender Mitgliederzahlen will Pfarrer Marco Klein seine Gemeinde lebendig halten.

Von Daniela Allendorf

In Ostbevern sind in diesem Jahr bereits 25 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Pfarrer Marco Klein will die Gemeinde trotz sinkender Zahlen lebendig halten. Foto: Daniela Allendorf

„Köln ist ja doch sehr nah“, sagt Pfarrer Marco Klein beim Blick auf die Zahl der Kirchenaustritte in der Bevergemeinde. Die sind nämlich – entsprechend dem allgemeinen Trend – höher als noch in den vergangenen Jahren. So sind 2020 insgesamt 38 Menschen aus der Gemeinde St. Ambrosius ausgetreten, was 0,6 Prozent der Gemeindemitglieder ausmacht. In diesem Jahr verzeichnete das Pfarrbüro alleine bis Mai bereits 25 Austritte.

Hintergrund für die Austritte in Ostbevern könnte unter anderem der Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln sein, so die Vermutung der Verantwortlichen. Natürlich sei es gut und richtig, die Geschehnisse aufzuarbeiten, sagt Klein. „Aber es kann doch nicht sein, dass die Missbrauchsopfer nach zehn Jahren zum ersten Mal sagen ‚Heute hatten wir das Gefühl, dass uns endlich zugehört wurde.‘“. Das mache ihn einfach sehr traurig und „da ist noch ganz viel Luft nach oben“, ist er überzeugt.

Speziell für seine Gemeinde ist Marco Klein klar: „Wir müssen im Gespräch bleiben.“ Das werde nicht nur bei der schon im vergangenen Jahr anberaumten Klausurtagung von Kirchenvorstand und Pfarreirat passieren. Die Kirche trotz sinkender Mitgliederzahlen lebendig halten – das ist sein Ziel. „Es ist um Jeden schade der geht“, sagt er. Aber diejenigen, die sich zu diesem Schritt entschließen, würden damit die Chance vertun, vor Ort Kirche anders zu gestalten.

„Achtsam sein.“ Ein Begriff, der im Gespräch immer wieder fällt und bei dem Marco Klein anzumerken ist, wie ihn alles bewegt. „Wir wollen die jungen Menschen ernst nehmen“, sagt der Geistliche. Das bleibe eine fortlaufende Herausforderung. Denn gerade Prävention sei immens wichtig, und man müsse immer wieder aufs Neue die Situation bewerten, um dann entsprechend zu handeln. „Wir dürfen uns nicht auf dem ausruhen, was bisher erreicht wurde“, so Klein und weiter: „Ich habe selbst Beispiele erlebt.“ So habe es an einer Bistumsschule ein sehr gutes Präventionskonzept gegeben. Ein dort angestellter Lehrer sei dort nicht auffällig gewesen, im Sportverein hingegen habe er dann eine entsprechende Tat begangen.

„Wir müssen den Kindern einen sicheren Raum bieten und immer wieder neu sensibel sein.“ Das gelte für die gesamte Gesellschaft, sagt er mit Blick auf den Missbrauchsskandal von Münster, bei dem nicht einmal die eigene Mutter ihr Kind schützte. Da brauche es Aufmerksamkeit wie Achtsamkeit des gesamten Umfeldes – Erzieher, Lehrer, Nachbarn, Freunde. „Wir müssen aufmerksam sein und so schützen.“

Klein ist überzeugt, dass das nur gelinge, wenn man die Hürden im System immer weiter nach oben schraube. Die Täter würden sich einschleichen, ihre Taten über Jahre vorbereiten – dafür dürfe es einfach keine Gelegenheit geben. Achtsam sein – wieder fällt dieses Wort. Der Vorsprung den Tätern gegenüber, der bisher erarbeitet worden sei, sei gut. Trotzdem müsse man immer wieder neu sensibel sein. „Ich lerne in diesem Zusammenhang immer wieder neu dazu“, sagt Klein, der seine Gemeinde gut aufgestellt sieht. Immer wieder würden etwa Präventionsschulungen stattfinden – in letzter Zeit in dem wegen Corona zulässigen Maß.

Schlussendlich könne er jedoch, sofern sich Betroffene an ihn wenden, nur Angebote machen und weiterverweisen. „Da sind meine Mittel leider auch ein Stück weit begrenzt. Aber, ich weiß wen ich ansprechen muss, um Hilfe zu ermöglichen.“

Eine weitere „Baustelle“ die der Pfarrer – immer in Kooperation mit dem Pfarreirat und dem Kirchenvorstand – in den Blick nehmen will, ist die Integration der „Neu-Ostbeverner“. Es gebe so viele neue, junge Familien auf die man offen zugehen wolle.

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