1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ostbevern
  6. >
  7. Leuchtturm für die Energiewende

  8. >

Grüne formulieren Antrag zur Solarwende

Leuchtturm für die Energiewende

Ostbevern

Nicht kleckern, sondern klotzen – das wollend die Ostbeverner Grünen in puncto Energiewende. Damit es in der Bevergemeinde weiter voran geht, hat die Fraktion jetzt einen weitreichenden Antrag mit dem Titel „Solarwende Ostbevern 2030“ gestellt und wollen damit ein Leuchtturmprojekt schaffen.

Von Daniela Allendorf

Ein Leutturmprojekt in Sachen Klimaschutz muss her – da sind sich die Politiker in der Gemeinde einig. Jetzt haben die Mitglieder der Fraktion der Grünen konkrete Anträge dazu formuliert. Foto: Andreas Große Hüttmann

„Eine inhaltliche Begründung von Klimaschutzmaßnahmen im Allgemeinen erübrigt sich an dieser Stelle wohl. Die jüngsten Starkregenereignisse mit den bekannten katastrophalen Folgen und dem Verlust von zahlreichen Menschenleben zeigen, dass konsequentes Handeln im Klimaschutz das absolute Gebot der Stunde ist“, heißt es in einem Antrag, den die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen jetzt für die Sitzung des nächsten Umwelt- und Planungsausschusses am 31. August, wie zur Sitzung des Gemeinderats am 2. September formuliert haben. Unter dem Titel „Solarwende Ostbevern 2030“ haben die Mitglieder der Grünen ganz konkrete Ideen, Forderungen und Maßnahmen entwickelt. 

Sie sind überdies überzeugt, dass die Umweltkatastrophen der letzten Zeit weltweit, aber mittlerweile auch vermehrt bei uns, nahezu alle Bürger zu der Erkenntnis geführt hätten, dass sich in der Umweltpolitik etwas ändern muss. „Und zwar grundlegend jetzt sofort“, so die Grünen. In einer Pressemitteilung schreiben sie weiter: „Bisherige umweltpolitische Maßnahmen, die zum Beispiel der Gemeinde Ostbevern zahlreiche Ehrungen eingebracht haben, reichen nicht mehr aus. Wir brauchen ein ,Leuchtturmprojekt‘, an dem viele Bürger beteiligt sind“, fordern die Politiker nun ein noch deutlich weiterreichendes Engagement aus allen Teilen der Bevölkerung. In die gleiche Richtung ging bereits vor einigen Wochen ein Vorstoß, als es bei den Beratungen über die Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts der Gemeinde im Rahmen der Vorstellung durch das Planungsbüro „Energielenker“ ging. Mehrfach wurde die Forderung nach konkreteren Klimaschutzmaßnahmen und einem „Leuchtturmprojekt“ laut (WN berichteten).

Gerade der regenerativen Stromerzeugung komme dabei eine besonders wichtige Rolle zu. „Da die Erzeugung von Strom durch Windkraft in Ostbevern bald ausgereizt und immer auch mit hohen Konfliktpotenzial beladen ist, erscheint die stärkere Nutzung von Solarenergie zukünftig von entscheidender Bedeutung“, schreiben die Grünen weiter. Darüber hinaus werde der Stromverbrauch in Deutschland – das ist einer jüngst veröffentlichten Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums zu entnehmen – in den nächsten 20 Jahren um zehn bis 15 Prozent ansteigen, unter anderem durch die Zunahme der E-Mobilität und Nutzung von Wärmepumpen. „Wir müssen also die Energiegewinnung nicht nur in ihrer Art verändern, sondern auch steigern.“ Dabei haben die Grünen in Ostbevern ein ganz konkretes Ziel vor Augen. So sollen durch entsprechende Maßnahmen und finanzielle Anreize sämtliche geeigneten Dachflächen der Bevergemeinde mit Photovoltaikanlagen und modernen Speichern bestückt werden. Insbesondere Gewerbetreibende und Privatleute sollen dazu bewogen werden, ihre Dächer umzurüsten, um dann den gewonnenen Strom mit entsprechenden Speicheranlagen selbst zu nutzen. Um den privaten Hausbesitzern diesen Schritt zu erleichtern, soll von der Gemeinde ein Förderprogramm aufgelegt werden, das jede Anlage (Photovoltaik und Speicher) mit 5000 Euro unterstützt. Das wären bei den durchschnittlichen Marktpreisen für diese Anlagen 30 Prozent des Anschaffungswerts. Ähnliches soll für die Gewerbetreibenden gelten.

Diese Forderung ist unter anderem Bestandteil des Antrags der Fraktion. Doch nicht nur Privatleute und Gewerbetreibende haben die Grünen im Fokus. Auch die Gemeinde selbst soll mit großen Schritten vorangehen. So sollen alle Dächer von öffentlichen und im Gemeindeeigentum stehenden Gebäuden – darunter auch die Schulen und Turnhallen – diesbezüglich überprüft und mit Photovoltaikanlagen bestückt werden. Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Anlagen solle ein Stromverbund aller gemeindlichen Gebäude angestrebt werden, um die Möglichkeit des Eigenverbrauchs des Solarstroms zu verbessern, heißt es im Antrag weiter. Die diesbezüglich schon aufgenommenen Gespräche mit den Stadtwerken Münsterland Ost seien an dieser Stelle fortzuführen, so die Fraktion.

In Summe bedeutet das allerdings auch, dass ab dem kommenden Jahr Haushaltsmittel in Höhe von rund 100 000 Euro – so die Schätzung der Grünen – für das Förderprogramm für private Photovoltaikanlagen bereitgestellt werden müssen. „Dieses über mehrere Jahre laufende Programm würde unseren Ort natürlich auch unabhängiger machen von den großen Energiekonzernen“, heißt es in der Begründung der Grünen, die auch eine Erhöhung dieses im Haushalt einzustellenden Förderbetrages für die kommenden Jahre bei entsprechender Nachfrage in Betracht ziehen. Denn der dezentralen Energiegewinnung gehöre die Zukunft. Das würden schon viele Kommunen erfolgreich praktizieren, so die Grünen, die zum Abschluss noch einmal deutlich werden: „Um noch mal auf die aktuellen Krisen und Katastrophen zurückzukommen. Kleckern reicht schon lange nicht mehr, wir müssen klotzen, um eine wirkliche Wende noch zu schaffen. Es geht wenn wir es wollen.“

Startseite