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Geistlicher Impuls von Pfarrer Sacha Sommershof

Lichtblick und Hoffnung in all dem Leid?

Ostbevern/Brock

Pfarrer Sacha Sommershof macht sich in seinem Impuls Gedanken zur aktuellen Situation und zum Karfreitag.

wn

Foto: privat

Wie an fast allen Stellen des öffentlichen Lebens, so liegt auch in Ostbevern und Brock das kirchliche Leben nahezu lahm. Keine öffentlichen Gottesdienste, Gedenkfeiern oder ähnliches. Deswegen wollen die Westfälischen Nachrichten zusammen mit des Teams der Kirchengemeinde St. Ambrosius und der evangelischen Kirchengemeinde die Leser in der von der Corona-Krise bestimmten Zeit einen geistlichen Impuls mit auf den Weg geben und so auch ohne öffentliche Angebote Kirche zu den Menschen bringen. Denn auch auf diesem Wege ist „Gott dir näher als du denkst“:

„Am vergangenen Palmsonntag hat für die Christen die Karwoche begonnen. Mit ihr endet die Passionszeit, die in diesem Jahr vom Leid, vom Alleinsein und dem Ausgeliefertsein geprägt ist. Menschliche Gefühle, in die auch Jesus hineingezogen wurde.

Mit dem Karfreitag erreicht die Passionszeit nun ihren Höhepunkt, für viele Christen ist es der wichtigste Tag im Verlauf eines Jahres, und gleichzeitig ist es auch der Tiefpunkt einer Geschichte, die unmittelbar mit uns Menschen zu tun hat. Der Mensch Jesus wird auf grausamste Art am Kreuz hingerichtet, obwohl er unschuldig ist.

Politische und religiöse Machtinteressen haben dorthin geführt, und eine verführbare Menschenmenge, die Jesus erst feierte und dann lautstark seine Hinrichtung forderte. Einer, der am Ende die Entscheidung fällen muss, macht darauf aufmerksam, dass es um das Schicksal eines Menschen geht. Vielleicht war es Kalkül, vielleicht tatsächliches Mitgefühl, aber inmitten eines unfairen Prozesses führt der römische Statthalter Pontius Pilatus der aufgebrachten Menge vor Augen, dass dort ein Mensch steht, verhöhnt und am Ende seiner Kraft : Ecce homo – Seht ein Mensch!

Man kann der religiösen Aussage des Karfreitages gleichgültig gegenüberstehen, aber vom Leiden des Menschen, das an diesem Tag in besonderer Weise in den Blick gerät, darf man nicht unberührt bleiben. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, das sagt Jesus an anderer Stelle. Der Blick auf sein Leiden ist auch der Blick auf das Leiden bei uns und in der Welt. So wird der Karfreitag ein Tag des Berührtseins und des Mitleidens, ein Tag des stillen Gedenkens und auch des Aufschreis.

Gibt es einen Lichtblick und Hoffnung bei all dem Leiden? Wir Christen erkennen in dem leidenden Jesus am Kreuz und mit ihm in allen Leidenden einen mitfühlenden und mitleidenden Gott. Vielleicht scheint es in diesen Tagen für manche zu wenig zu sein, aber im göttlichen Mitleid leuchtet das Ende menschlichen Leidens auf.

Deswegen feiern wir, wenn auch ganz anderes in diesem Jahr, Ostern als ein Hoffnungsfest, dass unser Mitleid, unser Hinsehen auf unseren Mitmenschen nicht umsonst ist, sondern der Beginn einer anderen Wirklichkeit für unsere Welt.“

Pfarrer Sacha Sommershof

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