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Fünf Jahrzehnte als Schatzmeister des Reit- und Fahrvereins

Mit dem Rentmeister fing alles an

Ostbevern

Rudolf Eschkotte hat 51 Jahre lang als Schatzmeister maßgeblich Verantwortung im Reit- und Fahrverein Ostbevern getragen. Er erinnert sich an viele Begegnungen und Entscheidungen rund um ein faszinierendes Hobby.

Von Bettina Laerbusch

Rudolf Eschkotte hat 51 Jahre lang als Schatzmeister maßgeblich Verantwortung im Reit- und Fahrverein Ostbevern getragen. Die Festschrift, die er gerade zeigt, stammt aus dem Jahr 2000. Sie müsse fortgeschrieben werden, findet er. Foto: Bettina Laerbusch

„Warum hören Sie auf?“ Die Antwort von Rudolf Eschkotte auf diese Frage kommt im Bruchteil einer Sekunde. „Ich bin 80.“ Ruhig sagt er diesen kurzen Satz. Unaufgeregt tut er es. Sachlich – und ganz sicher nicht kokettierend. Eschkotte macht nicht den Eindruck, dass er schon so alt ist. Er war 29, als der damalige Rentmeister der Familie von Beverfoerde, Bernhard Bargert, bei ihm im Büro saß.

Der „Neue“, der mit Pferden zu jenem Zeitpunkt absolut nichts am Hut hatte, hatte gerade die Leitung der Sparkassen-Filiale in Ostbevern übernommen und hörte diese Worte: „Sie wissen doch, dass der Geschäftsstellenleiter der Sparkasse immer der Schatzmeister des Reitervereins wird – ich gehe davon aus, dass Sie das machen“, zitiert Eschkotte, die Situation vor mehr als 50 Jahre klar vor Augen. „Dann stand er auf und ging.“ Er beschreibt diese Begegnung so authentisch, als ob Bernhard Bargert gerade – resolut – mit Raum ist. Dieser Raum ist nicht mehr das Büro von Eschkotte bei der Sparkasse in Ostbevern, sondern sein privates Esszimmer am Grevener Damm.

Im Januar 1970 fand diese Begegnung statt. Um es der Vollständigkeit halber zu sagen: Rudolf Eschkotte wurde Schatzmeister. Natürlich wurde er es. „Der Verein war damals klein“, erzählt er. Mit seinem Ausscheiden vor wenigen Tagen als Schatzmeister nach exakt 51 Jahren geht ganz bestimmt eine Ära im Reit- und Fahrverein Ostbevern zu Ende.

Eschkotte bleibt an diesem Morgen im Esszimmer seines Hauses, in dem er auf Bitte dieser Zeitung fünf Jahrzehnte im Sprint Revue passieren lässt, zunächst noch in den 70er Jahren, sogar in den 60ern. Er erinnert daran, dass 1966 eine neue Reitanlage gebaut worden war. Er erzählt, dass es Ende der 60er Jahre ruhig um den Reitverein geworden war. „Reitsport lag nicht im Trend. Mädchen“, wohl eine Ursache, „waren nur ganz gering involviert.“

Doch das sollte sich schon bald ändern. Gregor Nowag hieß der Geschäftsführer zu jener Zeit. Wer Eschkotte zuhört, merkt schnell, dass diese beiden Männer sich sehr gut verstanden haben müssen. „An ihn denke ich unheimlich gerne zurück, er war menschlich toll, konnte integrieren, hatte Ideen.“ Beispielsweise habe er das Ponyreiten wieder eingeführt. Im Winter, erläutert der langjährige Schatzmeister, hätten die Reiterhöfe die Tiere nicht gebraucht. „Das Ponyreiten im Winter 1970/71 brachte den Verein wieder nach vorne“, erinnert sich Eschkotte. „Ja, er war ein Vorbild“, sagt er auf Nachfrage zu seinem Verhältnis zu Gregor Nowag – bis in den privaten Bereich habe er viele von ihm gelernt.

Der Vorsitzende hieß zu jener Zeit Friedrich von Beverfoerde. Der Verein entwickelte sich rasch. „1973/74 reichten die Ställe nicht mehr aus“, blickt der langjährige Schatzmeister zurück. Heute habe sich das Nutzungsverhalten der Pferdebesitzer verändert, die Reiter wollten eine komplette Versorgung ihrer Pferde. Dazu bedürfe es mehr hauptamtlichen Einsatzes. „Dazu sind wir zu klein.“

Ponyreiten, Turnierreiten, Hobbyreiten, Voltieren – der Reit- und Fahrverein deckte und deckt alle Bereiche ab – und auch Eschkotte kam aufs Pferd, wurde sogar Pferdebesitzer, machte mit Pferd und Familie Urlaub in der Lüneburger Heide.

Und der junge Schatzmeister legte vor, führte die amerikanische Buchführung ein, sorgte dafür, dass der Verein Einnahmen generierte, indem etwa der Turnierkatalog selbst erstellt wurde und somit auch das Geld der Anzeigen in das Säckel der Reiter und nicht eines Verlegers fiel.

Gefragt danach, was er fühlt, heute, wenn er fünf Jahrzehnte überschlägt, wählt Rudolf Eschkotte das Wort „Erfüllung“. Erfüllung sei es für ihn, den Reit- und Fahrverein über all die vielen Jahren wesentlich mitgeprägt zu haben. Er erinnert an die Zusammenarbeit mit Vibo oder an den Bau der neuen Reithalle 1996, der „ein großer, schwieriger finanzieller Akt war“. 2009 dann die „riesige Investition in die alte Reithalle unter Umweltgesichtspunkten“. Die sportlichen Erfolge lässt Eschkotte keineswegs außer Acht: der Gewinn von Kreismeisterschaften, Deutsche und Europameister aus den eigenen Reihen . . .

„Die Vereinsbuchung ist komplizierter als die eines Handwerksbetriebs“, sagt er, als die Rede auf seine Nachfolgerin im Amt kommt: Schatzmeisterin ist jetzt Dorothee Messing. „Sie haben den ideellen Bereich, Mitgliedsbeitrage beispielsweise, den Sportbereich und den Geschäftsbetrieb“, erläutert er kurz die Kompliziertheit.

Ja, er werde beratend zur Seite stehen, antwortet er auf die entsprechende Frage. Und jetzt schmunzelt Rudolf Eschkotte leicht, als er sagt: „Aber da halte ich es wie bei meinen Kindern – nur wenn ich gefragt werde.“

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