Kurse an den Grundschulen

Musik in der Tiefe erleben

Ostbevern

Nach den Grundsätzen der Musikpädagogin Dr. Klára Kokas finden zur Zeit Kurse an der Franz-von-Assisi-Grundschule und an der Ambrosius-Grundschule statt. Katalin Klingler leitet das Angebot und ist selber jedes Mal aufs Neue beeindruckt, wie die Kinder ihren Weg über die Musik zu sich selbst finden.

Daniela Allendorf

Bei „Kokas“ lernen Kinder, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich instinktiv zur Musik auszurücken. So werden verschiedene Schichten der Persönlichkeitsentwicklung angesprochen, Gedanken und Gefühle, psychische Energien und kreative Strebungen freigesetzt. Foto: Attlia Repkeny

Die Augen von Katalin Klingler strahlen glücklich, wenn sie von den Kindern ihrer Kurse spricht. Ihr ist anzumerken, wie beeindruckt sie selbst von der Entwicklung der Kursteilnehmer ist. „Jede Stunde bringt eine Überraschung“, sagt die 40-jährige Tanzpädagogin. Und das meint sie in jedem Falle positiv.

Doch worum geht es? Bereits im vergangenen Jahr konnte das Kinder- und Jugendwerk Ostbevern in Kooperation mit der Offenen Ganztagsschule der Franz-von-Assisi-Grundschule einen Kurs mit dem Titel „Kokas – Kinder orientierte klassische aktive Selbstförderung“ anbieten. Aufgrund der großen Nachfrage konnte diese Projekt jüngst ein zweites Mal in Angriff genommen werden. Dieses Mal ist auch die Ambrosius-Schule mit im Boot.

In den Kursen – sie finden pro Schule in jeweils vier Einheiten statt – geht es um instinktive Bewegungen, die bei Kindern durch das Hören von Musik ausgelöst werden. Dabei werden die Kinder ermutigt und können so, ganz aus sich selbst heraus, die Musik in ihrer Tiefe erleben. Es werden verschiedene Schichten der Persönlichkeitsentwicklung angesprochen, Gedanken und Gefühle, psychische Energien und kreative Strebungen freigesetzt. Das alles erfolgt nach den Grundsätzen der Musikpädagogin Dr. Klára Kokas.

Um diese Kurse durchführen zu können, benötigen Pädagogen eine zweijährige Ausbildung in Ungarn. Ein wichtiges Element bei der Arbeit mit den Kindern ist das Integrieren einzelner Individuen in die Gemeinschaft. „Wir beginnen immer mit einem Kreis, und wir enden immer in einem Kreis“, erklärt Klingler. Dabei ist es ihr wichtig, dass sie nach der vollständigen Kokás-Methodik arbeitet. „Viele sagen‚ Malen zur Musik, das kann ich auch‘“, sagt die 40-jährige. Klar, könne man sich einzelne Aspekte herausgreifen, aber darum gehe es eben nicht nur. Ihr ist wichtig, dass die Kinder aus sich heraus kommen – Fantasie und und Ausdruck fließen. Und zum Großteil komme man dabei ohne verbale Kommunikation aus. Das geschehe meistens wie von selbst. Die Erfahrung zeige, dass es eigentlich bei jedem Kind gelingen würde. Aber „einige brauchen etwas länger, bei anderen geht es ganz schnell. Jedes Kind ist nun einmal anders“, sagt Katalin Klingler, die das Tempo der Entwicklung von jedem selbst bestimmen lässt und jedes Kind so annimmt, wie es ist.

Die Kinder beeindrucken sie dabei immer wieder aufs Neue. „Es ist toll zu sehen, wie sie auch voneinander lernen“, sagt sie und fügt hinzu: „Kinder verarbeiten vieles ganz unbewusst.“ Auch das entwickle sich in den Kursstunden nahezu wie von allein, hat sie immer wieder beobachten können.

Ein Beispiel bringt Attila Repkeny, Leiter des Kinder- und Jugendwerks. Er erzählt von zwei Jungen, die am ersten Kurs im vergangenen Jahr teilgenommen haben. „Die beiden haben sich immer nur gestritten“, sagt er, seien vielfach handgreiflich geworden. Über den Kurs hätten sie gelernt, dass das nicht der richtige Weg sei. „Am Ende sind sie Arm-in-Arm rausgegangen“, ist Katalin Klingler beeindruckt von der Wirkung der Musik.

Finanziert werden die Kurse durch die Bezirksregierung Münster. „Es ist toll, dass so etwas in Zeiten, in denen fast nichts geht, ermöglicht wird“, sagt Attila Repkeny. Denn die Fördergelder sind über die Förderung von außerschulischen Bildungsangeboten in Coronazeiten zur Reduzierung pandemiebedingter Benachteiligungen bereitgestellt worden. „Es ist gut, dass es solche Angebote gibt“, sagt Repkeny, denn viele Schüler würden aktuell viel verpassen.

Startseite