Eichendorffsiedlung

„Rennstrecke muss entschärft werden“

Ostbevern

70 Stundenkilometer sind entlang der Eichendorffsiedlung auf dem Lengericher Damm zulässig. Gefahren wird in der Realität meistens jedoch deutlich schneller, so die Einschätzung der Anwohner. Dabei kommt es häufig zu brenzligen Situationen. Das soll sich nun ändern.

Daniela Allendorf

Rennstrecke ortsauswärts? Nach dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße folgt Foto: Daniela Allendorf

Hendrik Große Hokamp zeigt entlang des Lengericher Damms: „Wenn dort an den Glascontainern ein Auto steht, kann man genau beobachten, wie die Fahrzeuge plötzlich abbremsen.“ Das Problem – nämlich dass im Bereich der Eichendorffsiedlung auf der K 10 vielfach zu schnell gefahren wird – lässt sich damit nicht lösen. Aber gerade das, und das zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch, wollen die Anwohner – lösungsorientierte Gespräche.

Doch von vorne: Die Eichendorffsiedlung ist eine Siedlung in Ostbeverns Ortsrandlage. Geschichtlich gewachsen, sind inzwischen zahlreiche junge Familien mit Kindern aller Altersstufen dort ansässig. Bereits 2015 habe es erste Bestrebungen hinsichtlich einer Temporeduzierung auf dem Lengericher Damm gegeben. „Seinerzeit wurde uns mitgeteilt, dass der Verkehr abfließen müsse“, sagt Hendrik Große Hokamp. Doch das könne auch mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer erfolgen, sind sich Große Hokamp, René Teuber und Nina Peters – alle drei arbeiten zusammen im neu gegründeten Verein „Initiative Eichendorffsiedlung“ – einig.

Zwei schwere Unfälle hat es in der letzten Zeit im Bereich der Siedlung gegeben. Immer wieder kommt es zu brenzlichen Situationen und „Beinaheunfällen“, schildern alle drei. Es sei noch gar nicht lange her, dass er eine solche Situation selbst erlebt habe, sagt Große Hokamp. Seine Kinder seien fast von einem Auto erfasst worden, da der Fahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit in den Siedlungsbereich gefahren sei und dabei sein Handy bedient habe. „Der Fahrer verließ die Straße und zog einen Schlenker über den Radweg. Glücklicherweise verfehlte er meine Kinder.“

Diese oder ähnliche Situationen würden sich aufgrund der hohen Geschwindigkeiten leider öfter ergeben. „Es wird eine Frage der Zeit sein, wann es hier zu ernsthaften Personenschäden kommt“, sagt Hendrik Große Hokamp. „Es ist schon ein ungutes Gefühl, wenn man nur abbremst, um in die Siedlung zu fahren“, sagt Nina Peters. Man habe immer Angst, dass von hinten jemand angerast kommen könnte. Trecker und Lkw werden trotz Verbots überholt.

Erschwerend kommt hinzu, dass nach dem Kreisverkehr an der Bahnhofstraße zunächst in einem ersten Bereich des Lengericher Damms 100 Stundenkilometer gefahren werden dürfen. Kurz vor der Siedlung gilt dann Tempo 70, was unmittelbar nach der Siedlung wieder aufgehoben ist. Der Straßenverlauf: schnurgerade. Für viele eine Einladung auf das Gaspedal zu drücken. „Seit 2014 gab es hier keine Geschwindigkeitsmessung mehr“, sagt Große Hokamp. Ein Umstand, der für ihn nicht nachvollziehbar ist.

Und nicht nur für eine Änderung in der Eichendorffsiedlung will man den Anschub geben. „Man sollte mal einen Meter zurücktreten und von außen drauf gucken“, sagt René Teuber, der damit ein Gesamtverkehrskonzept für Ostbevern in den Blick nimmt. Unter der Voraussetzung und das betonen die drei Initiatoren immer wieder: „dass der Kreis Warendorf mitspielt“. Denn ohne dessen Beteiligung ist an den meisten Gefahrenpunkten nichts möglich. Deswegen – im vergangenen Jahr musste es aufgrund des Pandemiegeschehens abgesagt werden – soll es ein Gespräch zwischen den Betroffenen der Eichendorffsiedlung und dem Straßenverkehrsamt des Kreises Warendorf geben. Unterstützung wurde auch bereits seitens der Gemeinde signalisiert. Dabei spielt nicht nur die Anwohnersituation und damit verbunden der Schulweg für viele Kinder eine Rolle, sondern auch die Naherholung. Soll doch eine Biberroute künftig dort entlangführen. René Teuber: „Die Siedlung soll lebenswert bleiben.“

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