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„Astarte Manufaktur“ arbeitet mit naturbelassenen Zutaten

Riechen, schmecken, prüfen

Ostbevern

Ein Schicksalsschlag und ein emotionales Tief waren der Auslöser für den Neustart, den Thomas und Christine Groos gewagt haben. Sie waren auf der Suche nach etwas, dass Körper und Seele stärkt und fanden die Antwort in der Natur – und in feinen Knabber-Kombinationen.

Axel Ebert

Alles Handarbeit: In der Industrieküche der „Astarte Manufaktur“ breitet Thomas Groos die frisch gerösteten Nüsse zum Abkühlen aus.

„Mein kleines Kraftpaket“ nennt sie es und meint damit nicht einen an der Leine ziehenden Vierbeiner. Christine Groos hält ein Glas in der Hand und deutet auf den Inhalt mit Lebensmitteln, dieses Gemisch ist ihr Kraftmeier. „Kerne, Nüsse und Saaten. Geröstet. Süß oder pikant. Punkt.“ Die einen warnen vor dem Suchtfaktor der Leckerei, die anderen schwören auf deren Energieschub. Für diese unterschiedlichen Gefühlsregungen beim Verzehr der Knabberei, in dessen Genussphase kalorienbewusste Bürger schnell auf Abwege geraten können, sind Christine und Ehemann Thomas Groos verantwortlich. Sie stecken hinter der in Ostbevern ansässigen „Astarte Manufaktur“. Das Geheimnis der Geschäftsidee ist eigentlich keines: uralte Ernährungskenntnis neu gedacht. Auf Basis naturbelassener, möglichst regionaler Zutaten wie Ölfrüchte, Guérande Meersalz, Rübenkraut und Akazienhonig sowie erlesenem Curry entstehen in der Küche feine Knabber-Kombinationen. Astarte wirbt darüber hinaus mit ihren unterschiedlichen Nuss-Honig-Mischungen als Brotaufstriche. Sämtliche Produkte eint der Anspruch, ein propperer Energieträger zu sein.

Ein Schicksalsschlag und die Stunde null

Und damit sind wir bei der Stunde null des Unternehmens. Das Ehepaar durchschritt und durchlitt vor Jahren nach einem Schicksalsschlag ein emotionales Tief. „In dieser Zeit suchten wir auch nach Möglichkeiten, Körper und Seele zu stärken“, berichtet Christine Groos. Dabei wuchs die Überzeugung, dass die Natur alles bereithalte, was der Mensch zur Regeneration benötige. Die gelernte Erzieherin experimentierte in ihrer Küche, konzentrierte sich auf Ölfrüchte, gewann ihren Mann als engagierten Kompagnon. Die Kreationen erfüllten bei den beiden die Erwartungen und sorgten nach dem Verzehr für die erhoffte Stärkung. Nach kurzer Zeit stand fest, davon sollten alle Interessierten profitieren. Wenige Monate später war die Manufaktur, bei deren Namensgebung die syrische Göttin Astarte Patin stand, ein eingetragenes Unternehmen. Fortan war die zunächst vage Geschäftsidee mit einem Stand auf ausgesuchten Märkten und Landpartien in Hessen, Niedersachsen sowie Nordrhein-Westfalen gefragt – die Resonanz war überwältigend. „Die Leute sind neugierig, wenn man bei einer Kostprobe mit ihnen ins Gespräch kommt und erklärt, warum man gerade dieses Produkt entwickelt und anbietet.“ Im Spannungsfeld von Beruf, Familie und Gesellschaft falle es nicht immer leicht, zu dem inneren Gleichgewicht zurückzufinden, zitiert Christine Groos ihre eigene Webseite. Kunden bestätigten, dass ihre verführerischen Energieträger dazu beitrügen, die Herausforderungen besser zu meistern. Die hohe Dosis an Vitaminen mache die Nüsse zum auffälligen Unterstützer des Körpers. „Es ist die Reinheit der Produkte, der diese Reaktion vielleicht zu verdanken ist“, stellt Groos fest und verwahrt sich entschieden dagegen, Astrate-Produkten heilende Wirkung zuzuschreiben.

Die Covid19-Pandemie bremste ab Frühjahr diesen Jahres die Aktivitäten des Zwei-Mann-Betriebs, parallel dazu vergrößerte sich die Nachfrage an „Astarte“-Produkten im Internet-Shop. Derzeit röstet Familie Groos wöchentlich zweimal Nüsse und Kerne, kreiert die Mischungen und schickt sie in Gläsern verpackt auf die Reise zur Kundschaft. Absagen wie die jüngste des Weihnachtsmarkts in Münster trifft auch die Manufaktur wirtschaftlich hart. Das Unternehmen setzt darauf, dass Kunden die Röstleckereien als Weihnachtsgeschenk entdecken und sich bequem nach Hause kommen lassen.

Thomas Groos

Derweil nutzt die 42-jährige Christine die Zeit, um zu experimentieren. Riechen, schmecken und Anregungen von Kunden prüfen. Cashewkerne-Erdnuss mit Curry krönen den Salatteller, Mandel-Erdnuss mit grünem Curry macht das Eis zu einem ungewohnten Erlebnis. Sesamsaat und Pistazienkerne kommen jeweils in Gesellschaft von Meersalz und Honig daher. Sie verleihen Geflügel und (Obst)Salaten eine raffinierte Note. Kurz: Die Ölfrüchte geben darüber hinaus Quark und Müsli eine pikante Note, für Knabberfreude sind sie ein treuer Begleiter beim Serienabend vor dem Fernseher. Mancher Kunde behauptet, diese Nuss-Mischungen seien als Salat-Topping und Käse-Krone unverzichtbar. Ein Tausendsassa, der erwärmt und kalt die Speisenkarte erobert.

Absolute „selfmade Kreateure“

Christine und Thomas Groos sind in diesem Gewerbe absolute „selfmade Kreateure“. „Vom Rösten hatte ich vor Jahren keinen Schimmer“, gesteht der 51-Jährige ein. Der Hobbyimker hat sich reingekniet. Aktuell weiß er genau, welche Wirkung welche Röstreihenfolge und welche Zutat hat. Er weiß, welch hohe Empfindlichkeit eine Nuss unter der harten Schale zu schützen versucht. So viel verrät er zu seiner Technik: „Rösten mit der kältesten Temperatur, so lange wie möglich.“ Zum Inventar gehört ein mit Holzkohle geheizter Kastanienröster in Handbetrieb, der vorzugsweise auf Märkten zum Einsatz kommt. Ein professioneller Ofen leistet für größere Mengen in der Astarte-Küche seine Dienste. Für den Geschmack verantwortlich sind aber die Zutaten, die von einem bio-zertifizierten Naturkosthandel und aus einer Biolandimkerei bezogen werden.

„Die einzelnen Zutaten kennt jeder“, sagt Christine Groos – wohl wissend, dass mancher Nachahmer bei dem Versuch gescheitert ist, die Rezeptur-Nuss zu knacken. Die Unternehmerin ist stolz, dass sie die wenigen Ingredienzen in ihrer Industrieküche so schmackhaft komponiert, dass die Zahl der Wiederholungstäter unter den Naschern und ernährungsbewussten Konsumenten wächst.

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