1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ostbevern
  6. >
  7. Seelen sollen Frieden finden

  8. >

Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Seelen sollen Frieden finden

Ostbevern

„Ich wünsche allen Kriegsopfern“, sagte Randah Alhasar, „dass ihre Seelen Frieden finden. Sie sind der große Verlust der Kriege unter Menschen, die immer noch um uns herum stattfinden.“ Die Syrerin ließ die Anwesenden während der Gedenkfeier zum Volkstrauertag an ihren Erinnerungen der Flucht aus ihrem Heimatland teilhaben.

Von Anne Reinker

Randah Alhasar und Karl Piochowiak richteten sich mit bewegenden Worten an die Anwesenden. Der MGV wurde durch die Sängerin Olha Konshena begleitet. Foto: Anne Reinker

Der Wunsch, den Opfern von Krieg, Gewalt, Vertreibung und Terror zu gedenken und gegen Kriegsgeschehen zu mahnen, scheint bei der Bevölkerung zu steigen. Zu bemerken war das auf dem alten Friedhof am gestrigen Volkstrauertag: Neben den Abordnungen örtlicher Vereine, dem Männergesangverein und dem Musikverein kamen rund 80 interessierte Besucher. Berührend war nicht nur die Rede des Bürgermeisters, sondern auch die von Randah Alhasar.

„Lied vom Nicht-Verstehen“

Einen dem Tag entsprechenden Auftakt bot der MGV mit seinem zeitaktuellem „Lied vom Nicht-Verstehen“, in dem es unter anderem heißt: „Warum nutzt man Religionen für den Terror und die Angst, wo sie eigentlich doch für den Frieden stehen?“ Wir wollen Frieden für alle, so die Übersetzung des Lieds „Hevenu shalom alechem“, bei dem der MGV durch die Sängerin Olha Konshena begleitet wurde.

An diesem Volkstrauertag blicke man nicht nur auf das, was gestern war, so Karl Piochowiak. Man müsse aus der Ukraine auch Bilder sehen, von denen man gehofft habe, dass sie sich auf unserem Kontinent niemals wiederholen würden. „Menschen, die vor Bomben fliehen, die sich an der Grenze von ihren Familien trennen oder gar für immer Abschied nehmen müssen an langen, frisch ausgehobenen Grabreihen“, sagte der Bürgermeister.

Erinnerungen an die eigene Flucht

Neben den Gedenken der Kriegsopfer, sei es ebenso wichtig, „das Bewusstsein für Frieden, Demokratie und Menschenrechte immer wieder und besonders in diesen krisengeschüttelten Zeiten zu stärken“, so Piochowiak.

„Ich wünsche allen Kriegsopfern“, sagte Randah Alhasar, „dass ihre Seelen Frieden finden. Sie sind der große Verlust der Kriege unter Menschen, die immer noch um uns herum stattfinden.“ Die Syrerin ließ die Anwesenden an ihren Erinnerungen der Flucht aus ihrem Heimatland teilhaben. Sie erlebte einen „Krieg im eigenen Land, wir wurden nicht von außen angegriffen, sondern von Menschen, die eigentlich unsere Brüder sind“, sagte sie. Sie sprach von explodierenden Bomben und der Unsicherheit, ob die Familie in Sicherheit ist. „Wenn man keine Sicherheit hat, wird alles wertlos. Wenn ich Angst um das Leben meiner Liebsten habe, was nützt mir dann das Haus oder das Auto, was bringen mir Geld und Karriere“, so Alhasar in ihrer bewegenden Rede. Sie und ihre Familie erlebten Zerstörung und Tod jeden Tag um sich herum.

Eine neue Heimat gefunden

Die Lage in der Heimat war nicht mehr zu ertragen, es blieb nur der Ausweg einer riskanten Flucht, berichtete Randah Alhasar. In Ostbevern fanden sie und ihre Familie eine neue Geborgenheit und Offenheit, auch wenn der Neuanfang schwer gewesen sei. „Heute sagen wir als Familie“, sagte Alhasar, „dass wir eine neue Heimat gefunden haben. Sicherheit und Geborgenheit, das ist unsere Heimat.“ Krieg wolle man nie wieder erleben müssen, betonte Randah Alhasar. „Niemand sollte das erleben müssen, so wie es jetzt aktuell in der Ukraine, im Irak, im Iran, immer noch in Syrien und in vielen anderen Ländern ist.“

Das Gefühl des Friedens sei für uns etwas völlig Selbstverständliches, so Karl Piochowiak nach der Kranzniederlegung. Doch diese Selbstverständlichkeit bekäme Risse, „und dem gilt es, sich entschieden gegenzustellen. Frieden ist unser höchstes Gut, und das gilt es zu bewahren.“ Er erinnerte an den Westfälischen Frieden, der nicht durch Gewalt, sondern durch Austausch und Diplomatie herbeigeführt wurde. „Das ist es, was auch in heutigen Konflikten zum Gelingen einer Friedensordnung beitragen wird“, erklärte Piochowiak. Er sei sich der diplomatischen Stärke sicher, die größeren Wert habe als Waffenlieferungen in die Welt.

Er dankte den Besuchern für ihre Anwesenheit, die „ein Zeichen setzt, dass Sie nicht vergessen wollen, dass Ihnen die Erinnerung, besonders auch mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft, wichtig ist.“

Startseite