1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ostbevern
  6. >
  7. Sehnsucht nach Kultur ist groß

  8. >

Kulturforum im Dornröschenschlaf

Sehnsucht nach Kultur ist groß

Ostbevern

Seit dem vergangenen Jahr ist vieles alles anders – auch beim Kulturforum. Von den Aktivitäten, die der Verein für 2020 geplant hatte, konnte nur das Kabarett mit Katie Freudenschuss im Februar stattfinden. Die zwölf weiteren Veranstaltungen: abgesagt oder vorläufig auf Eis gelegt.

Anne Reinker

Das umfangreiche Programm 2020 musste vom Vorstand rund um die Vorsitzende Bernadette Lammerding abgesagt werden. Foto: Anne Reinker

Wenn ein Verein ein Programm aufstellt, geht er auch davon aus, dass es komplett umgesetzt werden kann. Gibt es mal einen Ausfall, kann meist schnell eine gute Alternative geboten werden. Seit dem vergangenen Jahr ist jedoch alles anders – auch beim Kulturforum. Von den Aktivitäten, die der Verein für 2020 geplant hatte, konnte nur das Kabarett mit Katie Freudenschuss im Februar stattfinden. Die zwölf weiteren Veranstaltungen: abgesagt oder vorläufig auf Eis gelegt.

Das kulturelle Leben liegt brach – auch jetzt noch, ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Das Bedürfnis nach Kultur ist aber spürbar. Das meint auch Bernadette Lammerding, Vorsitzende des Kulturforums, das knapp 200 Mitglieder zählt.

„Die Sehnsucht nach einer Normalität, auch im kulturellen Bereich, ist groß“, sagt sie. Trotzdem macht auch dieser Verein seine Planungen für das laufende Jahr ganz vorsichtig und immer in dem Wissen, dass Corona auch dann noch einiges durcheinanderwirbeln kann. „Anfang des Jahres haben wir uns einmal virtuell getroffen“, berichtet die Vorsitzende. Denn, wenn es irgendwann wieder losgehen sollte, „dann brauchen wir einen Plan“.

Und trotzdem: „Es herrscht eine große Traurigkeit und Ungewissheit“, bedauert Bernadette Lammerding die aktuelle Situation. Mit den verpflichteten Künstlern habe man sich einigen können, da „gab es ein Wohlwollen auf allen Seiten“, berichtet Lammerding. Sie hofft wie ihre Vorstandskollegen, dass im nächsten Jahr wieder aufgeholt werden kann. So befindet man sich im Austausch mit den Künstlern und Kulturschaffenden, die eigentlich im vergangenen Jahr ihren Auftritt gehabt haben sollten. Angedacht wird bereits, die eigentlich für den vergangenen April geplante Ausstellung von Ulrich Lunkebein nachzuholen. Wann und wie die stattfinden kann, stehe allerdings noch in den Sternen. Und auch das ist klar: „Eins zu eins werden wir das ganze Programm sicherlich nicht nachholen können“, vermutet die Vorsitzende. Trotzdem hat der Verein ein paar „Kleinigkeiten“ in petto, die sich auch kurzfristig umsetzen lassen. „Wir warten ab, was möglich ist, und dann zaubern wir etwas aus dem Hut“, will Lammerding noch nicht zu viel verraten.

Skeptisch sieht sie nach wie vor die Veranstaltung großer Konzerte. „Das wird im Frühjahr wohl nichts werden“, ist Lammerding realistisch, hofft aber auf den Herbst.

Auch das interne Vereinsleben fehle, so die Kulturfreundin. „Wir haben die Mitgliederversammlung im letzten Jahr aussetzen müssen“, erläutert die Vorsitzende. Das sei in diesem Jahr nun nicht mehr möglich. Denn klar ist: „Die Mitgliederversammlung muss in diesem Jahr stattfinden.“ In welcher Form dies geschehen wird, müsse man sehen. Entweder virtuell oder vielleicht sogar draußen. Da müsse man dann spontan einen Weg finden. Über Mitgliederschwund müssen sich die Verantwortlichen aktuell noch keine Sorgen machen. „Viele wissen um die Lage der Vereine und halten ihnen die Treue“, sagt Bernadette Lammerding. Das sei nicht nur in ihrem Verein so und unglaublich wertvoll für die gesamte Gemeinde. Bedauerlich sei in der aktuellen Situation, dass man mangels Öffentlichkeitsarbeit keine neuen Mitglieder hinzugewinnen könne. Vor finanzielle Probleme stelle das den Verein aber genauso wenig wie die ausgefallenen Veranstaltungen.

Folgen der erzwungenen Auszeit sieht sie aber dennoch. Denn auch Proben könnten in jeglicher Hinsicht nicht stattfinden, weiß Bernadette Lammerding, die selber in der Capella Loburgensis singt. „Die Konzerte beruhen nun mal auf der Probenarbeit“, erläutert sie. „Es wird dauern, bis das Fundament wieder da ist, mit dem man geschlossen auftreten kann.“ Man könne sicherlich nicht da anknüpfen, wo man noch vor der Pandemie gestanden habe. Damit einher gehe die Sorge, dass Chormitglieder abspringen könnten.

Auch wenn die Arbeit der Aktiven viel Zeit in Anspruch genommen habe, freue man sich schon darauf, Kultur im Ort bieten zu dürfen. Denn derzeit befinde man sich in einer Art Dornröschenschlaf. „Man wird so ausgebremst und ist dadurch wie gelähmt“, beschreibt Lammerding die Situation. Zu gerne würde der Verein die Kulturwerkstatt, die seit Anfang des Jahres im neuen Glanz erstrahlt (WN berichteten), nutzen. Doch auch hier müsse man sich gedulden. „Da sind wir auch nicht die einzigen, die dort gerne starten würden. Es ist einfach schade, dass man die Einrichtung jetzt noch nicht nutzen kann.“

Die Mitglieder des Vereins hoffen trotz aller Widrigkeiten darauf, in diesem Jahr Kultur wieder deutlichen Anschub geben zu können und Kunstinteressierten in der Gemeinde und der Umgebung Unterhaltung bieten zu dürfen.

Startseite