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Sommerinterview mit Bürgermeister Karl Piochowiak

Sehr fordernde Monate

Ostbevern

Bürgermeister Karl Piochowiak berichtet, wie er die vergangenen Monate der Corona-Pandemie erlebt hat – beruflich, wie auch privat. Trotz aller Schwierigkeiten bliebt der erste Bürger der Bevergemeinde optimistisch.

Bürgermeister Karl Piochowiak äußert sich im Sommerinterview zu verschiedenen Themen. Foto: Gemeinde Ostbevern

Kaum war Karl Piochowiak im Amt, dominierten Inzidenzzahlen, Coronaschutzverordnungen und Lockdown seinen Arbeitsalltag. Inzwischen hat sich die Situation deutlich entschärft. In Ostbevern liegt die Inzidenz anhaltend bei Null. Dieser Sommer bietet Zeit, einmal ein wenig durchzuatmen und ein Fazit der vergangene Corona-Monate zu ziehen. WN-Redakteurin Daniela Allendorf sprach mit dem Bürgermeister aber auch über das zweite in Ostbevern omnipräsente Thema – die Aufarbeitung der Vorkommnisse rund um die Kita „Biberbande“:

Herr Piochowiak, hinter uns allen liegen außergewöhnliche Wochen und Monate. Das Leben wurde maßgeblich durch Inzidenzzahlen, Auflagen und Verordnungen zur Corona-Pandemie geprägt. Wie war unter diesem Einfluss der Einstieg in die Verwaltung in Ostbevern?

Karl Piochowiak: Der erste Termin an meinem ersten Arbeitstag war in der Tat eine Videokonferenz mit dem Landrat und den Bürgermeister-Kollegen zur Corona-Lage. Ich hatte aber trotz der ernsten Pandemie-Situation einen sehr guten Einstieg in die Verwaltung. Wie er ohne Corona verlaufen wäre, darüber kann man nur spekulieren, es hätten sich sehr wahrscheinlich andere wichtige Themen aufgedrängt. So aber war es halt die Corona-Situation, die stark im Fokus stand. Für mich sehr angenehm und erfreulich: Das Team im Rathaus hat mich sofort gut aufgenommen und willkommen geheißen. Das hat den Einstieg nicht nur erleichtert, sondern auch angenehm gemacht.

Und wie hat es sich auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern ausgewirkt, die ja vielfach im Homeoffice gearbeitet haben?

Piochowiak: Wir sind eine kleine Mannschaft. Die Homeoffice-Zeiten waren gut untereinander abgestimmt und hielten sich mit der Präsenz am Arbeitsplatz die Waage. Zudem haben wir auch für interne Besprechungstermine auf Videokonferenzen zurückgegriffen und standen so immer im engen Kontakt.

Wie gehen Sie persönlich mit der Situation um?

Piochowiak: Natürlich betrifft mich Corona nicht nur dienstlich, sondern auch in meinem privaten Umfeld. Und da ging es meiner Familie und mir wie allen anderen. Das Zurückfahren nahezu aller persönlichen Kontakte und Hobbys über Monate haben Spuren hinterlassen. Selbst jetzt, da viele Dinge wieder möglich scheinen, bleibt eine große Zurückhaltung im Aufbau dieser Kontakte zum Beispiel bei Feiern und Treffen. Wir in der Familie sind in sehr unterschiedlichen Lebensbereichen beruflich tätig. Aber eben alle in Kontakt mit Menschen in sehr unterschiedlichen Altersgruppen. Daher haben wir uns auch familiär sehr zurückgenommen und immer geschaut, ob zum Beispiel ein Besuch der Eltern am Wochenende überhaupt möglich oder angebracht erschien. In diesen Momenten wird einem klar, wie wichtig gegenseitige Achtsamkeit ist. Wir sind von schweren Erkrankungen verschont geblieben, haben aber gleichzeitig gesehen, wie durch Corona großes Leid in Familien hineingetragen wurde. Daher mischt sich das Glück der Dankbarkeit mit der Demut, dass schwere Schicksalsschläge in unserer Familie nicht zu beklagen waren.

Sie haben vor Ihrer Wahl versprochen, ein Bürgermeister für alle Ostbeverner zu sein. Jetzt waren die persönlichen Kontakte überwiegend auf ein Mindestmaß beschränkt. Ist es Ihnen bisher trotzdem gelungen, dieses Versprechen einzulösen?

Piochowiak: Mit meinem Dienstbeginn am 2. November begann auch der Corona-Lockdown, aber bitte nicht falsch verstehen, dafür kann ich nichts. Aber im Ernst: Der persönliche Kontakt war wie vieles andere in der Situation nur unter erschwerten Bedingungen und zuweilen gar nicht möglich. Dort, wo es möglich war, habe ich die Gelegenheiten genutzt. Oft allerdings in anderen Formaten, so zum Beispiel häufig in Telefongesprächen oder Videokonferenzen. Manchmal auch draußen in kleineren Kreisen. Zudem sah ich mich, wie viele andere auch in der Verwaltung, gerade in den ersten Wochen des Dienstantritts mit erheblichen Aufarbeitungsvorgängen rund um die Vorgänge im Kohkamp III und darüber hinaus konfrontiert. Das ließ bis weit in dieses Jahr hinein kaum Luft, sich um die angenehmeren Dinge eines Bürgermeisterlebens zu kümmern. Deshalb habe ich mir vorgenommen, für die nächsten Donnerstage, wie schon bei meinem Wahlkampf, wieder auf dem Wochenmarkt präsent zu sein und zu einem Austausch mit mir einzuladen. Ganz ungezwungen, ohne Termin, einfach mal den Bürgermeister treffen und über Dinge reden, die man im Rathaus immer schon mal loswerden wollte oder einfach um Hallo zu sagen.

Haben sich die Kontaktbeschränkungen auch auf politischer Ebene ausgewirkt oder hat der Austausch auf politischer Ebene gelitten?

Piochowiak: Ich denke, dass ich im Namen vieler spreche, wenn ich sage: Das war schon mitunter sehr fordernd. Von Woche zu Woche haben wir versucht, die Handlungsfähigkeit von Politik und Verwaltung zu bewahren. Formate wie Umlaufbeschlüsse oder Videositzungen des Rates waren und sind bis heute ausgeschlossen. Ein Mittel wären Dringlichkeitsentscheidungen, die aber wiederum unter dem gesetzlichen Vorbehalt stehen und viele der Themen, die zu besprechen waren, setzten auch Präsenz voraus. Daneben konnten Fraktionssitzungen oder bilaterale Treffen zum Austausch an anderen Stellen wiederum in alternativen Formaten stattfinden. Das alles zu sortieren und untereinander abzustimmen war nicht einfach. Wir haben in Ostbevern Formate gefunden, dass zum Beispiel durch den freiwilligen Verzicht der Fraktionen Gremien in ihrer Teilnehmerstärke deutlich reduziert wurden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir trotz der sehr bewegten Zeiten und der wichtigen Themen, die zu besprechen waren im gegenseitigen Einvernehmen immer sehr gute Entscheidungen im Umgang mit der Corona-Situation treffen konnten.

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