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Ein trockener Alkoholiker erzählt

Sich selbst Grenzen setzen

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Über sein Leben als Alkoholiker, seine Abstürze und die Folgen der Sucht berichtete Timo Schüsseler den Achtklässlern der Josef-Annegarn-Schule.

Von Anne Reinker

Timo Schüsseler sprach vor den Neuntklässlern der Josef-Annegarn-Schule über seine Alkoholabhängigkeit und deren Folgen. Foto: Anne Reinker

1581 Menschen starben im vergangenen Jahr in Deutschland an Drogen, etwa 74 000 in Folge ihres Alkoholkonsums. Zahlen, die die Zuhörer erschreckten. Darüber, vor allem aber über sein eigenes Leben als Süchtiger, berichtete Timo Schüsseler den Neuntklässlern der Josef-Annegarn-Schule. Diese Aktion war Teil des Programm der „Drogen- und Suchtpräventionstage“ der Gemeinde.

„Keiner von den 74 000 hat als Schüler, so wie ihr da jetzt sitzt, gedacht, dass er mal an Alkohol oder Drogen sterben wird“, sprach Timo Schüsseler seine Zuhörer an. Und jeder von den Toten hinterlasse im Schnitt vier Angehörige, die darunter massiv litten, so der 45-Jährige am Mittwoch vor den Jugendlichen der 9b.

Timo Schüsseler war und ist, so wird bei seinen Erzählungen deutlich, kein „Asozialer“, kein Dummer. Zwei Ausbildungen absolvierte er, war erfolgreich als Altenpfleger und OP-Assistent berufstätig. Doch dem Alkohol konnte er sich nicht entziehen, verlor mehrmals seine Jobs.

Schüsseler outete sich komplett vor den Schülerinnen und Schülern: Vom ersten Alkohol mit 14 Jahren, über Arbeitslosigkeit durch Abhängigkeit und acht stationäre Entgiftungen bis hin zum Multiorganversagen, Koma und Pflegefall hat er alles erlebt. „Ich war 33 Jahre alt und entmündigt“, sagte er und berichtete in vielen Details, die bei den Jugendlichen Betroffenheit hinterließen.

Heute ist Timo Schüsseler Rentner ohne finanziellen Spielraum und hat deutliche gesundheitliche Einschränkungen. Unter anderem Konzentrationsschwierigkeiten und eine chronische Entzündung des Knochenmarks. Auch wenn er trocken ist: „Alles, was mir Spaß macht, wird für mich zum Problem“, erklärt er. Und das werde auch so bleiben.

Suchtstoffe gebe es viele, erläuterte Schüsseler. Dabei spiele auch das Smartphone eine Rolle, denn „schon der Gedanke daran fühlt sich schön für euch an, oder?“, sprach er die Jugendlichen an. Und richtig süchtig sei man nach dem Gefühl, das man beim Nutzen von Suchtstoffen hat. Der Stoff sei beliebig austauschbar.

Eine Sucht fange langsam an, oftmals diene etwa das erste Bier dazu, eine Entspannung zu spüren. Damit gleiche es der Nutzung des Smartphones oder der Spielekonsole, führte Timo Schüsseler weiter aus.

Wichtig sei, um einer Sucht zu entgehen, Grenzen zu folgen. Nicht nur die vorgegebenen der Eltern oder Lehrer, sondern auch die eigenen, die man sich selbst setzen sollte.

Wer Interesse an der Lebensgeschichte des trockenen Alkoholikers hat, kann am kommenden Montag (4. Oktober) Timo Schüsseler live kennenlernen. Um 17.30 Uhr berichtet er in der Mensa der Josef-Annegarn-Schule über sein Leben.

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