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Nach monatelanger Schließung

„Aufholen nach Corona“ im Kinder- und Jugendwerk gelungen

Ostbevern

Jugendwerksleiter Attila Repkeny ist froh und ihm huscht immer wieder ein Lächeln über das Gesicht, wenn er von den vergangenen Monaten erzählt. Klar, die Zeit, die durch das Corona-Virus bestimmt wurde, war schwierig. Doch das was mit "Aufholen nach Corona" möglich war, stimmt ihn sehr zuversichtlich.

Von Daniela Allendorf

Aktionen des Kinder- und Jugendwerkes Ostbevern.

Wir hatten zwischenzeitlich acht Monate geschlossen“, erinnert sich Attila Repkeny, Leiter des Kinder- und Jugendwerks, an Abschnitte während der Pandemie. Keine leichte Zeit. Weder für die in der Jugendarbeit Beschäftigten, noch für die Kinder und Jugendlichen selbst. Inzwischen läuft der Betrieb in der Einrichtung am Lienener Damm wieder normal. Wenn nicht sogar noch besser als vor der Pandemie. Das ist nicht zuletzt dem Programm „Aufholen nach Corona“ zu verdanken.

50 bis 60 Besucher pro Tag

„Inzwischen besuchen uns auch Kinder und Jugendliche die vorher noch nicht da waren“, freut sich Repkeny über derzeit durchschnittlich 50 bis 60 Besucher pro Tag. „Es ist einfach toll zu sehen, wenn die Kinder erreicht werden und aufblühen“, freut sich auch Daniel Bögge vom Jugendamt des Kreises Warendorf, an diesem Morgen beim Gespräch im Kinder- und Jugendwerk in Ostbevern. Die Behörde hat nämlich im Rahmen des Programms „Aufholen nach Corona“ eine entscheidende Rolle gespielt. Gilt es normalerweise für die Jugendeinrichtungen, Anträge zu stellen, Konzepte einzureichen und Verwendungsnachweise zu führen, so hat „der Kreis es uns sehr leicht gemacht“, sagt Attila Repkeny, als es um die Gelder aus dem Förderprogramm geht. „Das war jetzt so einfach wie noch nie“, bekräftigt er noch einmal seine Aussage und beginnt zu erzählen, was in der Bevergemeinde mit dem Geld alles umgesetzt werden konnte.

Aus Corona-Lethargie" erwacht

Sportangebote, Fahrten zur Boulderhalle nach Münster, selbstgemachte Rap-Musik-Videos, Materialbeschaffung, kreatives Arbeiten unter anderem mit der Künstlerin Martina Lückener, Gaffitis zum Kastaniensonntag, Workshops zur Stärkung des Selbstbewusstseins, neue Calisthenic-Geräte, Bogenschießen – die Liste die der Jugendwerksleiter aufzählt, scheint endlos. Und seine Augen leuchten, als er in diesem Zusammenhang von der Kindern- und Jugendlichen erzählt, die mit diesen Angeboten erreicht werden konnten. „Sie suchen unsere Nähe und Gespräche“, freut sich Repkeny, dass die Besucher aus einer Art „Corona-Lethargie“ erwacht und selber voller Tatendrang sind.

„Viele wollen selber jetzt etwas Neues erschaffen“, sagt er und geht in den Computer-Raum, der derzeit einen ganz neuen Look erhält. Dort entsteht eine Art Raumstation mit Planeten, Raumschiffen und Steuerzentrale. Ein echter Hingucker und eine kleine Reise in eine andere Welt. „Das machen die alles selbst“, sagt Repkeny und zeigt auf zahlreiche kleine Details, die die Wände schmücken oder zum Teil noch vollendet werden wollen, bevor er zum nächsten Angebot kommt. „Viele Jugendliche wollten gerne Bogenschießen ausprobieren“, so der Jugendwerksleiter. Durch die „Corona-Hilfe“ habe man Bögen anschaffen können – sogar für Linkshänder, freut sich Repkeny besonders, dass wirklich niemand ausgeschlossen wird.

Den Spieß einfach umgedreht

„Es ist einfach toll zu sehen, dass die Mittel ankommen und das Geld nicht irgendwo rumliegt“, sagt Daniel Bögge. Deswegen sei es ihm bei der Verteilung der Mittel besonders wichtig gewesen, eben keine umfangreichen Bewertungsprozesse vorauszuschalten. „Sondern wir haben den Spieß einfach umgedreht“, so Bögge. Konkret: Das Geld wurde nach Jugendeinwohnerzahl aufgeteilt, und es wurde vor Ort entschieden, was damit geschehen sollte.

„Und dann wird einfach gemacht“, so Bögge weiter, der an dieser Stelle der Fachkompetenz vor Ort vertraut hat und darin im Bewilligungszeitraum auch nicht enttäuscht wurde. Erreicht wurden damit in 2021 und 2022 kreisweit rund 5500 jungen Menschen in zehn Städten, die dem Kreisjugendamt angehören. Allein in der Bevergemeinde waren es in zwei Jahren knapp 400 Kinder und Jugendliche, die von dem Geld – in Ostbevern standen in den beiden Jahren insgesamt 14.000 Euro zur Verfügung, partizipieren konnten.

Und Attila Repkeny ist damit wirklich glücklich: „Ich sehe die Kinder und was das bei ihnen bewirkt hat. Sie haben nicht nur aufgeholt, sondern es hat auch geheilt“, ist er dankbar für die Möglichkeiten, die das Programm geschaffen hat. Doch einen Wehrmutstropfen hat das Ganze: „Die Mittel stehen in 2023 nicht mehr zur Verfügung“, sagt Daniel Bögge. Warum? Das könne er auch nicht beantworten, bedauert er, weil auch er die Ergebnisse zahlreicher gelungener Aktionen und die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sieht. Zufrieden mit den vergangenen zwei Jahren ist er trotzdem: „Denn wir werden von dem Fördergeld nichts ans Land zurückgeben müssen.“ Alles sei ausgeschöpft worden und genau dort gelandet, wo es ankommen sollte: Bei den Kindern und Jugendlichen, die unter der Pandemie so sehr gelitten hätten.

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