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Freispruch für beide Angeklagte im Fall des Mitschnittes eines Telefongesprächs

Technisch nicht möglich, die Lage zu rekonstruieren

Ostbevern

Mit einem Freispruch endete das Verfahren wegen eines unerlaubten Mitschnitts eines Telefongesprächs. Die Audiosequenz wurde über einen Messengerdienst verbreitet. Wer das veranlasst hat, konnte nicht mehr nachvollzogen werden.

-cirm-

Im Fall eines unerlaubten Telefonmitschnittes wurden die beiden Angeklagten jetzt freigesprochen.

Im September 2020 machten per Messenger verschickte Schnipsel eines aufgezeichneten Telefonats in Ostbevern die Runde. Bereits im August 2021 mussten sich deshalb ein Warendorfer für das ihm vorgeworfene Mitschneiden und eine Frau aus Ostbevern wegen des Verbreitens vor dem Amtsgericht verantworten (die WN berichteten).

Am Donnerstag wurde das Verfahren mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Es endete mit zwei Freisprüchen. Der mittlerweile 43-Jährige Warendorfer betonte, das Telefonat geführt, aber nicht mitgeschnitten zu haben. „Egal, wer es aufgenommen hat – es ist auch eine Kampagne gegen mich. Irgendwo waren Leute, die das mitgeschnitten haben.“

Das ganze Dorf kannte die Tonspur

Die 59-Jährige wiederholte ihre Angaben, wonach sie die fragliche Audiosequenz an einem einzigen Abend von gefühlt 50 Personen zugesendet bekommen habe, und sie den dazugehörigen Link einfach ebenfalls an ihre rund 200 Kontakte weitergeleitet habe. Das ganze Dorf habe die bebilderte Tonspur gekannt. Sie vermutete eine gezielt gegen sie gerichtete Kampagne des zweiten Beteiligten des Telefonats.

Der Inhalt des Gesprächs, in dessen Verlauf der Angeklagte seinem Gesprächspartner unter anderem anbot, der 59-Jährigen die Zähne auszuschlagen, war allerdings für dieses Verfahren unerheblich. Der 43-Jährige berichtete, dem Landeskriminalamt bereits vor besagtem Telefonat am 8. September belastendes Material über seinen Gesprächspartner übergeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft Münster hat demnach ein Verfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit eingeleitet, allerdings noch keine Anklage erhoben.

Der Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt von einem mindestens 30 Minuten langen Telefonat gesprochen. Er sei nicht so „dämlich“, ausgerechnet die ihn schwer belastenden Sequenzen zu veröffentlichen, gab er zu bedenken.

Gesprächspartner sagte als Zeuge aus

Sein telefonischer Gesprächspartner war nun als Zeuge geladen, sagte in Begleitung seines Anwalts jedoch aufgrund des anderen laufenden Verfahrens nichts zum Gesprächsinhalt. Er sei angerufen worden, ansonsten habe niemand am Gespräch, etwa in Form einer Telefonkonferenz, teilgenommen. Erst später habe er durch einen Dritten vom Telefonmitschnitt erfahren, dem er nicht zugestimmt habe.

Auch zwei weitere Zeugen konnten die Situation nicht näher erhellen. Man habe nur Mutmaßungen, stellte die Vorsitzende Richterin fest. Der 43-Jährige sei angeklagt, weil seine Stimme in der Aufnahme klarer zu hören sei. Es sei offenbar technisch unmöglich, die Lage zu rekonstruieren. „Das ist alles?“, fragte der Staatsanwalt irritiert nach. Er beantragte für beide Angeklagte einen Freispruch. Diesem Antrag folgte das Gericht. Ein Nachweis, wer die heimliche Aufnahme getätigt habe, sei nicht möglich, die Vorwürfe gegen die Angeklagte hätten sich ebenfalls nicht bestätigt. „Ich bin sehr froh und erleichtert“, entfuhr es der nun Freigesprochenen.

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