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Ostbevernerin Marion Bourrelly lebt seit 1988 in Frankreich

Von der Leichtigkeit fasziniert

Ostbevern

Seit 1988 lebt die gebürtige Ostbevernerin Marion Bourrelly in Frankreich – ein Wunsch, den sie schon seit Kindertagen hegte. Was das Auftaktspiel der Fußball-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Frankreich heute Abend betrifft, gibt sich Bourelly recht unparteiisch: „Ich bin dafür, dass der Bessere gewinnt.“

Von Karl-Heinz Kock

Seit 1988 lebt die gebürtige Ostbevernerin Marion Bourrelly in Frankreich. Foto: Karl-Heinz Kock

„Wenn Deutschland am Dienstagabend gegen Frankreich spielt, werde ich wahrscheinlich im Bus sitzen und auf guten Handy-Empfang hoffen“, erzählt Marion Bourrelly. Gut 20 Jahre lang hat sie unter ihrem Mädchennamen Brilhuis in Ostbevern gewohnt, seit 1988 lebt die heute 56-Jährige im Land der Croissants und Baguettes – zunächst in Marseille, inzwischen in La Bâtie-Neuve, rund 80 Kilometer südlich von Grenoble in den französischen Alpen. Nach mehrwöchigem Heimaturlaub bei ihrer Mutter in der Bevergemeinde hat sie sich am gestrigen Montag auf den langen Heimweg gemacht, einen Zwischenstopp bei ihrer Tochter Floriane (25) in Straßburg eingelegt und wird heute kurz vor Mitternacht in der 2500-Seelen-Gemeinde im Südosten unseres Nachbarlandes zurückerwartet.

„Mein Traum war es schon immer, in der Provence zu leben. Als Kind hatte ich einen Atlas unter dem Bett. Ich habe ihn mir jeden Abend angeguckt, wollte die Welt und andere Kulturen entdecken“, sagt die gelernte Hotelfachfrau, die inzwischen in der Apotheke ihres Gatten Jean-Pierre arbeitet und genau weiß, was sie an Frankreich besonders schätzt: „Der Charme der Sprache und der Lebensstil haben mich angezogen. Romanische Länder haben eine gewisse Leichtigkeit, die uns vielleicht abgeht. Aber es bleibt auch immer ein tiefer Riss im Herzen, nicht mehr hier in Deutschland zu sein.“

Marion Bourrelly bekennt offen, auf ihre deutschen Wurzeln stolz zu sein. Dabei ist sie als Niederländerin, dem Herkunftsland ihres Vaters, auf die Welt gekommen. Mit zehn Jahren erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Von Gesetzes wegen her hätte sie inzwischen auch die französische Nationalität annehmen können, hat aber darauf verzichtet. „Meine Identität ist deutsch, aber ausschlaggebend für mich ist Europa. Die Grenzen verwischen da ja“, erklärt die begeisterte Blumenfreundin. Zudem liebt sie die hellen Farben der Bilder von Vincent van Gogh, der zeitweilig auch in Südfrankreich gelebt hat. Daher war sie besonders gerührt, als ihre künstlerisch begabte Tochter drei dieser lebensfrohen Bilder für sie nachgemalt hat. Für sie sind bevorzugte Plätze im gemeinsamen Zuhause gefunden worden.

Ihr Gatte ist eingefleischter Fan von Olympique Marseille. So kann es nicht verwundern, dass er die Ostbevernerin ins Stade Velodrome an der französischen Mittelmeerküste mitgenommen hat. Auch in Monaco war man schon mal gemeinsam im Stadion. „Ich finde es schön, wenn die Leute gut Fußball spielen“, so Bourrelly weiter. „Es ist toll, wenn die Menschen eine Leidenschaft teilen. Doch, normalerweise schaue ich mir solche Länderspiele wie am Dienstag an – wenn ich nicht einschlafe.“ An den Deutschen mag sie die Kraft und Disziplin, mit der sie ihrem Beruf nachgehen. „Die Franzosen spielen eleganter und schöner. Ich bin dafür, dass der Bessere gewinnt. Ich denke, dass beide Länder die Möglichkeit haben, Europameister zu werden.“ Eine salomonische Einstellung, mit der die deutsch-französische Familie bei früheren Sportevents bislang gut gefahren ist.

Und so wird Marion Bourrelly heute zwar interessiert, aber auch mit einem gewissen Grad an Entspanntheit das Gruppenspiel der beiden mehrfachen Welt- und Europameister verfolgen. Gegen ein Wiedersehen der beiden Nationen, in denen sie sich seit langer Zeit wohl und heimisch fühlt, im Finale am 11. Juli in London hätte sie sicher nichts einzuwenden. Dann müsste sie auch nicht mehr auf guten Smartphone-Empfang in öffentlichen Verkehrsmitteln hoffen, sondern könnte dem sportlichen Spektakel am heimischen Fernseher beiwohnen.

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