Kolpingsfamilie dankt treuen Mitgliedern

„2020 war ein schlechtes Jahr“

Sassenberg

„2020 war für uns ein schlechtes Jahr. Die Preise sind immer noch auf Talfahrt“, bilanziert Kassiererin Jutta Zimmermann. Und trotzdem setzt die Kolpingsfamilie auch in diesem Jahr auf das coronakonforme Leeren der Altkleider-Container und die Wiederverwertung der Kleiderspenden.

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Bleiben auch in Corona-Zeiten in Sachen Kleidersammlung am Ball und hoffen auf eine Entspannung der Lage (v.l.): Anton Röhl, Jutta Zimmermann und Rüdiger Völler. Foto: Christopher Irmler

Am 3. Februar 1947 wurde die Sassenberger Kolpingsfamilie von Rektor Schlieps, Kaplan Hölker und zwölf jungen Männern gegründet. Bis Ende 1947 stieg die Zahl der Mitglieder auf 46 an. Aktuell, ein Jahr vor dem 75-jährigen Bestehen, stellt sich die Situation in mehrfacher Hinsicht anders dar. Das Durchschnittsalter der heute 105 Mitglieder zählenden Kolpingsfamilie liegt bei 65 Jahren. „In diesem Jahr haben wir eine Familie mit jungen Kindern aufgenommen - das senkte den Altersschnitt merklich“, erläutert der 1. Vorsitzende Anton Röhl schmunzelnd.

Derweil trifft die Corona-Pandemie die Kolpingsfamilie mit voller Härte. Erstmals in der langjährigen Geschichte mussten sämtliche Angebote eingestellt werden. Zu Online-Kursen einzuladen sei mit Verweis auf die Altersstruktur nicht zielführend, wissen die Verantwortlichen. „Die Leute fragen, wann wir uns wieder zum gemeinsamen Radfahren oder Kaffeetrinken treffen“, berichtet Rüdiger Völler. Die Antwort liegt angesichts der Pandemie auf der Hand. Und dennoch hofft Völler auf einen positiven Effekt: „Nicht ich, sondern wir.“ Vielleicht, so Völlers Hoffnung, führe Corona zu einem Umdenken, zu mehr Solidarität.

Neben der fehlenden sozialen Interaktion verzeichnen die Verantwortlichen auch deutliche Einnahmeausfälle. Fast der komplette Mitgliedsbeitrag gehe an das Kolpingwerk in Köln. Umso wichtiger sei daher die Kleidersammlung. An elf Standorten stehen 16 Container, die von den 20 Aktiven geleert werden. Dank der Unterstützung durch die Spedition Mußmann steht auf dem dortigen Gelände ein Auflieger für die Materialien bereit, die anschließend zu einem Annahmestelle gebracht werden. Die Einnahmen pro Tonne hätten sich im Vergleich zu 2019 fast halbiert, die Kosten seien jedoch um 20 Prozent gestiegen.

„2020 war für uns ein schlechtes Jahr. Die Preise sind immer noch auf Talfahrt“, bilanziert Kassiererin Jutta Zimmermann. Umso ärgerlicher seien Fehlbefülllungen, die fachgerecht entsorgt werden müssen. Die Container seien für gute, tragbare Kleidung gedacht - und nicht für privaten Hausmüll oder Gartenauflagen. 50 bis 60 Prozent der Textilien erhalten laut Kolpingwerk ein neues Leben als Second-Hand-Kleidung, je bis zu ein Viertel werden zu Putzlappen verarbeitet oder können als Dämmmaterial in der Industrie genutzt werden. Maximal fünf Prozent werden demnach verbrannt.

„Wir können nicht so spenden, wie wir es gewohnt sind“, macht Röhl deutlich. Als Lichtblicke nennt er jedoch das Ferienlager und den Lebens-Mittel-Punkt, die weiterhin mit jeweils 500 Euro unterstützt werden konnten. Und noch etwas macht Röhl Mut: Das Gros der Mitglieder sei der Kolpingsfamilie seit Jahrzehnten verbunden. Noch hielten ihr alle die Treue und hätten auch ohne Veranstaltungsangebot den Mitgliedsbeitrag geleistet.

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