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Rotarier und Kirchengemeinde spenden 10.000 Euro

Ärztliche Hilfe kommt per Boot

Sassenberg

Seit 2011 gibt es in der Region rund um den kongolesischen Ort Bolenge das Projekt „Ambulanzboot“. Ein medizinisches Team, finanziert auch aus Deutschland, versorgt abgelegene Dörfer über den Fluss mit Hilfe und Gesundheitsaufklärung. Der hochrangige Kirchenmann Eliki Bonanga stellte das Leben in der Region und das Projekt bei einer Stippvisite in Sassenberg näher vor.

Mit einem Boot in traditioneller Bauweise befährt das medizinische Team den Kongo. Die Ausstattung mit einem aufblasbaren Operationszelt ist aber modern. Foto: Ulrike von Brevern

Mehr als 10.000 US-Dollar sind ausgegeben, wenn das gemeinnützig finanzierte Ambulanzboot in seiner traditioneller Bauweise nach der Rundtour auf dem breiten Strom Kongo und seinen Nebenflüssen in den Heimathafen Bolenge zurückkehrt. Vier Mal im Jahr unternimmt das Schiff diese Fahrt, um die Menschen in abgelegenen Orten in der Region medizinisch zu versorgen. Es sei eine dringend notwendige Ergänzung des staatlichen Gesundheitssystems in seinem Land, hielt Eliki Bonanga fest. Der Präsident der Jüngerkirche in der Provinz Equateur der demokratischen Republik Kongo kam im Rahmen eines vierwöchigen Deutschlandbesuchs zu einer kurzen Stippvisite nach Sassenberg.

Freude über ein persönliches Treffen: Rotarierpräsident Ulrich Reul, Pfarrer Michael Prien, Kirchenpräsident Eliki Bonanga und Pfarrer Ulrich Strunck aus Dortmund, der Bonanga begleitete. Foto: Ulrike von Brevern

Die Jüngerkirche betreibt das Ambulanzboot in dessen Einzugsbereich rund 60.000 Menschen leben gemeinsam mit deutschen und internationalen Partnern. Die evangelische Gemeinde in Sassenberg gehört seit Jahren zu den regelmäßigen Unterstützern. Deshalb legte Pfarrer Michael Prien es im vergangen Jahr als Präsident der Warendorfer Ortsgruppe auch den Rotarien als persönliches Projekt ans Herz. Als Resultat gab er Bonanga jetzt eine Spende über 10.000 Euro, gesammelt von Rotariern und Evangelischer Kirche, persönlich mit auf den Weg.

Ein Kirchenmann mit Charisma

Konfirmanden der Gemeinde und einige Gemeindeglieder erlebten bei dem überraschenden Besuch mit Bonanga einen charismatischen Geistlichen, der es gewohnt ist, vor vollem Haus zu sprechen. 400 der 600 Mitglieder seiner eigenen, presbyterianisch geprägten Gemeinde kämen allsonntäglich zum Gottesdienst, erzählte er zum Beispiel in lupenreinem Deutsch. Das hat er in fünf Jahren als Auslandspfarrer in Dortmund gelernt.

Mit dem Ambulanzboot seien inzwischen regelmäßig vier bis fünf Ärzte, vornehmlich Chirurgen, aber auch Augen- oder Zahnärzte unterwegs. Zum medizinischen Team gehört neben Operationshelfern auch eine Hebamme für Problemschwangerschaften. Zudem stehen Ebola- Malaria-, Aids- und Coronaprävention sowie Familienplanung auf dem Programm der Touren.

Sieht romantisch aus, ist aber ziemlich anstrengend: Die Besatzung auf dem Boot muss während der Touren hart arbeiten. Foto: privat

In den gut zehn Jahren seit der ersten Fahrt 2011 ist das Angebot gewachsen und wurde professionalisiert. Ein aufblasbares Operationszelt, das zum Beispiel auch Starkregen widersteht, erweitert inzwischen die Möglichkeiten an Land.

Auch in Kongo sind die Spritpreise durch die Decke gegangen

Das Boot ist kostenbewusst nach traditioneller Bauweise auf Einbäumen konstruiert, um auch bei Niedrigwasser oder den vielen unvermuteten Sandbänken des Kongo sicher operieren zu können. Die Projektträger zu denen bis zu diesem Jahr auch die Umweltorganisation WWF gehörte, müssen für die Entlohnung des Personals, aber auch für Medikamente, Treibstoff und Reparaturen aufkommen. Patienten tragen einen kleinen Eigenanteil. Allerdings verschlinge das Boot allein 8000 Liter Sprit pro Fahrt, erläutert Bonanga. Angesichts der auch in Kongo steigenden Spritpreise ein echtes Probleme: Derzeit koste ein Liter Treibstoff dort vier US-Dollar, berichtete der Kirchenmann.

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