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Ministerin Ursula Heinen-Esser diskutiert mit Landwirten in Gröblingen

Auf der Suche nach Perspektiven

Sassenberg

„Die Landwirte sollen Klimabauern sein, sich um Biodiversität kümmern und und und“, kritisierte die NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser, zum Auftakt ihres rund zwanzigminütigen Impulsvortrags, den sie im Rahmen eines bereits 2020 angedachten Besuchs auf dem Hof Kattenbaum in Gröblingen vor rund hundert interessierten Gästen hielt.

Von Ulrike von Brevern

Gut gelaunt stellten sich Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, (r.) und Bianka Winkelmann, Sprecherin des entsprechenden NRW-Landtagsausschusses (l.) in Gröbligen den Fragen von rund 100 heimischen Landwirten. Foto: Ulrike von Brevern

„Es muss eine klare Landwirtschaftspolitik geben mit dem obersten Ziel der Ernährungssicherheit.“ Das forderte Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, bei ihrem Besuch auf dem Hof Kattenbaum in Gröblingen gleich mehrfach. Zugleich konstatierte sie mit Blick auf eine vom Land NRW geplante Bundesratsinitiative in der kommenden Woche einen „Entscheidungsnotstand“ in Sachen Nutztierhaltung. Die Ministerin machte mit ihrer Visite ein Versprechen des heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Daniel Hagemeier wahr, das noch aus dem Jahr 2020 stammt, durch die Corona-Pandemie aber wiederholt verhindert wurde, erinnerte Bürgermeister Josef Uphoff bei seiner Begrüßung.

Das Interesse war groß an den Agrarfachgesprächen in Sassenberg. Foto: Ulrike von Brevern

Neben der Ministerin stand den rund hundert interessierten Gästen, die sich in der offenen Scheune des landwirtschaftlichen Betriebes eingefunden hatten, für ihre zum Teil sehr ins Detail gehenden Fragen auch die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU) als Ansprechpartnerin direkt zur Verfügung. Selbst Landwirtin ist sie Sprecherin des Landtagsausschusses für Umwelt, Landwirtschaft und Natur- und Verbraucherschutz.

Rund 100 interessierte Gäste

„Die Landwirte sollen Klimabauern sein, sich um Biodiversität kümmern und und und“, kritisierte die Ministerin zum Auftakt ihres rund zwanzigminütigen Impulsvortrags, in dessen Verlauf sie in rasantem Tempo von Baurecht bis zur Preisgestaltung viele der Themen abhandelte, die den Landwirten gegenwärtig auf den Nägeln brennen.

Gerade bei dem für die Region besonders wichtigen Thema Tierhaltung schwinge in der Öffentlichkeit oft das Bild einer „Bullerbü-Landwirtschaft“ mit. „Das funktioniert so nicht!“, stellte sie klar. Aber auch beim Thema Pflanzenschutz dürfe es Verbote von Spritzmitteln erst dann geben, wenn es Alternativen gebe. Der Corona-Lockdown habe noch einmal gezeigt wie wichtig es sei, die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen zu können.

Ein Austausch unter Fachleuten: Die Agrarfachgespräche in Sassenberg Foto: Ulrike von Brevern

In Sachen Tierwohl seien die Discounter vorgeprescht, hätten aber zu ehrgeizige Ziele ausgegeben, hielt Heinen-Esser fest. Die Ministerin stellte sich stattdessen hinter die Ergebnissen der in der vergangenen Legislaturperiode in Berlin eingesetzten sogenannten Borchert-Kommission für die Nutztierhaltung, deren Ergebnisse nicht mehr in Gesetze gefasst wurden. „Ich habe mich schwarz darüber geärgert“, bekannte sie. „Das war auch politischer Konsens. Die neue Regierung fängt jetzt bei Null an.“ Doch um der der jungen Generation von Landwirten eine Perspektive zu geben, bestehe nun Zeitdruck. Wenn die Probleme rund um die Nutztierhaltung nicht in diesem Jahr geklärt würden, „habe ich Bauchschmerzen“.

Der jungen Generation eine Perspektive geben

Um die Position der Landwirtschaft grundsätzlich zu verbessern, empfahl Heinen -Esser eine „CMA 2.0“, also die Wiederbelebung der zentralen Marketing-Agentur der Agrarwirtschaft. „Die direkte Verbindung zum Konsumenten hat jetzt der Handel für Sie übernommen. Er gestaltet für Sie das Bild der Landwirtschaft“, gab sie an die Landwirte gewandt zu bedenken. Grundsätzlich müssten in Deutschland die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen. Damit sie sich jeder leisten könne, müsse ein Ausgleich über die Sozialhilfesätze gefunden werden: „Wir können die soziale Frage nicht auf dem Rücken der Landwirte lösen.“

Die Landwirte, die auch aus verschiedenen Nachbarorten zu der als „Agrarpolitisches Fachgespräch“ angekündigten Veranstaltung gekommen waren, stießen bei der Ministerin mit vielen Fragen auf offene Ohren. Kategorisch wandte sie sich allerdings gegen Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen. Das treibe die Pachtpreise. Bianka Winkelmann, forderte stattdessen mehr Förderung für Biogasanlagen und ihre Einbindung in ein Energiekonzept.

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