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Gartenanlage am Haus Schücking wird grundlegend restauriert

Barock kehrt in den Park zurück

Sassenberg

Es ist ein großes Projekt: Der Park des Hauses Schücking im Ortskern von Sassenberg steht im Gegensatz zum Wohnhaus erst seit kurzem unter Denkmalschutz. Jetzt soll er seine historische Grundstruckstur zurückerhalten. Die Pläne stehen, und die Minibagger sind gut beschäftigt.

Von Ulrike von Brevern

Prosper Schücking, Heffa Schücking, Gartenarchitektin Carina Hagedorn Foto: Ulrike von Brevern

Es ist kalt, nass und novemberlich-trüb. Doch nicht einmal die unfreundlichen Wetterbedingungen können dem verwunschenen Charme des weitläufigen, verwilderten Gartens hinter dem Haus Schücking etwas anhaben. Eher gelingt das schon dem Minibagger, der gerade den Mutterboden von dem reißt, was früher wohl einmal Wege waren. Dort, wo der Bagger noch nicht gearbeitet hat, sind sie unter Laub und Gras allenfalls zu erahnen. Doch noch vor Weihnachten soll die strenge historische Grundstruktur der Gartenanlage wieder sichtbar sein, passend zu dem inzwischen denkmalgerecht restaurierten Wohnhaus, das der barocke Architekt Johann Conrad Schlaun 1754 für Kanzler Engelbert Schücking errichtet hat.

Denkmalschutz für den Schuecking Garten Foto: Ulrike von Brevern

Der Park steht im Gegensatz zum Wohnhaus erst seit kurzem unter Denkmalschutz. „Ich wusste gar nicht, dass das für einen Garten an und für sich überhaupt geht“, bekennt Heffa Schücking. Jetzt aber hat die Familie die Möglichkeit, von verschiedenen Seiten Fördergelder einzuwerben und das ist dringend nötig, denn bis die Gartenanlage ihre barocken Züge wiedergewonnen hat, die mit dem Stil des Hauses harmonieren, werden rund 66.700 Euro in das Projekt geflossen sein. ­­

21.000 Euro davon stammen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Deren Kuratorin Sigrid Karliczek ist zur Übergabe des Fördervertrages eigens nach Sassenberg gereist, um sich mit eigenen Augen ein Bild zu machen. Schließlich hat die Stiftung der Familie Schücking schon bei verschiedenen Restaurierungsprojekten unter die Arme gegriffen.

Knotige Bäume

Das gegenwärtige beginnt schon an der Bergahornreihe zur Straße hin, die ergänzt werden soll. Wer die knotigen Bäume vom einstmals repräsentativen Vorplatz des Wohnhauses aus betrachtet, realisiert, dass sie niemals natürlich so gewachsen sein können. Sein Ur-Ur-Großvater Levin Schücking habe veranlasst, dass sie als „gebändigter Baum“ nach barocker Art zu einem Seitenwachstum gezwungen wurden, erzählt Prosper Schücking. „Er mochte es fein.“ Nachfolgenden Generationen war das weniger wichtig, so dass die Bäume zum Höhenwachstum zurückkehrten. Das unnatürliche Seitenwachstum aber hinterließ seine Narben.

Beim alten Ahorn führt kein Weg zurück ins Barock, anders als im Garten hinter dem Haus. Heffa Schücking hat einen Plan mitgebracht, der zeigt, wie die Anlage aussehen wird. Ein Hauptweg verbindet als rund 90 Meter lange Sichtachse die Freitreppe auf der Rückseite des Hauses mit der überlebensgroßen Skulptur des Herkules, die 2020 restauriert wurde, (die WN berichteten). Am Fuß der Freitreppe liegt ein romantisch von Putten gesäumter

Denkmalschutz für den Schuecking Garten Foto: Ulrike von Brevern

Freisitz. Weiter hinten zweigt in Höhe einer weiteren kleinen Skulptur ein Seitenweg ab, der eines von zwei langen, streng symmetrisch angeordneten Zierbeeten umläuft.

Prosper Schücking hat noch erlebt, wie viel Mühe die Pflege der historischen Anlage machte. Immerhin ist der gesamte Park einschließlich Rasenflächen rund einen Hektar groß. „Meine Großmutter hatte an fünf Tagen in der Woche je einen halben Tag einen Gärtner, der alles in Ordnung hielt. Das kann man heute auch gar nicht mehr bezahlen!“

Schuecking Garten Denkmalschutz Foto: Ulrike von Brevern

Darum hat Carina Hagedorn, Diplomingenieurin für Freiraumplanung, eine pflegeleichte Alternative erarbeitet. Dazu gehört eine robuste wassergebundenen Wegedecke, die Raseneinwuchs und Unkraut auf den strukturbildenden Wegen keine Chance lässt. „Zur Zeit meiner Großmutter wurde jeden zweiten Tag mit der Handschaufel Sand über die Wege gegeben“, erinnert sich Prosper Schücking an seine Kindertage in Sassenberg.

Schuecking Garten Denkmalschutz Foto: Ulrike von Brevern

Der Buchsbaum als klassische Einfassung für die Zierbeete muss aus anderem Grund weichen. „Wir haben uns aufgebäumt und immer wieder nachgepflanzt, aber es hat nichts geholfen“, bekennt Heffa Schücking. Nun wird der robuste Ilex crenata einen kaum unterscheidbaren Ersatz bilden, zeigt Carina Hagedorn. Über 600 Pflanzen wird sie am Ende in den Boden gebracht haben. „Die sind alle etwas unterschiedlich groß, weil wir so viele brauchen“, sagt die Gartenarchitektin mit einem Blick auf die bereitstehenden Paletten voll Pflänzchen lachend. „Aber das kriegen wir mit der Heckenschere schon hin.“

Denkmalschutz für den Schuecking Garten Foto: Ulrike von Brevern

Auch hinter der Herkules-Statur ging die Wegeanlage ursprünglich noch etwas weiter, doch hier haben Schückings inzwischen einen Funktionsbereich eingezogen. Der alte Ententeich ist durch eine Totholzhecke zum riesigen Kompost umgewandelt, um Laub und Rasenschnitt des Parks zu recyceln. Haufen mit Astwerk zeigen, dass Baumkletterer ihre Arbeit am üppigen alten Baumbestand bereits getan haben. Das Häckselgut wird später Nebenwege trittfest machen. Ein Hauptteil der Arbeiten wird bis Weihnachten erledigt sein, hofft Carina Hagedorn. Einiges muss allerdings bis zum Frühjahr warten, etwa das Pflanzen des Obstbaumspaliers auf den Zierbeeten. Grundsätzlich steht der Garten dann auch zur Besichtigung offen, so verlangen es schon die Förderrichtlinien. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich, betont Heffa Schücking, schließlich sind Haus und Garten bewohnt.

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