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Tag der offenen Tür auf dem Gemüsehof Schwienheer

Bio schwächelt beim Absatz

Füchtorf

Biogemüse hat von der Corona-Zeit profitiert. Selberkochen befeuerte den Absatz. Doch in diesem Jahr ist das etwas anders, erfuhren die Besucher des Tags der Offenen Tür auf dem Gemüsehof Schwienheer. Dennoch: Auf dem Biolandbetrieb wird kräftig investiert.

Von Ulrike von Brevern

So appetitlich wie auf dem Handyfoto sehen die Produkte vom Biohof Schwienheer aus, wenn Ulrike Saul (l.) sie in ihrem Biosupermarkt in Dortmund-Hombruch in die Gemüsetheke sortiert hat. Mit Tochter Franziska schaute sich die Filialleiterin jetzt an, wo die Waren herkommen und wie sie produziert werden. Foto: Ulrike von Brevern

Seit knapp zehn Jahren produziert Patrick Schwienheer in Füchtorf Gemüse nach Bioland-Standard. Bislang ging es mit dem Betrieb eigentlich nur bergauf. Das zeigen schon die großen Investitionen für ein weiteres Glashaus, ein weiteres Wasserbassin und eine neue Heizung, die der Gemüsebauer in diesem Jahr in Angriff genommen hat. Beim Tag der offenen Tür im Rahmen der Aktionstage Ökolandbau NRW am Wochenende wurde jedoch auch deutlich: Ein Selbstläufer ist Biogemüse aus Deutschland nicht mehr. In diesem Jahr habe die Nachfrage überraschend nachgegeben, erzählt der Landwirt.

Bio-Großhändler als einziger Kunde

Da kann Ulrike Saul, die in Dortmund eine Biosupermarkt-Filiale leitet, nur zustimmen. Sie gehört mit ihrer Tochter Franziska zu dem Grüppchen Interessierter, die sich in der Packhalle des Hofes zur Führung eingefunden haben. Patrick Schwienheer und seine Familie hat sie täglich vor Augen, erzählt sie lachend: Der Biogroßhändler Weiling, an den der Landwirt fast alle Erzeugnisse verkauft, wirbt mit dem Konterfei der Füchtorfer Familie für die Güte seiner Waren.

Die anderen Interessierten stammen eher aus der näheren Umgebung, aus Füchtorf, Milte und Sassenberg. Gemeinsam bestaunen sie Tomaten, Paprika und Chili, die unter Glas gezogen werden – das Betreten des Gewächshauses ist aus hygienischen Gründen verboten. Und sie zockeln mit dem Planwagen über die Felder rund um den Hof, auf denen Zucchini, Salat und Blumenkohl heranreifen. Da bleibt viel Zeit zum Erzählen.

Das neue Glashaus wartet noch auf Glas: Lieferprobleme. Foto: Ulrike von Brevern

Ein Abstecher führt zum Neubau des Glashauses. Mit 12 000 Quadratmetern wird es etwas kleiner als der Bestand und soll neben Tomaten auch zum ersten Mal Gurken aufnehmen. Insgesamt drei Hektar wird Schwienheer dann unter Glas bewirtschaften. Wenn alles klappt. Denn derzeit fehlt das Glas. Der Lieferstopp aus der Ukraine mache sich bemerkbar, erzählt der Landwirt. Noch hat er Ruhe. Wenn die Lieferung wie versprochen Anfang November kommt, reiche die Zeit für die übrigen Arbeiten. Hauptsache alles werde so passend fertig, dass spätestens Mitte Februar gepflanzt werden kann. Dann klappt es mit der Haupternte vor den Sommerferien. Für den erfolgreichen Betrieb muss alles sauber getaktet sein.

Selbstgemachtes Essen mit guten Bio-Zutaten

Die Sommerferien waren auch der Termin, zu dem sich die Absatzschwäche in diesem Jahr richtig bemerkbar machte, erzählt er. Gerade werde es wieder etwas besser. Die Coronazeit habe Bio zu einem richtigen Schub verholfen. „Die Menschen konnten nicht essen gehen, da wollten sie mit guten Zutaten lecker kochen“, erklärt Ulrike Saul aus ihrer Erfahrung. Dass es etwas mehr kostete, machte da nichts aus.

Das ist jetzt anderes und günstigere Konkurrenz gibt es auch noch. Andere europäische Länder hätten niedrigere Bio-Standards und könnten so die Discounter beliefern, berichtet Schwienheer. Er selber dagegen ist Überzeugungstäter, das ist bei der rund zweistündigen Führung nicht zu übersehen.

Im Planwagen ging es für die Gäste über die Felder (v.l.): Hanna Strotmeier, Heinz Hülsmann und Patrick Schwienheer. Foto: Ulrike von Brevern

Durch einen ausgefeilten Mix von Energieproduktion und -verbrauch werden ihn die Energiepreiserhöhungen kaum treffen, schätzt er – auch wenn es neben der neuen Hackschnitzelheizung als Spitzenlastlösung eine Gasheizung geworden ist. Für die Bewässerung in den Glashäusern nutzt er zwei Wasserbassins, die sechs Millionen Liter fassen werden, wenn das zweite erst fertig ist. Darin wird das Regenwasser von den Gewächshausdächern aufgefangen und wiederverwertet.

Wasserlizenz kommt an ihre Grenze

Mehr Sorgen machen die Felder. Für die Bewässerung, die im Gemüsebau unerlässlich ist, hat er eine Wasserentnahmelizenz. Die hat in diesem Jahr zum ersten Mal nicht gereicht. Den Schaden, der dadurch entstanden ist, tut er ab. Auch die Absatzschwierigkeiten schildert er nicht als bedrohlich, schließlich erreichten die Zahlen immer noch die Werte von vor zwei Jahren. Dennoch: „Es ist schon krass. Wir dachten es geht immer so weiter!“ Aber das stimmt auch bei Biogemüse nicht mehr.

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