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Brutvögel haben Vorrang

Artenschutzprüfung beutelt Baugebiet "Nördlich des Steinbrink"

Sassenberg

Diplomgeograf Peter Düphans hat während der Brutsaison im Frühjahr im Baugebiet „Nördlich des Steinbrink“ zwei Kiebitz-Nester und möglicherweise sogar ein brütendes Austernfischerpaar in zu dichtem Abstand zur geplanten Bebauung beobachtet.

Von Ulrike von Brevern

Zwischen Häuserzeile und Solobaum (l.) soll das Baugebiet „Nördlich des Steinbrink“ entstehen. Hinter der Baumreihe an der Kiebitzstaß (r.), die direkt zum Naturschutzgebiet Füchtorfer Moor führt geht es dann noch weiter bis zur Rückseite der Firma Scheffer. Foto: Ulrike von Brevern

„Die Stadt Sassenberg verfügt über ausgesprochen hochwertige Naturschutzbereiche, da kann man Ihnen nur gratulieren“, sagte Diplomgeograf Peter Düphans aus Gütersloh beinahe tröstend, als er beim zweiten Vortrag des Abends den Mitgliedern des Infrastrukturausschusses über seine Ergebnisse einer Artenschutzprüfung auf dem ehemaligen Gerco-Gelände berichtete. Die Kommunalpolitiker lachten eher müde, denn sie hatten schon beim ersten Vortrag zum Thema „Nördlicher Steinbrink“ realisieren müssen, dass dieser Naturreichtum bei der Vorbereitung eines neuen Baugebietes durchaus Probleme bereiten kann.

Während die Prüfung beim ehemaligen Gerco-Gelände und anschließend auch beim geplanten Gewerbe- und Industriegebiet Steinkamps Heide keine besonderen Maßnahmen erforderlich machte – einzig den an beiden Stellen beheimateten Fledermäusen solle Flugraum gewährt werden, empfahl Düphans – sah das „Nördlich des Steinbrink“ ganz anders aus. Während der Brutsaison im Frühjahr hatte der Experte dort zwei Kiebitz-Nester und möglicherweise sogar ein brütendes Austernfischerpaar in zu dichtem Abstand zur geplanten Bebauung beobachtet. Seltene Feld- und Wiesenvogelarten wie Uferschwalbe und Rohrweihe aus dem unmittelbar angrenzenden Naturschutzgebiet Füchtorfer Moor nutzen die Fläche als Nahrungsgäste.

Die Brutvögel machen sogenannte CEF-Maßnahmen notwendig. Die englische Abkürzung bedeutet, dass vorgezogene Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Denn wenn einfach losgebaut würde, würden sich die Tiere so gestört fühlen, dass sie ihre angestammten Brutstätten nicht wieder aufsuchen, erläuterte Düphans. Ein möglicher Ausweg wäre ein „Kiebitzfenster“ von rund 1,5 Hektar Größe im benachbarten Acker, das die Tiere zum Umzug bewegen könnte. Wie genau die Maßnahmen aussehen werden, muss nun allerdings zunächst mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis abgestimmt werden. Sollte das Baugebiet später einmal ausgedehnt werden, warnte Düphans schon vorsorglich vor wesentlich größeren artenschutzbezogenen Hürden.

Allerdings ist der Naturschutz nicht der einzige Konflikt, den das gebeutelte Neubaugebiet mit sich bringt. Auch das Schallschutzgutachten ergab Probleme. Zwar liege der Gewerbelärm derzeit noch innerhalb der Grenzwerte. Doch kann die Firma Scheffer auf ihrem angrenzenden Gelände noch ausbauen. Der dann entstehende Schallpegel sei zu hoch, so dass im Bebauungsplan mit entsprechenden Bauauflagen reagiert werden müsse. Westlich der Kiebitzstraße würde selbst das nicht reichen, um die Grenzwerte für ein Wohngebiet zu erreichen.

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